Neue Vorabend-Serie
: Auf den Hund gekommen

Skurrile Kriminalgeschichten am Fuße der Schwäbischen Alb: In Bad Urach wird noch bis zum Ende der Woche „Fuchs und Gans“ gedreht.
Von
Ulla Hanselmann
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

"Fuchs und Gans" in Bad Urach: Marcus Morlinghaus, Caroline Ebner, Jockel Tschiersch, Peter Bongartz, Mira Bartuschek und Tobias van Dieken (von links).

Teamworx

Bad Urach - Im beschaulichen Bad Urach geschehen bisweilen bizarre Dinge. Ein Hund namens Herr Kaiser ist kurz davor, aus dem zweiten Stock des Rathauses zu springen. Gut, dass sein Herrchen zur Stelle ist: „Herr Kaiser, was machen Sie da? Das ist gefährlich! Ganz ruhig, ich bin gleich da!“, ruft er dem Tier von der Straße aus zu, bevor er den Umstehenden mit gesenkter Stimme verrät, was der Grund für Herrn Kaisers artfremdes Verhalten ist: „Er sagt, er sei ein Adler.“

Urban Fuchs, so heißt das Herrchen, ist ein ehemaliger Kommissar und hat eine Eigenheit: er spricht mit Tieren – und die Tiere mit ihm. Er besitzt drei Fellträger: Herrn Kaiser, den Hund, Kassandra, eine Katze, und Klausmann, ein Riesenkaninchen. Der Vierbeiner, der an diesem sonnigen Frühlingstag am Rathausfenster hängt, ist allerdings nur ein Dummie, genau wie jener, der kurze Zeit später in der zweiten Dreheinstellung tatsächlich aus dem Fenster springen wird – um in den Armen des schwulen Friseurs Ebsi zu landen.

Urban Fuchs, Ebsi, Herr Kaiser – sie gehören zum Personal der ARD-Serie „Fuchs und Gans“, die noch bis Ende dieser Woche von der Produktionsfirma Teamworx im Auftrag der ARD-Werbung und des SWR in Bad Urach und Umgebung gedreht wird. Im Herbst sollen die sechzehn fünzigminütigen Folgen im Ersten ausgestrahlt werden und im Regionalreigen der Vorabendkrimireihe „Heiter bis tödlich“ den Südwesten der Republik repräsentieren. Dass die Wahl dabei auf Bad Urach fiel, wo auch die SWR-Serie „Laible und Frisch“ beheimatet war, hat nicht nur mit dem hübschen Stadtbild und der reizvollen Landschaft, sondern auch damit zu tun, dass die Mutter der Produzentin Ariane Krampe von hier stammt, wie die Teamworx-Producerin Anke Bettinger erzählt. Regie führten Imogen Kimmel, Christine Kabisch, Jorgo Papavassiliou und Dietmar Klein.

Auf peinliches Fernseh-Schwäbisch wird bei den Hauptrollen verzichtet

Im Zentrum stehen der eigenbrötlerische Ex-Kommissar Urban Fuchs, den Peter Bongartz spielt, und die junge Reporterin Emily Gans, dargestellt von Mira Bar­tuschek, die ein geerbtes Haus nach Bad Urach verschlagen hat. Statt, wie geplant, der Provinz schnell wieder den Rücken zu kehren, um in Frankfurt journalistische Karriere zu machen, bleibt sie beim „Uracher Boten“ hängen und stolpert in ihrer vorwitzigen Art von einer Kriminalstory zur nächsten. In Urban Fuchs, den sie als Untermieter im Haus ihrer verstorbenen Tante übernimmt, findet sie einen Partner wie auch Konkurrenten. Denn ohne Fuchs’ Ermittlererfahrung käme die naseweise Reporterin nicht weit, aber freilich will der Jungspund dem alten Herrn immer gern um eine Nasenlänge voraus sein.

Man darf gespannt sein, in welches Lager der qualitativ sehr unterschiedlichen „Heiter bis tödlich“-Serien sich der SWR-Beitrag einordnen lassen wird. Gehört er zu den Nieten wie „Hubert & Staller“ (BR) oder „Henker und Richter“ (WDR), deren erwartbare Plots und klischeebeladene Zeichnung der Provinz enttäuschen? Oder hat er das Kaliber von „München 7“, der Franz-Xaver-Bogner-Serie, die mit ihrem trockenen bayerischen Humor, einer auf subtilen Beobachtungen fußenden Alltagskomik sowie der Spielfreude der Darsteller ein Fernsehjuwel am Vorabend darstellt?

Das Besondere der Serie sei ihre Skurrilität, ihr sitze sozusagen der Schalk im Nacken, meint Peter Bongartz. „Wenn man das sieht, kommt man in ein Schmunzeln rein.“ Mira Bartuschek schwärmt vor allem von den „märchenhaften Drehbuchideen“. Die Fälle haben sich die Autoren Stefan Cantz und Jan Hinter ausgedacht, die mit ihrem Hang zu überdrehter Situations­komik und Dialogwitz schon dem Münsteraner „Tatort“-Gespann Börne und Thiel zu großer Popularität verholfen haben.

Bei „Fuchs und Gans“ muss sich zeigen, ob das Schräge aufgesetzt oder eher beiläufig daherkommt, und wie nuancenreich das Spiel der Darsteller ist. Eines jedenfalls lässt schon mal hoffen: auf peinliches, weil ungekonntes, gekünsteltes Fernseh­schwäbisch wird zumindest in den Hauptrollen verzichtet.