Dino Mutschler, bekannt als „Tonino“, hat sich in der europäischen Techno-Szene einen Namen gemacht. Warum er Ludwigsburg trotzdem treu bleibt und welche Pläne er für die lokale Musikszene hat.

Ludwigsburg: Nicole Töppke (top)

Er steht lächelnd hinter dem DJ Pult, tanzt zu seiner Musik. Sekunden später dropped der Beat und die Menge jubelt. Es sind genau diese Momente die Dino Mutschler beschreibt, wenn er über seine Leidenschaft zur Musik spricht. „Man vergisst den Alltagsstress. Man ist gemeinsam in dem Moment und genießt die Musik“, sagt der Techno-DJ über seine Auftritte.

 

Der 29-Jährige legt unter dem Namen „Tonino“ in Clubs und auf Festivals in ganz Europa auf. London, Berlin, Brüssel, Mainz, Frankfurt oder Warschau – seiner Heimatstadt Ludwigsburg bleibt er dabei jedoch immer treu. „Ich bin in Ludwigsburg geboren, aufgewachsen und bin immer noch hier.“ Das liegt vor allem an seiner Familie und seinen Freunden, die ihn in Ludwigsburg halten. „In der Großstadt ist mir zu viel Trubel. Hier ist alles etwas entspannter“, sagt Mutschler.

Zwischen Beats und Bauwesen

Der Wunsch nach Entspannung und Ruhe ist verständlich. Mutschler ist Bauingenieur und arbeitet unter der Woche als Führungskraft in einem Bauunternehmen. „Die Wochenenden gehören dann der Familie und der Musik.“ Häufig legt er dann deutschlandweit auf, teilweise sogar in ganz Europa. Vor knapp einem Jahr hat er auch sein eigenes Label Solara gegründet, unter dem er auch Musik anderer Künstler veröffentlicht.

Tonino legt in ganz Deutschland und Europa auf. Foto: Matthias Prinz

„Techno ist für mich mehr als nur Musik. Es ist meine Leidenschaft“, sagt Mutschler. Musik habe in seinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Er habe als Kind Klavier in der Musikschule gelernt und sei früh mit elektronisch produzierter Musik in Verbindung gekommen. „Ich habe damals eine CD mit ‚Music Maker’ von meinem Papa bekommen und damit herumgespielt“, erinnert er sich. Im Laufe der Jahre habe er viel ausprobiert, auch mit Hip-Hop-Beats, aber sei nie dauerhaft dran geblieben.

Einer der größten DJs spielte seinen Song vor tausenden Fans

„Ausschlaggebend war dann die Coronazeit“, so Mutschler. „Ich habe das Projekt Tonino gestartet und Musik auf einem besseren Level produziert. Mich echt dahinter geklemmt.“ Durch einen Podcast, in den er immer andere Produzenten und DJs eingeladen hat, und durch Veröffentlichungen seiner Musik bei verschiedenen Labels habe er nach und nach mehr Bekanntheit erlangt. „Ich hatte das große Glück, dass ich direkt auswärts Gigs gespielt habe.“ Highlight seiner bisherigen Karriere war, als der DJ Kevin de Vries, einer der größten Künstler der Szene, einen von ihm produzierten Track beim Rave Rebel Festival in Belgien vor 16 000 Leuten gespielt hat. „Er hat sogar ein Video gemacht und mich verlinkt. Danach hat es ordentlich Fahrt aufgenommen.“

Hauptsächlich produziert Mutschler Melodic Techno oder Progessive House Musik. „Mein Anspruch ist es allerdings die Genres zu durchbrechen“, sagt er. Während andere nach „Schema F“ produzieren, versuche er etwas anderes reinzubringen. „Beispielsweise baue ich in einen Techno-Track ein Hip-Hop-Vocal ein“, erklärt Mutschler. Bei seinen Auftritten versucht er aufs Publikum einzugehen und flexibel zu bleiben. „Ich schaue was das Publikum gerade braucht und passe mich an. Ich versuche bei meinen Performances immer 100 Prozent zu geben.“ Ganz egal wie viel los ist.

Frischer Wind für Ludwigsburgs Techno-Szene

Seine Vision: die Techno-Szene zurück nach Ludwigsburg bringen. „Im Kreis Ludwigsburg gab es früher starke Veranstaltungsreihen wie zum Beispiel ‚Bass am Sonntag’ oder ‚Bruja’“, berichtet er. Über die Zeit sei es immer weniger geworden und das aktive Szeneleben spielt sich hauptsächlich in Stuttgart ab. „Dabei gibt es auch außerhalb von Stuttgart sehr viele talentierte Kollektive, mit schönen Visionen“, betont er. Ein tolles Beispiel ist das Projekt „Singularity Rave“ aus Vaihingen an der Enz. Im Februar legte Mutschler dort bereits zum zweiten Mal auf und ist von der Veranstaltung begeistert. „Es braucht genau solche Konzepte wie das Projekt Singularity, um den Kollektiven auch außerhalb der Großstadt eine Bühne zu bieten.“ Auch er plant mit seinem Label den Techno zurück in die Barockstadt zu bringen.