Neu im Kino: „Die Odyssee“
: Das Filmereignis des Jahres

Christopher Nolan erzählt eine der Urgeschichten des Abendlands: Homers „Odyssee“. Dabei geht es ihm nicht um ein Heldenepos, sondern um einen schuldbeladenen Mann, der verzweifelt seine Erinnerung sucht.
Von
Martin Schwickert
Los Angeles
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Kinostart „Die Odyssee“: ACHTUNG: SPERRFRIST 15. JULI 18:00 UHR. BITTE DIE SPERRFRIST BEACHTEN: KEINE VERÖFFENTLICHUNG VOR 15. JULI, 18.00 UHR - HANDOUT - 19.02.2025, NA, ---: Jimmy Gonzales (l) als Cepheus, Matt Damon (M) als Odysseus und Himesh Patel als Eurylochus in einer Szene des Films in «Die Odyssee» (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 16.07.2026 in die deutschen Kinos. (zu dpa: «Nolans Götterwerk: Homers «Odyssee» als Filmspektakel») Foto: Melinda Sue Gordon/Universal Pictures/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kinostart „Die Odyssee“: Jimmy Gonzales (l) als Cepheus, Matt Damon (M) als Odysseus und Himesh Patel als Eurylochus in einer Szene des Films, der am 16.07.2026 in den deutschen Kinos startet.

Melinda Sue Gordon/Universal Pictures/dpa
  • Christopher Nolan verfilmt Homers „Odyssee“ als großes Kinoerlebnis mit epischer Wucht.
  • Kinostart in Deutschland: Der Film startet am 16.07.2026 und läuft 180 Minuten, ab 12 Jahren.
  • Matt Damon spielt Odysseus, der nach Gedächtnisverlust seine Schuld und Erinnerung konfrontiert.
  • Inszenierung: analoge IMAX-Bilder, Original-Locations, punktuell digitale Effekte, starkes Sounddesign.
  • Frauenfiguren gewinnen Profil – Penelope, Kalypso und Helena treten aus traditionellen Rollen heraus.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vor fast 3000 Jahren entstanden, zählt Homers „Odyssee“ nach wie vor zur narrativen Ursuppe der abendländischen Kultur-, Literatur-und Filmgeschichte. Gerade für das Kino ist das Epos stets ein unversiegbarer Quell der Inspiration gewesen. Keine Heldensaga, kein Road-Movie, kein Science-Fiction, kein Fantasy-Film wären ohne die dichterische Vorarbeit der „Odyssee“ denkbar.

Die Nachfahren Homers, so es ihn denn gegeben haben sollte, wären heute aus den Copyright-Ansprüchen gegenüber der Filmindustrie reicher als Elon Musk es je werden wird. Die Irrfahrt des Odysseus gilt nicht nur aufgrund ihrer fantastischen, mythischen Gestalten von riesenhaften Zyklopen bis zu verführerischen Sirenen als Mutter aller Abenteuergeschichten, sondern auch aufgrund der nichtlinearen Erzählweise mit parallelen Handlungssträngen, Rückblenden und Perspektivwechseln. Darin eingebunden ist eine komplexe Heldenfigur, die ihren Herausforderungen mit List und Verstand begegnet, Zweifel zulässt und aus begangenen Fehlern zu lernen versucht.

Ein echtes Kinoereignis

Nun hat sich Christopher Nolan des Urstoffs angenommen, und es gibt derzeit wohl keinen Filmemacher, der geeigneter wäre, ein solch größenwahnsinniges Projekt auf die Leinwand zu bringen. Der britische Regisseur hat sich mit Filmen wie „The Dark Knight“ (2008), „Inception“ (2010) und „Oppenheimer“ (2023) als einer der letzten, visionären Cineasten im Hollywoodbetrieb bewiesen. Und seine „Odyssee“ ist ein echtes Kinoerlebnis, das der Bedeutung der Vorlage mehr als gerecht wird.

Wie bei Homer beginnt auch Nolans Film gleichzeitig an zwei Handlungsorten. Auf der Insel Ithaka schlagen sich die Freier im Palast die Bäuche voll. Das Gebot der Gastfreundschaft verpflichtet Penelope (Anne Hathaway) dazu, die Männer zu bewirten, die nur darauf warten, dass sie einem von ihnen zum Thron verhilft. Ihr Sohn Telemachos (Tom Holland), der ein Säugling war, als Odysseus in den trojanischen Krieg zog, segelt los, um den Vater zu suchen. Derweil lebt Odysseus (Matt Damon) schon seit sieben Jahren unter dem Bann der Nymphe Kalypso (Charlize Theron) auf der Insel Ogygia. Durch stetigen Lotusblütenkonsum hat er die Erinnerung an sein früheres Leben verloren. Aber nun kehrt das Gedächtnis fragmentarisch zurück, was zum Ausgangspunkt einer Rückblenden-Dramaturgie wird, in der die Irrfahrt des Helden kraftvoll ins Bild gefasst wird.

Die klaustrophobische Angst wird körperlich spürbar, wenn Odysseus und seine Männer in der Höhle des Zyklopen Polyphem gefangen sind. Gleiches gilt für die Stürme, die der wütende Meeresgott Poseidon über die Seefahrer hereinbrechen lässt. Die monströsen Wellen, die das offene Segelschiff umtosen, sind auch dank eines herausragenden Sounddesigns bis in die letzte Kinoreihe spürbar. Genial umgesetzt wurde auch die Szene, in der die Zauberin Circe (Samantha Morton) die hungrig fressenden Männer in Schweine verwandelt und sich damit für all die Vergewaltigungen und Femizide rächt, die Soldaten im Krieg begangen haben. Mit den eigenen Händen modelliert die Zauberin die Gesichter der Männer zu Schweinsköpfen um.

Von Göttern geleitet: Matt Damon als Odysseus und Zendaya als Athene

Von Göttern geleitet: Matt Damon als Odysseus und Zendaya als Athene

IMAGO / Cinema Publishers Collection

Nur punktuell greift Nolan in solchen Szenen auf die Mittel der digitalen Bildgestaltung zurück. Gedreht wurde hier vornehmlich an eindrucksvollen Original-Locations und auf analogem Material in einem modifizierten IMAX-Format. Als „intimes Monumentalwerk“ bezeichnet Kameramann Hoyte van Hoytema die visuelle Herangehensweise. Und tatsächlich gelingt es Nolan die epische Wucht des Stoffes zu bedienen, ohne die Nähe zu den Figuren aufgeben zu müssen.

Für Matt Damon ist der Odysseus zweifellos bis auf weiteres die Rolle seines Lebens. Er verleiht seiner gebeutelten Figur eine ungeheure, physische Präsenz und erschafft das differenzierte Bild eines gefeierten Kriegshelden, der auf seiner Irrfahrt das eigene Tun und Sein grundlegend hinterfragt. Wenn Odysseus auf Ogygia Lotusblüten in sich hineinfrisst, will er vor allem die eigenen Schuldgefühle verdrängen. Die Eroberung Trojas kommt im Originaltext nur am Rande vor, aber in Nolans Film wird sie in sich langsam steigernden Rückblenden in ihrer ganzen Brutalität zum alles bestimmenden Trauma. Odysseus erkennt, dass die List des trojanischen Pferdes, für die er verehrt wird, nicht nur der Ausgangspunkt für ein beispielloses Massaker war, sondern auch die regelbasierte Ordnung der Zeus‘schen Gesetze aus den Angeln gehoben hat.

Frauenfiguren reichen über ihre historische Rolle hinaus

Wer hier Parallelen zum aktuellen politischen Geschehen ziehen will, ist herzlich eingeladen. Aber Nolan schärft den Blick auch weit über den zentralen Helden hinaus. Das gilt insbesondere für die Frauenfiguren. Anne Hathaway führt Penelope couragiert aus dem Stereotyp der passiv Wartenden heraus. Charlize Theron verwandelt die Nymphe Kalypso in eine kompetente Therapeutin. Als echter Besetzungscoup erweist sich Lupita Nyong’o, die als schöne Helena und deren Zwillingsschwester in nur wenigen Kurzauftritten zum heimlichen Star des Films aufläuft.

Die Odyssee. Regie: Christopher Nolan. Mit Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway. Zendaya, Lupita Nyong’o, Robert Pattinson, Charlize Theron. 180 Minuten. Ab 12 Jahren.

Der Philosoph in Hollywood: Christopher Nolan

Biografie Der Regisseur, Autor und Produzent Christopher Nolan wurde 1970 in London geboren. Inzwischen lebt und arbeitet er in Los Angeles – er gilt als einer der wenigen Autorenfilmer in Hollywood und kann es sich aufgrund seiner enormen Kassenerfolge leisten, mit sehr großen Budgets zu arbeiten. Nolan hat dem Blockbuster-Kino jüngerer Zeit philosophische Tiefe gegeben und gilt deshalb als würdiger Nachfolger der Regielegende Stanley Kubrick.

Batman Seine Trilogie „Batman Begins“. „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ (2005 bis 2012) ist bis heute die künstlerische Spitze aller Comic-Verfilmungen, die das Genre virtuos nutzt, um aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu spiegeln.

Inception Der Thriller mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle befasst sich explizit mit Nolans Lieblingsthema – der Zeit als zentraler Dimension der Wirklichkeit. Auch dank der Filmmusik von Hans Zimmer hat das Werk längst Kult-Status.

Oppenheimer Kinogeschichte hat Nolan auch geschrieben mit seinem Film über den Atombomben-Physiker Robert Oppenheimer (2023). Der Regisseur verhandelt parallel auf verschiedenen Zeitebenen das Problem des politisch ausgebeuteten Wissenschaftlers und bindet erst mit der allerletzten Szene alle Perspektiven zusammen.