Frank O. Gehry wird neunzig
: Der Stararchitekt

Mit dem Guggenheim-Museum in Nordspanien hat er den Bilbao-Effekt erfunden: Frank O. Gehry ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Architekten der Welt. Sein Markenzeichen: Bauten außer Rand und Band.
Von
Ulla Hanselmann
Stuttgart
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  • Frank O. Gehry vor dem Lou Ruvo Center in Las Vegas

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  • So kann nur ein Gehry aussehen: Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein.

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  • Tanzende Titanplatten: Das 1997 eröffnete Guggenheim-Museum in Bilbao

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  • Mit der Architekturikone erfand Frank O. Gehry den „Bilbao-Effekt“.

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  • Darunter versteht man seither den touristischen und kulturellen Push, zu dem eine Architekturikone einer Region verhelfen kann.

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  • Das Chau Chak Wing Building in Sydney ist der erste Gehry-Bau in Australien.

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  • Für den Vorstandsvorsitzenden des Luxusartikelkonzerns LVMH, Bernard Arnault, entwarf Gehry die Fondation Louis Vitton in Paris.

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  • Das Privatmuseum im Bois de Boulogne wurde 2014 eröffnet.

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  • Die Fassade ähnelt Schiffssegeln, Gehry selbst spricht von einer „Glaswolke“.

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  • Gehry baute aber nicht nur Kunsttempel, sondern auch Bürobauten -hier der Neue Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen.

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  • Das Hochhaus Opus Hong Kong in Hongkong, 2011 fertiggestellt. Eines der Luxusapartments soll für fast 60 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt haben.

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  • Und noch so eine Hula-Hoop-Architektur: das Museum Marta Herford in Herford

    Klemens Ortmeyer
  • Von „Form follows Function“ hält er nicht viel: Frank O. Gehry feiert am 28. Februar seinen 90. Geburtstag.

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Stuttgart - Eine Altersgrenze kennen Architekten nicht, Ruhm erlangen sie nicht selten erst in fortgeschrittenem Alter. Der kalifornische Architekt Frank O. Gehry musste fast siebzig Jahre alt werden, um in den Olymp seiner Zunft zu gelangen. 1997 wurde das Guggenheim-Museum in Bilbao eröffnet. Mit dieser Architektur-Choreografie aus tanzenden Titanplatten brachte Gehry, der eigentlich Ephraim Owen Goldberg heißt, das in die Welt, was man seither „Bilbao-Effekt“ nennt: den touristischen und kulturellen Push, zu dem eine Architekturikone einer darbenden Region verhelfen kann.

Der 1929 im kanadischen Toronto geborene Sohn jüdischer Eltern, der in jungen Jahren auch als Lkw-Fahrer seine Dollar verdiente, bevor er 1962 im kalifornischen Santa Monica ein Architekturbüro gründete, hat noch andere, allerdings eher zweifelhafte Meriten: Mit seinem Bilbao-Bau rief er das Stargewese in der Architektur ins Leben. Er ist mitschuldig daran, dass bis heute bei jedem mittelprächtigen Museumsbau von „Stararchitektur“ die Rede ist, dass jede banale Bürokiste von einem „Stararchitekten“ ersonnen wurde. Gehry selbst hört es angeblich nicht gern, wenn man ihn so bezeichnet. Tatsächlich ist er mehr als jeder andere zeitgenössische Gestalter das, was man einen „signature architect“ nennt: ein Architekt, dessen Handschrift man sofort erkennt. Linien außer Rand und Band; Baukörper, die Hula-Hoop zu tanzen scheinen, eine Architektur, die Geometrie, Regeln, Ordnung und den Apologeten von „Form follows Function“ die lange Nase zeigt.

Er wohnt in einer Trash-Collage

Als postmoderner Dekonstruktivist, der Frank Lloyd Wright als sein wichtigstes Vorbild und Häuser „multiple Persönlichkeiten“ nennt, erwies sich Gehry bereits 1979 beim Umbau seines eigenen Wohnhauses in Santa Monica, das er mit Maschendraht, Wellblech und Rigips zu einer Trash-Collage formte. Es gilt als Prototyp des Dekonstruktivismus und Gehry als dessen vorrangigster Vertreter. 1989 wurde er für seine Arbeit mit dem Pritzker-Preis, dem wichtigsten Architekturpreis der Welt, geehrt.

Formenexplosionen, vorzugsweise aus gleißendem Stahl und Titan, welche die Sinne schwindlig machen: Möglich wurde diese zeichenhafte Skulpturen-Architektur nur, weil Gehry einer der Ersten war, der Rechenprogramme nutzte; das Büro greift auf eine aus der Flugzeugbauindustrie stammende 3-D-Software zurück, um die Entwürfe des Meisters, die im Anfangsstadium oft aus zerknülltem oder zerrissenem Papier entstehen, in Gebautes umzusetzen.

Ein Museumsbau gilt als sein Sprungbrett in die internationale Karriere, er liegt in Baden-Württemberg – das herrlich verdrehte, 1989 fertiggestellte Vitra-Design- Museum in Weil am Rhein. In der Folge wuchs Gehry zum Global Player im Kulturbau heran: Seine Kunsttempel finden sich in Los Angeles (Walt Disney Concert Hall) und Seattle (Experience Music Project), in Paris (Fondation Louis Vuitton) wie in Herford (Museum Marta Herford).

Ein Geburtstagskonzert im Berliner Pierre-Boulez-Saal

Weil er seine exaltierten Verformungskünste wiedererkennbar an beliebigen Orten praktizierte, so auch im Düsseldorfer Medienhafen mit den Neuen-Zollhof-Bürobauten, muss sich Gehry den Vorwurf gefallen lassen, sich immer wieder selbst zu kopieren statt dem Genius Loci gerecht zu werden. Eine Kritik, die er 2001 mit dem Neubau für die DZ-Bank am Pariser Platz in Berlin eindrucksvoll zurückwies. Der Bau fügt sich nach außen brav in die Berliner Naturstein-, Lochfassaden- und Traufhöhen-Verordnungen ein, nur um im Atrium mit einem gigantischen stählernen Gebilde aufzuwarten, das starke Ähnlichkeit mit einem Pferdekopf hat.

Dass Gehry auch fähig ist, vollendete Innenräume zu schaffen, was ihm vielfach abgesprochen wurde, bewies er zuletzt 2017 mit dem Pierre-Boulez-Konzertsaal der Barenboim-Said-Akademie in Berlin. Hier findet auch ein Geburtstagskonzert zu seinen Ehren statt: An diesem Donnerstag wird Frank O. Gehry neunzig Jahre alt.