Das Fernseh-Kochpaar Martina und Moritz: „Ändern wollten wir uns nie“

Martina Meuth, Jahrgang 1948, arbeitete nach ihrer Ausbildung an der Münchener Journalistenschule bei den Zeitschriften „Eltern“ und „Freundin“. Bernd Neuner-Duttenhofer, Jahrgang 1943, studierte Soziologie und Kunstgeschichte. Schon in der Uni hatte er den Spitznamen „Moritz“.
Gottfried StoppelSulz - Sie haben drei Küchen, aber kein Sofa. Mit pädagogischer Inbrunst lehren Martina Meuth und Bernd „Moritz“ Neuner-Duttenhofer in ihrer Kochsendung das TV-Publikum die einfache, gute Küche. Ihre Kabbeleien gehören seit 30 Jahren zum Programm. Das Paar lebt, schreibt und kocht auf einem alten Apfelgut am Rand des Nordschwarzwalds.
Frau Meuth, Herr Neuner-Duttenhofer, trennen Sie Alltag und Beruf?
Bernd N.-D. Als 1988, fünf Jahre nach unserer Hochzeit, die ARD-Sendung „Ratgeber Essen und Trinken“ starten sollte, war uns klar: Wir machen das zu zweit.
Martina M. Wir fanden es furchtbar öde, einem zuzugucken, wie er einsam am Herd steht und vor sich hin rührt und murmelt, was er jetzt gerade tut. Wir möchten den Leuten klar machen, wie viel Spaß das Kochen macht.
Bernd N.-D. Das Apfelgut, die Kurse und das, was wir fürs Fernsehen machen, hat sich immer gegenseitig befruchtet. Im Alltag wird das überhaupt nicht getrennt. Wir sitzen in unseren Büros nur einen Schritt voneinander entfernt.
Martina M. Die Tür ist immer offen. Wenn telefoniert wird, kriegt der andere mit, was los ist.
Bernd N.-D. Und wenn man am Rezepteschreiben ist, dann geht meine Frau kurz in die Küche, ich gehe kurz in den Garten – und schon sind wir am Kochen.
Hat jeder seine Spezialgebiete?
Martina M. Das funktioniert ohne große Absprache wunderbar. Ich bin eher die Ernterin, während er dafür sorgt, dass es was zu ernten gibt, Saatgut auswählt, mit der Gärtnersfrau bespricht, was wie wann wo hingesetzt wird.
Bernd N.-D. Ich kümmere mich auch um die Weine und die Getränke, um alles, was es bei den Kochkursen und in der Sendung so gibt. Meine Frau macht die Rezepte, das geht ihr schneller von der Hand als mir.
War das schon so, als Sie sich kennenlernten?
Martina M. Als wir uns kennenlernten, hat er mir große Menüs zubereitet. Kaum hatte er mich, behauptete er, ich könne es besser.
Bernd N.-D. Es ist ja so!
Wie geht der Tag bei Ihnen los?
Bernd N.-D. Mein Wecker klingelt um 20 vor acht, dann steh ich auf und gehe mit dem Hund. Danach wecke ich meine Frau, und wir trinken Kaffee im Stehen. Ich bin dann im Büro mit den aktuellen Sachen beschäftigt. Das Kreative kommt eigentlich erst nachmittags.
Martina M. Vormittags sitze ich meistens am Computer und beantworte Zuschauerpost. An den Nachmittagen tüftle ich dann die Kochkurse aus, schreibe Bücher, sammle Ideen für die nächste Sendung, all diese Sachen.
Machen Sie auch mal nichts?
Bernd N.-D. Martina liest gerne, sitzt gerne in der Sonne.
Martina M. Mein lieber Moritz ist eher ungeeignet fürs Nichtstun. Immer gibt es ein Zweiglein, das er hochbinden muss, oder ein Blättlein auszuzupfen. Ich bin seine Vorleserin. Und packe ihm kleine Stapel mit Zeitungsartikeln. Oft liegen sie wochenlang.
Bernd N.-D. Ich denke immer, irgendwann komm ich noch dazu.
Wie haben Sie sich kennengelernt?
Martina M. Das war 1976. Ich war bei der „Freundin“, habe dort das Kochressort geleitet. Zur Schwesterredaktion im selben Verlag kam ein neuer Ressortleiter, das war er. Zuerst hab ich mich immer ein bisschen über ihn lustig gemacht. Wie es so ist, neue Kollegen werden besonders gründlich beäugt.
Bernd N.-D. Vor allem ein Mann in einer Hühnerschar von Redakteurinnen.
Martina M. Jedenfalls hab ich ihn nicht weiter wahrgenommen. Es gab dann aber eine Pressereise. Und beim ersten Stopp des Busses standen wir beieinander, und ich hatte einen Campari in der Hand, und wir plauderten miteinander. Und plötzlich lag mein Glas auf dem Boden. Das war mir sehr unangenehm. Neues Glas. Und das ist mir auch aus der Hand gerutscht. Und dann hab ich mir diesen Mann angeguckt und gedacht, was ist denn jetzt mit mir los, wieso fällt mir dauernd mein Campariglas aus der Hand?
Bernd N.-D. So hat’s angefangen.
Martina M. Beim Abendessen – da saßen wir schon nebeneinander – haben wir festgestellt, dass wir die gleichen Dinge gerne essen.
Bernd N.-D. Wir waren in Dänemark, da gab es als Vorspeise Nephrops norvegicus, besser bekannt unter dem Namen Kaisergranat oder Scampi. Das fanden wir viel besser, als die nachfolgenden Sachen.
Martina M. Wir haben uns also stattdessen noch mal Nephrops norvegicus kommen lassen. Das sind ja die netten Gäste, die selbst bestimmen, was sie zu essen kriegen. Ja, und so hat das alles angefangen. Das war nur ziemlich blöd, weil, der Mann war verheiratet.
Bernd N.-D. Das brauchen wir jetzt nicht alles ausbreiten. Ist ja so lange her.
Heute fallen keine Gläser mehr aus der Hand?
Martina M. Manchmal. Aber Gott sei Dank nie eins, das man mit Ärger an die Wand donnert.
Was hat Sie am Anfang fasziniert? Und was schätzen Sie heute aneinander?
Martina M. Sich einfühlen können in andere Menschen und Situationen ist eine große Kraft von ihm. Das hat mich sofort ungeheuer berührt. Dann natürlich die Genussfähigkeit. Inzwischen kommt eine Verlässlichkeit und ein Vertrauen dazu, das durch nichts zu ersetzen ist.
Bernd N.-D. Wir sind ja beide geschieden von den ersten Partnern. Dadurch hat man schon gelernt, dass nicht alles immer einfach ist. Dass man nicht alles sofort gehen lassen darf.
Martina M. Dass man nicht sofort die Flinte ins Korn wirft, sondern kämpft für etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Was hat Ihnen an Ihrer Frau gefallen?
Bernd N.-D. Ich fand sie schon sehr interessant, eine auffallende Erscheinung. Ihr Lachen ist legendär. Es war natürlich auch die Arbeit, die einen von Anfang an miteinander verbunden hat. Mir gefiel alles, was sie machte, wie sie ihre Rezepte aufbaute. Und dann eben ihre ganze Art. Warum man sich in jemanden verliebt, weiß man ja eh nicht genau. Die Bemühungen, das durch Vernunft zu ersetzen, und nicht weiter zu verfolgen, waren vergeblich.
Martina M. Das ist jetzt 40 Jahre her.
Kann es sein, dass das Kochen eine gute Übung für das Zusammenleben ist? Man meistert etwas im Kleinen und gewinnt dadurch Zuversicht?
Martina M. Bewusst habe ich das auf diese Weise noch nie gesehen. Natürlich ist es schön, in der Küche vom Urzustand her, von einem vollen Korb mit Gemüse, in wenigen sorgfältigen Schritten zu einem Ergebnis zu kommen, das wiederum Aufmerksamkeit fordert, aber auch Lust bereitet.
Bernd N.-D. Viele Leute haben ja gar keine kulinarische Fantasie. Die geht uns beiden wirklich nicht ab. Wir sehen was, und sofort wissen wir etwas damit anzustellen. Bei uns gibt es auch nie dasselbe ein zweites Mal.
Was haben Sie voneinander gelernt, in der Küche und im Leben?
Bernd N.-D. Meine Frau hat auf jeden Fall mehr Geduld als früher.
Martina M. (lacht) Weil du so ruhig und ausgeglichen bist.
Bernd N.-D. Aber ja. Ich bin schon geduldiger als du.
Martina M. Ich explodiere leicht, wenn etwas nicht schnell genug geht.
Bernd N.-D. Aber da ist sie mit mir nachsichtiger als mit Fremden. Was hab ich von dir gelernt? Hab ich was von dir gelernt?
Martina M. Italienisch.
Bernd N.-D. Hab ich mich sehr geändert?
Martina M. Nö. Ich find das eigentlich viel schöner, wenn man den anderen so lässt, wie er ist. Und ihn nicht andauernd verändern will. Wenn man von Anfang an irgendetwas hat, was einem am anderen auf den Keks geht, etwas, das man nicht ertragen kann, dann sollte man die Finger von ihm lassen, finde ich.
Bernd N.-D. Das Problem haben wir zum Glück nicht. Und ändern wollten wir uns nie. Nun haben wir ja auch viele gleiche Interessen. Keiner von uns muss sich in irgendwelchen sportlichen Aktivitäten bestätigen.
Martina M. Und wir sind uns selbst genug, wir haben noch nie das Bedürfnis gehabt, unsere Ferien im Verein mit anderen Leuten zu verbringen. Wir sind froh, wenn wir mal alleine sind miteinander. Manchmal beobachte ich in Restaurants so ein bisschen die Leute an den berühmten Zweiertischen. Oft sitzen sie sich gegenüber, gucken beflissen auf ihre Teller, die immer leerer werden. Und währenddessen fällt kein Wort. Wie kann man das aushalten?
Bernd N.-D. Wir versuchen zwar, den Mund zu leeren, bevor wir reden, aber eigentlich reden wir auch beim Essen immer.
Würden Sie sich als gute Freunde bezeichnen?
Bernd N.-D. Ja. Aber es packt uns auch das Verliebtsein, die Liebe.
Martina M. Wir lachen immer über das Strohfeuer, das man uns damals prophezeit hat. Alle haben gesagt: „Lasst die Finger voneinander.“ Und jetzt lachen wir darüber, dass das Strohfeuer immer noch brennt.