Nachruf auf die Autorin
: Monika Helfer, ein trotziges, mutiges Kind aus der „Bagage“

An den Folgen eines Sturzes ist die Schriftstellerin aus Vorarlberg mit 78 Jahren gestorben. Ihre autofiktionalen Romane waren Bestseller.
Von
Jürgen Kanold
Ulm
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Schriftstellerin Monika Helfer

Mit 78 Jahren gestorben: die österreichische Schriftstellerin Monika Helfer.

Rolf Vennenbernd/dpa
  • Die österreichische Autorin Monika Helfer starb mit 78 Jahren an den Folgen eines Sturzes.
  • Bekannt wurde sie durch „Die Bagage“ – ein autofiktionaler Roman über ihre Familie.
  • Es folgten Bestseller im Hanser Verlag, darunter „Vati“ und „Löwenherz“, als Trilogie angelegt.
  • Helfer thematisierte Herkunft, Legenden und Verluste; ihre Eltern und viele Verwandte sind tot.
  • Seit 1981 war sie mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier verheiratet, sie lebten in Hohenems.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit ihrer „Bagage“ sorgte Monika Helfer 2020 für literarisches Aufsehen: Die Moosbruggers waren in diesem Roman gemeint, eine arme Familie, die eigenbrötlerisch im Bregenzer Wald lebt, auf einem Hof abseits des Dorfs. Zwei Kühe, eine Ziege, fünf Kinder. Eines davon ist Margarete, die der Vater verabscheut, vor der er sich ekelt, mit der er kein Wort spricht, weil er denkt, dass sie nicht sein Kind sei. Margarete, Grete genannt, ist die Mutter der Ich-Erzählerin. Es sind Erinnerungsbilder, aber „die Wirklichkeit weht hinein“, kalt und ohne Erbarmen – damit war die 1947 in Au in Vorarlberg geborene Schriftstellerin bei ihrer „Bagage“ und bei der Geschichte ihrer Großeltern.

Die Moosbruggers sind Randständige, Ausgegrenzte, aber für sich eine zufriedene Gemeinschaft. Monika Helfer erzählte von trotzigen, mutigen, erwachsenen Kindern, von einem Überlebenswillen. Auch das rührte  – dank einer einfachen wie altmodischen Sprache und einer zarten Ironie. „Die Bagage“ aber war viel mehr als ein Heimatroman – ein Memoir, in einer Qualität, die auf die Bücher von Annie Ernaux verweist.

Seelischer Ballast und unbeugsamer Antrieb

Die Ich-Erzählerin erkundete in „Die Bagage“ ihre Familiengeschichte, mit vielen sich verzweigenden, auch bedrückenden Lebensläufen. Die Autorin befragte in der Gegenwart ihre eigene Herkunft, die Lügen, Legenden, Wahrheiten. Die uralte Tante Kathe muss als Zeugin herhalten. „Weißt du hundertprozentig genau, dass meine Mama von eurem Vater ist?“ Tante Kathe versichert das deutlich. Was aber wichtiger ist: „Du bist hundertprozentig aus der Bagage.“ Das kann eine Hypothek sein, seelischer Ballast, aber auch ein Schutzmantel und ein unbeugsamer Antrieb.

Es folgten, erschienen im Hanser Verlag, weitere autofiktionale Romane, gefasst dann zu einer „Bregenzerwald-Trilogie“, allesamt Bestseller: „Vati“ (auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises) und „Löwenherz“. Sie verhalfen Monika Helfer zu später Berühmtheit.

„Die Bagage“ durchzieht ein melancholisches Gefühl: „Beinahe alle, über die ich schreibe, liegen unter der Erde“, konstatierte die Autorin damals. Ihre Eltern starben früh, eines ihrer vier Kinder, die Tochter Paula, kam mit 21 Jahren bei einem Bergunfall ums Leben. In zweiter Ehe war Monika Helfer seit 1981 mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier verheiratet: ein außerordentliches literarisches Paar, sie wohnten in Hohenems in Vorarlberg.

Jetzt ist die Autorin mit 78 Jahren an den Folgen eines Sturzes gestorben. „Monika Helfer hat mit ihrer geraden, klaren, wahrhaftigen Literatur die Welt lebendiger gemacht. Mit ihrem Tod verlieren wir Schönheit“, teilte Hanser-Verleger Jo Lendle mit.