Brandanschlag in Reutlingen: Kaputte Lebensmittel nach Stromausfall: „Das kommt alles in die Tonne“

Tausende Lebensmittel sind in einem Edeka in Wannweil entsorgt worden. Die Kühlkette war zu lange unterbrochen.
Jason Tschepljakow/dpa- Brand im Reutlinger Umspannwerk löste großen Stromausfall aus – Verdacht auf Brandstiftung.
- Tausende gekühlte Lebensmittel tauten auf und wurden entsorgt, Spenden waren nicht möglich.
- Edeka Wannweil meldet etwa 150.000 Euro Schaden; Aldi-Filialen ohne Kühlware, Pfandautomaten aus.
- Kaufland Kirchentellinsfurt lief per Notstrom, Kunden konnten weiter einkaufen.
- Rund 50 Firmen im „Mark West“ blieben länger ohne Strom, Haushalte wurden provisorisch versorgt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Schaden nach dem Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen in der Nacht zum Montag ist beträchtlich. Ersten Schätzungen nach geht er in die Millionen. Betroffen waren von dem Stromausfall auch Läden und Betriebe, die mit verderblichen Lebensmitteln zu tun haben. Im Aldi im Gewerbegebiet „Mark West“, das auch am Mittwochmittag noch keinen Strom hatte, konnten Kunden zwar einkaufen, allerdings keine gekühlten Waren. Die Truhen und Kühlschränke waren leer. Ausgeräumt. Auch die Pfandautomaten funktionierten deshalb nicht.
Neben der Filiale im Reutlinger Stadtteil Betzingen dürfte eine weitere in Wannweil betroffen gewesen sein. Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht.
Lebensmittel wandern allesamt in die Tonne
Auch der Edeka in Wannweil war mehr als einen Tag vom Stromausfall betroffen, zunächst hatte man noch gehofft, einige Lebensmittel retten zu können - vergeblich. Die Kühlkette war zu lange unterbrochen, viele Lebensmittel mussten die Mitarbeiter wegwerfen. „So viel Essen, so viele Familien, die ihren Einkauf damit getätigt hätten. Das kommt alles in die Tonne. Das ist echt schade“, sagt Mitarbeiterin Claudia Gentile dem SWR. Neben der verpackten Ware mussten auch Fleisch und Wurst aus der Kühltheke entsorgt werden. Die Lebensmittel zu spenden, sei aus hygienischen Gründen nicht mehr möglich gewesen, hieß es. Allein in dem Edeka-Markt beläuft sich der Schaden schätzungsweise auf 150.000 Euro.
Wie groß der Schaden bei Bäko, einem Fachgroßhandel für Bäckereien und Konditoreien mit Sitz in Stuttgart, ist, ist noch unklar. Am Standort in Reutlingen werden normalerweise auch Frisch- und Tiefkühlwaren verpackt und versendet. Die Aufträge wurden stattdessen in Stuttgart beziehungsweise Untertürkheim bearbeitet. Einige Lagermitarbeiter musste das Unternehmen aber auch einfach heimschicken - bezahlt werden sie trotzdem. „Wir müssen eine Inventur machen und schauen, was tatsächlich kaputt gegangen ist“, sagt Geschäftsführer Michael Scheiber. Die Kunden seien trotzdem alle beliefert worden, das sei das Wichtigste, so Scheiber.
Im Kaufland springt das Notstromaggregat an
Im Kaufland in Kirchentellinsfurt, wo der Strom ebenfalls ausfiel, sprang das Notstromaggregat an. „Unsere Kunden konnten bei uns auch während des Stromausfalls wie gewohnt einkaufen“, sagte eine Sprecher auf Nachfrage. Weitere Filialen des Unternehmens seien nicht betroffen gewesen. Berichten nach waren in dem Örtchen beispielsweise Metzgereien am Dienstag geschlossen geblieben.

Polizisten im Reutlinger Umspannwerk, in dem es am frühen Montagmorgen gebrannt hat.
Christoph Schmidt/dpaIn der Nacht zum Montag war in einem Umspannwerk im Reutlinger Westen an mehreren Stellen gleichzeitig Feuer ausgebrochen. Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass die Brände gelegt wurden. Es wurde offenbar auch Brandbeschleuniger gefunden. Die Polizei bittet nun um Hinweise aus der Bevölkerung.
Zwischenzeitlich waren rund 40.000 Menschen ohne Strom. Neben der Reutlinger Innen- und Oststadt waren auch die Stadtteile Betzingen und Ohmenhausen sowie die Gemeinden Wannweil (Kreis Reutlingen) und Kirchentellinsfurt (Kreis Tübingen) betroffen. Im Laufe des Montags wurden mit Hilfe einer provisorischen Lösung nach und nach wieder alle privaten Haushalte ans Netz angeschlossen. Weiterhin ohne Strom waren etwa 50 Unternehmen im Gewerbegebiet „Mark West“ - der Versorger spricht von „Mittelspannungskunden“ -, die generell einen höheren Strombedarf haben. Sie sollten bis Mittwochabend wieder versorgt werden, sagte ein Sprecher von Fairnetz auf Nachfrage.