Podcast von Take That
: „Es war klar, dass Jason sich entschieden hatte“

Am 24. November veröffentlicht Take That ein neues Album. In einem Podcast sprechen Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald über alte Zeiten – und das Phantom der Boyband-Welt: Jason Orange.
Von
Theresa Schäfer
Stuttgart
  • Bärtiger und grauer, aber immer noch für eine Show gut (von links): Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald von Take That.

    Universal/Guy Aroch
  • Rückblende: Nicht umsonst wird Take That – Gary Barlow, Robbie Williams, Mark Owen, Jason Orange und Howard Donald – die „Mutter aller Boygroups“ genannt. 1994 landet die niedliche Boyband mit „Back For Good“ in 31 Ländern einen Nummer-eins-Hit.

    dpa/Neil Munns
  • Herausstechen tut vor allem einer: Robbie Williams (Mitte). Schon damals fallen die Entertainer-Qualitäten des Teenagers auf. Damit gerät er vor allem immer wieder mit Gary Barlow in Konflikt, der sich als Bandleader versteht.

    dpa/epa PA
  • Nicht nur Royalty wie Prinzessin Margaret können die Jungs aus Nordengland mit ihrem Charme überzeugen – Mädchen überall verfallen den fünf Briten.

    IMAGO/Avalon.red/IMAGO/Photoshot / Avalon
  • Doch für einen wird der Druck zu groß: Im Juli 1995 gibt die Plattenfirma die Trennung von Robbie Williams und seinen vier Bandkollegen bekannt. Für viele Teenager bricht eine Welt zusammen.

    imago images/Landmark Media/PIP-Landmark Media
  • Ohne Robbie ist alles nichts: Das letzte gemeinsame Konzert der Vier findet am 4. April 1996 in Amsterdam statt. Dann ist auch für Howard, Gary, Jason und Mark Schluss. Zumindest für die nächsten zehn Jahre...

    IMAGO/Avalon.red/IMAGO/Photoshot / Avalon
  • Auf Initiative von Gary Barlow kommen die sichtlich gereiften Take-That-Veteranen Barlow, Mark Owen, Jason Orange und Howard Donald im Herbst 2005 wieder zusammen.

    dpa/Deme
  • 2006 melden sich Take That mit einer Comebacktour und dem neuen Album „Beautiful World“ zurück. Und es scheint, als habe die Musikwelt nur auf Jason, Howard, Gary und Mark gewartet. Für ihre Single „Patience“ erhalten sie 2007 einen Brit Award. Auch die Fans sind älter geworden - aber immer noch da...

    IMAGO/Avalon.red/IMAGO/Graeme Hunter PIctures / Avalon
  • Und dann ist plötzlich auch Robbie Williams wieder da: Medienwirksam versöhnt er sich 2010 mit seinem alten Bandkollegen Gary Barlow - in der Ballade „Shame“ arbeiten sie ihren Disput und das jahrelange Schweigen mit einem ironischen Augenzwinkern auf.

    dpa/Rolf Vennenbernd
  • Für ein paar wenige Monate ist alles so, wie es einmal war: Zusammen mit Gary Barlow, Jason Orange, Howard Donald und Mark Owen nimmt Robbie Williams 2010 das Album „Progress“ auf, ...

    dpa/Hamish Brown
  • ... 2011 geht Take That zu fünft auf Tournee.

    imago/PicturePerfect International
  • Die Fans sind im Himmel - doch die Wiedervereinigung ist nur auf Zeit.

    imago images/POP-EYE/POP-EYE/Gabsch
  • Robbie Williams tüftelt wieder an eigenen Projekten, ...

    dpa/Yui Mok
  • 2014 gibt Jason Orange bekannt, dass er die Band verlassen wird. Der beste Tänzer der Kombo verschwindet ziemlich gründlich aus der Öffentlichkeit.

    imago/Future Image International
  • Und Take That? Gibt nicht auf, sondern wird zum Trio. Ende 2014 kommt ihr Album „III“ heraus.

    AFP/JENS KALAENE
  • Auch mit über 50 geben Mark Owen, Gary Barlow und Howard Donald auf der Bühne noch alles – ...

    dpa/Hendrik Schmidt
  • ... Take That ist für seine gewaltigen Liveshows inzwischen besonders bekannt.

    dpa/Axel Heimken
  • Am 24. bringt Take That ein neues Album heraus. Der Titel: „This Life“.

    Universal/Guy Aroch
1 / 18

Und plötzlich hat man ihn wieder im Ohr: Den vertrauten nordenglischen Sound, die melodiöse Stimme von Gary, das leichte Näseln von Mark, Howard, der tiefer spricht als er singt. Da plaudern sie über alte Zeiten und als Zuhörerin könnte man beinahe meinen, man sitzt bei drei alten Freunden am Tisch, die sich bei einem Bier darüber unterhalten, wie es früher war. Die Witze reißen und sich gegenseitig gutmütig auf die Schippe nehmen. Aber ein Podcast ist kein Abend in der Kneipe und Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald nicht nur alte Kumpels, sondern Mitglieder der einst erfolgreichsten Boyband schlechthin: Take That.

Ihr Podcast, von dem bisher fünf Folgen erschienen sind, ist Countdown und Werbeveranstaltung in einem: Am Freitag, 24. November, veröffentlicht die Band ein neues Album: „This Life“. Es ist ihr erstes seit fünf Jahren. Die Single „Windows“ kam schon im September heraus – ganz der typische „neue“ (dabei auch schon einige Jahre alte) Take-That-Sound: Gitarrenlastig, Gary Barlows müheloser Falsetto harmonisiert mit den Stimmen von Owen und Donald. An diesem Samstag werden Barlow, Owen und Donald, inzwischen alle in ihren Fünfzigern, bei „Wetten, dass...?!“ auftreten. Noch mehr Neunziger, anyone?

Volle Boyband-Nostalgie

Der Podcast setzt voll auf Boyband-Nostalgie: Howard (dem verniedlichenden „Howie“ ist der bärtige Brite glücklich entwachsen) erinnert sich, wie er seine damalige Freundin unter einer Decke auf der Rückbank seines Autos versteckte, um sie an den kreischenden Fans vorbei in seine Wohnung zu kriegen. Die kreischenden Fans, heute Frauen im gestandenen Alter, werden sich an diese verrückten Zeiten gut erinnern. Als die Telefonseelsorge Hotlines schaltete, um am Boden zerstörte Mädchen zu trösten, die über das (vorläufige) Ende ihrer Lieblingsband im Jahr 1996 zutiefst verzweifelt waren.

90er-Reminiszenz ist derzeit groß in Mode. Bei Netflix schaute zuletzt David Beckham auf seine Karriere zurück. Ein anderes Take-That-Mitglied, Robbie Williams nämlich, erklärte in einer vierteiligen Doku, warum alles so kommen musste, wie es kam – der unglaubliche Erfolg (mit Take That und ohne), der Absturz mit Drogen und Medikamenten, sein Beinahe-Komplett-Rückzug ins Private.

„Wir kennen doch Rob“

Williams und die anderen Take-That-Mitglieder sind sich schon längst nicht mehr gram. Vorbei die Zeiten, als es Robbies Lieblingssport war, Gary zu dissen, von der Bühne der Brit Awards zu verkünden, er sei ja immer „the talented one“ bei Take That gewesen. 2010 versöhnten sie sich, Williams und Barlow schrieben sogar einen Song darüber, „Shame“. In einem Interview schlossen die drei verbliebenen Take-That-Mitglieder kürzlich auch nicht aus, dass man irgendwann vielleicht wieder zu viert auf der Bühne stehen könnte: „Wir kennen doch Rob, vielleicht kommt er nächstes Jahr oder das Jahr drauf und sagt: Sollen wir auf Tour gehen? Und dann machen wir das vielleicht“, sagte Barlow. Nichts muss, alles kann. Ziemlich entspannt für einen Bandleader, der früher dafür bekannt war, das millionenschwere Erfolgsunternehmen Take That so perfekt durchzuchoreografieren wie seine Tanzeinlagen.

Wer bei einer solchen Reunion ziemlich sicher nicht dabei wäre: Jason Orange, einst der fünfte Take-That-Mann. In ihrem Podcast sprechen Barlow, Owen und Donald auch über „Jay“, der die Band 2014 verließ und inzwischen zu einem regelrechten Phantom der Boyband-Welt geworden ist. Denn während man bei Robbie Williams ziemlich genau weiß, was er treibt, ist Orange komplett abgetaucht. Als er vor ein paar Jahren 50 wurde, schickten seine Bandmitglieder Geburtstagsgrüße hinaus in die Welt – wussten aber offenbar nicht, wie sie ihn persönlich erreichen konnten. „Jason ist abgetaucht“, sagte Howard Donald damals in einer britischen Talkshow. „Er beantwortet keine E-Mails und geht nicht ans Telefon – aber das ist gut für ihn, das will er so. Ich glaube, er will gerade eine Million Meilen von all dem entfernt sein. Wenn er irgendwann seine Meinung ändert, ist er jederzeit willkommen.“

„Ich kann hier nicht sitzen und versuchen, ihn zu überreden“

Auch jetzt, in ihrem Podcast, ist ihr alter Bandkollege ein Thema: „’III’ war das erste Album, das wir als Trio gemacht haben“, erinnert sich Gary Barlow. „Und es war ein bisschen komisch, denn als wir damit begonnen haben, wussten wir nicht, ob Jay zurückkommt oder nicht. (...) Wir schrieben, ohne richtig zu wissen, was los war.“ Mark Owen ergänzt: „Wir haben Platz eingeräumt, für den Fall, dass er zurückkommt.“ Doch als sie dann mit Jason zusammensaßen, sei ihnen klar geworden, dass er nicht umzustimmen war, sagt Barlow. „Ich habe gemerkt, ich kann hier nicht sitzen und versuchen, ihn zu überreden: Er hat sich entschieden.“

Auch hier: Spüren Barlow, Owen und Donald eine gewisse Bitterkeit, verbergen sie sie zumindest gut. Die drei verbliebenen Take-Thatler sprechen wohlwollend und liebevoll über ihren Freund: „Jason war unser Gesundheitsguru.“ Er habe zum Beispiel dafür gesorgt, dass sich die Truppe gesund ernährte. Ob sie derzeit Kontakt zu Orange haben, lassen die drei aber offen.

Als er nicht mehr da gewesen sei, erinnert sich Donald, habe seine Stimme und seine Präsenz auf der Bühne gefehlt. Immer wieder habe er bei Choreografien bei ihrer ersten Tour zu dritt gedacht: „Jay fände das jetzt bestimmt toll“, sagt Owen. Das Album „III“, resümiert Barlow, sei ihr Abschied von ihm gewesen: „Ein zauberhaftes Stück Musik, das von vergangenen Zeiten handelt – und die Zeiten, die wir zusammen hatten, waren großartig.“

Neues Album, neue Tour

„This Life“
Seit fünf Jahren hat Take That keine neue Musik veröffentlicht. Am Freitag, 24. November kommt „This Life“ heraus. Am Samstag stehen Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald bei Thomas Gottschalks „Wetten, dass...?!“-Abschlussshow auf der Bühne.

Tour
Im Frühling und Sommer tourt Take That durch Großbritannien und Europa. Das Trio ist bekannt für seine großen, aufwendig inszenierten Liveshows. Vier Konzerte spielen Take That auch in Deutschland: Am 25. Juni in Hannover, am 29. Juni in Berlin, am 30. Juni in Mönchengladbach und am 2. Juli in München.