Laut „New York Times“
: Das sind die zehn besten Bücher des 21. Jahrhunderts

Mehr als 500 Menschen haben für die „New York Times“ über die bedeutendsten Werke seit dem Jahr 2000 abgestimmt.
Von
Katrin Jokic
Berlin/ New York
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Bücher: ARCHIV - 17.08.2020, Hessen, Frankfurt/Main: ILLUSTRATION - Ein Stapel neuer Bücher liegt auf einem Verkaufstisch in einer Buchhandlung. (zu dpa: «Elena Ferrante bleibt ein Geheimnis - Essays veröffentlicht») Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Stapel neuer Bücher liegt auf einem Verkaufstisch in einer Buchhandlung. (Symbolbild)

Frank Rumpenhorst/dpa

Welche Bücher werden unsere Zeit überdauern? Mehr als 500 Schriftsteller, Kritiker und andere Literaturexperten haben für die „New York Times“ über die bedeutendsten Werke seit dem Jahr 2000 abgestimmt. Auf Platz eins steht ein Roman, der Millionen Leserinnen und Leser begeistert hat.

Was ist das beste Buch des 21. Jahrhunderts? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage dürfte es kaum geben. Die „New York Times“ hat dennoch einen außergewöhnlich umfangreichen Versuch unternommen: 503 Autorinnen und Autoren, Literaturkritiker, Wissenschaftler, Verleger, Übersetzer, Buchhändler und weitere Persönlichkeiten aus der Literaturwelt wurden nach ihren wichtigsten Büchern seit dem Jahr 2000 gefragt.

Das Ergebnis ist eine Liste mit 100 Werken, die bereits 2024 veröffentlicht wurde. Sie umfasst internationale Bestseller, anspruchsvolle Gegenwartsliteratur, historische Romane und erzählende Sachbücher.

An der Spitze steht der Auftakt einer weltberühmten Romanreihe.

„Meine geniale Freundin“ ist das beste Buch des Jahrhunderts

Platz eins belegt „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Der Roman erschien ursprünglich 2011 und eröffnet die vierteilige Neapolitanische Saga.

Im Mittelpunkt stehen Elena und Lila, die in einem armen Viertel Neapels aufwachsen. Ihre Freundschaft ist von Nähe, Konkurrenz, Bewunderung und Konflikten geprägt. Über mehrere Jahrzehnte hinweg erzählt Ferrante nicht nur die Lebensgeschichte der beiden Frauen, sondern auch von gesellschaftlichen Veränderungen, Bildung, sozialem Aufstieg und den begrenzten Möglichkeiten weiblicher Selbstbestimmung.

Die wahre Identität der unter dem Namen Elena Ferrante schreibenden Person ist bis heute nicht offiziell bekannt. Der internationale Erfolg ihrer Romane wurde dadurch eher noch verstärkt.

Die zehn besten Bücher des 21. Jahrhunderts

Diese Werke haben es auf die ersten zehn Plätze der „New York Times“-Auswahl geschafft:

Elena Ferrante: „Meine geniale Freundin“
Der Beginn der Neapolitanischen Saga über eine komplizierte Freundschaft und das Leben in einem von Armut und Gewalt geprägten Viertel Neapels.

Isabel Wilkerson: „The Warmth of Other Suns“
Das Sachbuch erzählt von der sogenannten Great Migration, bei der Millionen Schwarze Amerikaner den Süden der USA verließen. Eine deutsche Ausgabe ist bislang nicht erschienen.

Hilary Mantel: „Wölfe“
Der historische Roman schildert den Aufstieg Thomas Cromwells am Hof des englischen Königs Heinrich VIII. und gewann den renommierten Booker Prize.

Edward P. Jones: „Die bekannte Welt“
Ein Roman über Sklaverei, Macht und gesellschaftliche Widersprüche im Amerika des 19. Jahrhunderts.

Jonathan Franzen: „Die Korrekturen“
Franzens großer Familienroman erzählt von den Konflikten einer amerikanischen Familie und wurde zu einem der bekanntesten Romane der frühen 2000er-Jahre.

Roberto Bolaño: „2666“
Ein monumentaler Roman über Literatur, Gewalt und eine rätselhafte Mordserie in einer mexikanischen Grenzstadt.

Colson Whitehead: „Underground Railroad“
Whitehead verwandelt das historische Fluchtnetzwerk für versklavte Menschen in eine tatsächlich existierende unterirdische Eisenbahn.

W. G. Sebald: „Austerlitz“
Ein literarisch außergewöhnlicher Roman über Erinnerung, Identität, Vertreibung und die Folgen des Holocaust.

Kazuo Ishiguro: „Alles, was wir geben mussten“
Eine leise und beklemmende Zukunftsgeschichte über Liebe, Freundschaft und die Frage, was einen Menschen ausmacht.

Marilynne Robinson: „Gilead“
Ein alter Pastor schreibt einen langen Brief an seinen jungen Sohn und blickt dabei auf sein Leben, seinen Glauben und seine Familie zurück.

Wie die Rangliste entstanden ist

Für die Auswahl arbeitete die Literaturredaktion der „New York Times Book Review“ mit „The Upshot“ zusammen, dem auf Datenjournalismus und Analysen spezialisierten Ressort der Zeitung.

Hunderte Menschen aus dem Literaturbetrieb wurden gebeten, jeweils zehn Bücher auszuwählen, die sie für die besten Werke des 21. Jahrhunderts hielten. Dabei durften die Teilnehmenden selbst entscheiden, was das Wort „beste“ für sie bedeutete.

Manche nannten ihre persönlichen Lieblingsbücher. Andere entschieden sich für Werke, von denen sie glaubten, dass sie noch über Generationen hinweg gelesen werden.

Für die Abstimmung galten nur wenige Voraussetzungen: Die Bücher mussten am oder nach dem 1. Januar 2000 in den USA und in englischer Sprache veröffentlicht worden sein. Übersetzungen waren ausdrücklich zugelassen.

Zusätzlich wurden den Befragten zufällig ausgewählte Buchpaare vorgelegt. Sie sollten jeweils entscheiden, welches der beiden Werke sie bevorzugten. Die Ergebnisse dieser direkten Vergleiche wurden anschließend mit den abgegebenen Stimmen kombiniert.

Auf dieser Grundlage entstand die Rangliste der 100 besten Bücher.

Auch der deutsche Schriftsteller W. G. Sebald (1944-2001) taucht in den Top 10 der besten Bücher des 21. Jahrhunderts auf.

Auch der deutsche Schriftsteller W. G. Sebald (1944-2001) taucht in den Top 10 der besten Bücher des 21. Jahrhunderts auf.

picture-alliance / dpa

Romane dominieren die ersten Plätze

Unter den zehn höchstplatzierten Werken befinden sich vor allem Romane. Isabel Wilkersons „The Warmth of Other Suns“ bildet als umfangreiches historisches Sachbuch eine Ausnahme.

Auffällig ist außerdem die internationale Ausrichtung der Auswahl. Neben US-amerikanischen Autoren finden sich unter anderem Werke aus Italien, Großbritannien, Japan, Deutschland und Chile bzw. Mexiko.

Mehrere Bücher beschäftigen sich mit den großen gesellschaftlichen Konflikten des vergangenen Jahrhunderts: Sklaverei und Rassismus, Krieg und Vertreibung, soziale Ungleichheit sowie die Folgen politischer Gewalt.

Gleichzeitig spielen persönliche Beziehungen eine zentrale Rolle. Familien, Freundschaften und individuelle Lebensentscheidungen verbinden viele der ausgezeichneten Werke miteinander.

Diese Liste dürfte noch lange für Diskussionen sorgen

Literarische Ranglisten bleiben zwangsläufig subjektiv. Selbst eine Abstimmung unter mehr als 500 Fachleuten kann nicht endgültig festlegen, welche Bücher tatsächlich die besten des Jahrhunderts sind.

Die Auswahl der „New York Times“ zeigt jedoch, welche Werke den internationalen Literaturbetrieb seit dem Jahr 2000 besonders stark geprägt haben. Für Leserinnen und Leser ist die Liste deshalb vor allem eines: eine umfangreiche Sammlung möglicher Entdeckungen.

Wer zunächst nur ein Buch auswählen möchte, kann mit dem Sieger beginnen. „Meine geniale Freundin“ erzählt zwar von zwei Frauen in einem neapolitanischen Viertel – zugleich behandelt der Roman jedoch universelle Fragen über Herkunft, Ehrgeiz, Abhängigkeit und die lebenslange Wirkung einer Freundschaft.