ARD-Film „Ramstein – Das durchstoßene Herz“
: Die Katastrophe in der Katastrophe

„Ramstein – Das durchstoßene Herz“ erzählt von der Flugschau-Tragödie im Sommer 1988. Der Film weidet sich nicht sensationslüstern am Grauen, sondern rückt die Sichtweise der Opfer ins Zentrum.
Von
Tilmann Gangloff
Stuttgart
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  • Nichtsahnend: Familie Müller freut sich auf das Flugspektakel

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  • Robert Müller (Max Hubacher) hat seine Familie (Marie Jung, Elja Bohn, Joan Fels) zur Flugschau ausgeführt und erfüllt damit seinem Sohn einen Geburtstagswunsch.

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  • Seinem Sohn Torsten (Philipp Noah Schwarz), einem zukünftigen Soldaten zuliebe, ist Bernd Lehmann (Oliver Reinhard) zur Flugschau gefahren.

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  • Bernd Lehmann mit seinem Sohn Torsten (Philip Noah Schwarz) und dessen Freundin Ulrike (Vega Fenske) beim Flugtag in Ramstein.

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  • Oliver Reinhard als Bernd Lehmann im Moment des Zusammenpralls der Flugzeuge

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  • Familie Kleiber (v.r.n.l.: Jens Kipper, Niklas Geiling, Alina Stiegler und Hannes Linder) kurz vor dem dem Unglück, das zwei von ihren das Leben kosten und das Leben der anderen beiden unwiderruflich verändern wird.

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  • Durch reinen Zufall hat Dorothee Kleiber (Alina Stiegler) sich gerade von ihrer Familie entfernt, als das Unglück geschieht.

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  • Als erster Notarzt von außerhalb kommt Matthias Kruse (Jan Krauter) auf dem Flugfeld in Ramstein an.

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  • Kruse (Jan Krauter) muss Brandopfer beruhigen ....

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  • ... - und gleichzeitig entscheiden, wer unter den Schwerverletzten noch Chancen auf Heilung hat und ins Krankenhaus transportiert wird.

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  • Amerikanische Soldaten bemühen sich, die Verletzten so schnell wie möglich in Kliniken zu bringen, darunter auch Rebecca Müller.

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  • Pfleger Daniel Mendt (Ron Helbig) hat gerade erst seine Ausbildung abgeschlossen und kämpft mit aller Kraft um die ihm anvertrauten Leben.

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  • Die Ermittler Hagen Dudek (Trystan Pütter) und Jeanine Kopps (Elisa Schlott) befragen den Notarzt Matthias Kruse (Max Hubacher), der ihnen den Ablauf der Rettungsmaßnahmen erläutern soll.

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  • Captain Grady (Megan Gay) gibt sich den deutschen Ermittlern Hagen Dudek (Trystan Pütter) und Jeanine Koops (Elisa Schlott) gegenüber verbindlich, hat aber im Grunde genommen nicht die Absicht oder Aufgabe, deren Arbeit zu unterstützen.

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  • Max Hubacher als Robert Müller bei der Gedenkfeier für die Opfer der Flugtagkatastrophe, an seiner Seite Roland Fuchs, ein Überlebender der Katastrophe.

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  • Bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Unglücks gedenken Stefan Kleiber (Hannes Linder) und seine Schwester Dorothee (Alina Stiegler) ihres Bruders und ihres Vaters, die beide an ihren Verletzungen starben. Im Hintergrund Bernd Lehmann (Oliver Reinhard) und Psychologien Martina Puttkammer (Therese Hämer).

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  • Gegenseitiger Trost bei der Gedenkfeier: Daniel Mendt (Ron Helbig, links) hatte Robert Müllers (Max Hubacher, rechts) Tochter bis zu deren Tod betreut.

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  • Die Psychologin Martina Puttkammer (Therese Hämer) kümmert sich über Jahre hinweg um die Menschen, die mit der Belastung durch das Unglück nicht fertig werden, seien es Verletzte, Hinterbliebene oder Helfer.

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  • Mathias Kruse (Jan Krauter) hat nicht die Absicht, sich vom Innenminister (Klaus Zmorek, rechts) von seiner Einschätzung der Rettungsmaßnahmen beim Unglück abbringen zu lassen, auch wenn das womöglich seiner Karriere schadet.

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Es liegt in der Natur des Unglücks, dass es sich meist aus heiterem Himmel ereignet. In diesem Fall stimmt das buchstäblich: An einem schönen Sommertag im August 1988 wandelte sich eine Flugschau auf der pfälzischen Ramstein Air Base zu einer der größten Tragödien, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ereigneten. Höhepunkt einer Vorführung der italienischen Kunstflugstaffel sollte ein mit Rauchstreifen an den Himmel gemaltes Herz sein, das von einem Flugzeug durchstoßen wird. Dabei kollidierten drei Maschinen. Binnen Sekunden entwickelte sich ein flammendes Inferno. Es grenzt an ein Wunder, dass nicht noch viel mehr der schätzungsweise 300 000 Menschen betroffen waren. Nach offiziellen Angaben gab es siebzig Tote, mehr als Tausend Verletzte.

Der Notfallmediziner muss über Leben und Tod entscheiden

Aber wie lässt sich von dem Unglück erzählen, ohne die Inszenierung spekulativ wirken zu lassen? Holger Karsten Schmidt (Buch) und Kai Wessel (Regie) haben einen Weg gefunden, der vorbildlich ist, selbst wenn „Ramstein – Das durchstoßene Herz“ Szenen zu bieten hat, die auch aus einem Katastrophenfilm stammen könnten. Die Fakten vermittelt ein Mitarbeiter des Luftfahrtbundesamts (Trystan Pütter), der mit einer Kollegin (Elisa Schlott) die Hintergründe der Katastrophe untersucht. Zu ihren Befragten gehört der Notfallmediziner Kruse (Jan Krauter). Seinen Schilderungen verdankt der Film einige seiner bewegendsten Momente, weil der Arzt angesichts der unüberschaubaren Anzahl an Schwerverletzten binnen Sekunden entscheiden musste, bei wem sich eine Versorgung nicht mehr lohnt. Eine weitere Ebene zeigt das Treffen einer Selbsthilfegruppe, die sich aus Überlebenden und weiteren Betroffenen zusammensetzt.

Wie bei fast allen Verhängnissen dieser Art entpuppte sich der vermeintliche Schicksalsschlag als Ergebnis menschlichen Versagens, das anschließend vertuscht werden sollte. Der Sicherheitsabstand des Publikums war nur halb so groß wie vorgeschrieben. Außerdem habe es kein Rettungskonzept gegeben, kritisiert Kruse, so dass das Chaos in die Kliniken verlagert wurde – die Katastrophe in der Katastrophe.

Die Kamera weidet sich nicht am Unglück der Menschen

Der dreifache Grimme-Preisträger Schmidt hat bereits 1988 ein erstes Drehbuch geschrieben, aber eine Anstalt nach der anderen hat abgewinkt, auch der gewissermaßen zuständige SWR – Ramstein liegt im Sendegebiet. Dabei hat der Sender mit „Flug in die Nacht – Das Unglück von Überlingen“ (2009) schon einmal gezeigt, wie sich eine derartige Tragödie mit der nötigen Zurückhaltung erzählen lässt.

Umso respektabler, dass der SWR das Projekt nun doch finanziert hat, obwohl die Kosten schon wegen der aufwendigen Computerbilder vermutlich weit über dem Durchschnitt gelegen haben dürften. Neben dem Budget wird auch die Furcht vor dem optischen Grauen die Skrupel der Sender genährt haben. Die Kamera (Holly Fink) weidet sich jedoch nie am Unglück der Menschen. Und, das war allen Beteiligten ein Anliegen: Die Sichtweise der Opfer steht im Zentrum der geschickt miteinander verwobenen Handlungsstränge. Erfunden ist nur das Ermittlerduo, alle anderen sind authentischen Vorbildern nachempfunden, keines der Schicksale ist ohne Einwilligung erzählt worden.

Ramstein – Das durchstoßene Herz. ARD, 26. Oktober, 20.15 Uhr; im Anschluss um 21.45 Uhr „Ramstein – Die Doku“; beides bereits in der Mediathek abrufbar.