Markus Hartmann: „Der Fotosommer ist für Stuttgart immens wichtig“

Diskutieren am 15. Juli in unserer Dialogreihe „Über Kunst“ in der Staatsgalerie Stuttgart: Verleger Markus Hartmann, Künstlerin Ricarda Roggan und Kurator Bertram Kaschek
Hartmann/Becher, BKZ/Dirk Kittelberger, StaatsgalerieNäher dran an herausragenden Persönlichkeiten der Kunstszene - unsere Veranstaltungsreihe „Über Kunst“ in der Staatsgalerie Stuttgart (Vortragssaal im Stirlingbau) macht es möglich. Zwei Tage vor der Fotosommer Stuttgart-Hauptschau am 17. Juli gilt unser nächster „Über Kunst“-Abend der Fotografie. Mit der international erfolgreichen Fotokünstlerin Ricarda Roggan und Staatsgalerie-Kurator Bertram Kaschek mit auf der Bühne ist der Verleger und Kurator Markus Hartmann.
Herr Hartmann, Sie engagieren sich als Verleger, Kurator, Juror und Projekt-Galerist für die Fotografie und die Kunst mit Fotografie. Was fasziniert Sie?
Das Bild an sich, die dokumentarischen und ästhetischen Möglichkeiten des Mediums Fotografie und auch die Entwicklung des Mediums seit nun mittlerweilen 200 Jahren, parallel zur Entwicklung des noch viel älteren Mediums „Buch“, das wir immer noch in analog gedruckter Form pflegen.
„Über Kunst“ in der Staatsgalerie Stuttgart
Herausragende Persönlichkeiten der Kunstszene präsentiert die Dialogreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung in der Staatsgalerie Stuttgart. Gäste am Mittwoch, 15. Juli (Beginn 19 Uhr. Einlass 18.30 Uhr), sind: Ricarda Roggan, international bekannte Fotokünstlerin und Professorin für Fotografie an der Kunstakademie Stuttgart; Markus Hartmann, Verleger und Kurator; Bertram Kaschek, Kurator der Staatsgalerie Stuttgart für Deutsche und Niederländische Kunst vor 1800 (Kunst auf Papier) sowie Mit-Lenker der Staatsgalerie-Fotokunst-Bühne „The Gällery“. Der Eintritt ist frei. Sie können dabei sein - über www.zeitung-erleben.de/ueberkunst.
Stuttgart setzt mit dem offiziell am 17. Juli startenden Festival „Fotosommer“ auf Vielfalt auf ganz unterschiedlichen Bühnen von Privatgalerien bis hin zur Staatsgalerie Stuttgart. Wie wichtig ist solch ein Großprojekt aus Ihrer Sicht?
Immens wichtig. Gerade in Stuttgart ist dies wichtiger als anderswo, etwa in Berlin, Köln oder Leipzig. In Stuttgart sind die darstellenden Künste immer stärker sichtbar als die Bildenden Künste und am schlechtesten schneiden die Angewandten Künste ab.
Eine harte Analyse.
Schauen Sie, bis zur Eröffnung von „The Gällery – Raum für Fotografie“ in der Staatsgalerie gab es keine feste institutionelle Ausstellungsfläche in der Stadt, in der immerhin 1929 eine der wichtigsten und bahnbrechendsten Fotoausstellungen des 20. Jahrhunderts ihre Premiere hatte - „Film+Foto“. Daher sind Projekte wie der Fotosommer umso wichtiger um dem Medium an sich und der künstlerischen Fotografie im Besonderen wenigstens alle zwei Jahre einmal einen größeren Auftritt in der Stadt zu geben, zudem ja die sozialen Medien immer bild- und filmlastiger werden. Kurz gesagt: Da schadet eine gewisse Grundbildung in Sachen Fotografie ja nicht.
Ihre Buchprojekte mit hartmann books gelten vor allem Künstlerinnen und Künstlern, die forschend beziehungsweise analytisch agieren. Immer verbunden mit dem Begriff der Authentizität. Wie schnell werden auch diese Äußerungsfelder von der Künstlichen Intelligenz erfasst?
Ich sage mal, wir sind ergebnisoffen. Es gab auch schon einmal die Überlegung ein Theoriebuch zur KI zu machen, aber es stellte sich heraus, das die Entwicklungen in diesem Bereich so schnell sind, das ein gedrucktes Buch überhaupt keinen Sinn machen würde. Es wird bei uns sicherlich auch einmal Titel mit KI-generierten Bildern geben, es hat sich aber noch nicht ergeben.
Auch, weil Sie einfach zu gerne Projekte im Dialog entstehen lassen?
Ja, die Bilder und Projekte die wir verlegen, sind aktuell immer noch entweder analog oder digital von FotografInnen und KünstlerInnen erzeugt, also „menschengemacht". Außerdem haben wir tatsächlich sehr gerne mit interessanten, kreativen Menschen zu tun! Die KI nützen wir in den Arbeitsabläufen, für Recherche- und Marketingzwecke. Aber wir warten mal ab, was da so kommt an Projekten, die dann ein Buch wert sein könnten.
Haben Sie schon eine Idee?
Vielleicht eher umgekehrt. Mit dem Fortschreiten der KI generierten Bildwelten wird ja auch der Rückblick in die Fotogeschichte spannender, merken wir gerade. So gesehen sind schon fotografische Projekte von Beginn des 21. Jahrhunderts schon wieder Kunstgeschichte, weil noch analog fotografiert und weitgehend ohne Einsatz von Bildbearbeitungssoftware.
Markus Hartmann
Markus Hartmann, geboren 1962 in Berlin, lebt und arbeitet in Stuttgart. Er kommt aus einer Berliner Verleger- und Druckerfamilie. Nach einer Lehre als Verlagskaufmann, einem Studium an der HDM, Stuttgart und diversen Ausflügen in die internationale Verlagswelt, kümmerte er sich von 1990 bis 2013 im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern schwerpunktmäßig um die Programmbereiche Fotografie und Zeitgenössische Kunst. Seit 2014 ist er als freier Kurator, Autor und seit 2015 gemeinsam mit seiner Frau Angelika Hartmann mit dem mehrfach national geehrten Verlag Hartmann Books und Hartmann Projects unternehmerisch tätig. Sitz des Verlages und des Projektraumes ist die Liststraße 28/1.