Endgültige Bekämpfung nicht mehr möglich
: Millionen Ameisen unterhöhlen Stadt in Baden-Württemberg

Eine Superkolonie von Ameisen untergräbt eine Stadt in Baden-Württemberg. Diese bittet nun um Mithilfe der Bürger.
Von
Lukas Böhl
Stuttgart
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Große Drüsenameise (Tapinoma magnum): ARCHIV - 31.03.2025, Baden-Württemberg, Schutterwald: Die invasive Große Drüsenameise ist an ihrer tiefschwarzen Farbe und der enormen Koloniebildung zu erkennen. (zu dpa: «Dutzende Hinweise auf Große Drüsenameise») Foto: Uli Deck/dpa/dpa-tmn +++ dpa-Bildfunk +++

Große Drüsenameise (Tapinoma magnum).

Uli Deck/dpa-tmn/dpa

Sie sind nur wenige Millimeter groß, können sich aber zu Superkolonien mit Millionen Tieren zusammenschließen. In Lörrach ist die invasive Große Drüsenameise nachgewiesen worden. Die Stadt untersucht nun, wie weit sich die Tiere bereits ausgebreitet haben – denn ist eine solche Kolonie erst einmal etabliert, lässt sie sich kaum noch vollständig beseitigen.

Die Große Drüsenameise breitet sich in Baden-Württemberg immer weiter aus. Jetzt beschäftigt die invasive Art auch die Stadt Lörrach. Dort ist Tapinoma magnum, so der wissenschaftliche Name der Ameise, nachgewiesen worden. Die Stadt will nun feststellen, wie groß das betroffene Gebiet bereits ist und wie sich die Tiere zumindest eindämmen lassen.

Das Problem: Die Ameisen leben nicht nur in einzelnen kleinen Nestern. Mehrere Nester können sich zu riesigen sogenannten Superkolonien verbinden. Darin leben Hunderttausende bis Millionen Arbeiterinnen und Tausende fortpflanzungsfähige Königinnen. Dadurch kann sich die Art über große Flächen ausbreiten.

Ameisen können Pflaster und Fundamente unterhöhlen

Bemerkbar macht sich ein Befall häufig dort, wo zunächst niemand eine Gefahr vermuten würde: zwischen Pflastersteinen, an Gehwegen, Terrassen oder Hauswänden.

Die Tiere legen weit verzweigte Nester im Boden an. Dabei können sie Fundamente, Gehwegplatten und Pflastersteine unterhöhlen. Typisch sind kleine Mengen Sand oder Erde, die an den Eingängen der Nester nach oben geschafft werden. Die Arbeiterinnen dringen außerdem auf der Suche nach Nahrung und Wärme in Gebäude ein.

Noch problematischer wird es, wenn technische Anlagen betroffen sind. Nach Angaben des Umweltbundesamts kann Tapinoma magnum auch Schäden an Fassaden und Elektrik verursachen. In anderen betroffenen Kommunen kam es bereits zu Störungen der Strom- und Internetversorgung.

In Lörrach prüft die Stadt deshalb nun nicht nur das Ausmaß des Befalls. Sie beschäftigt sich auch mit möglichen Maßnahmen auf öffentlichen Flächen und tauscht sich mit Kommunen aus, die bereits Erfahrungen mit der Ameise gesammelt haben – darunter Rümmingen und Kehl.

Eine vollständige Bekämpfung ist kaum noch möglich

Das macht den Fund besonders heikel: Je länger eine Kolonie unbemerkt wächst, desto schwieriger wird es, sie wieder loszuwerden.

Das Umweltbundesamt kommt zu einer ernüchternden Einschätzung. Eine bereits etablierte Superkolonie könne mehrere Quadratkilometer besiedeln und sei nahezu unmöglich vollständig zu tilgen. Realistischer ist demnach, ihre weitere Ausbreitung durch frühes und konsequentes Eingreifen einzudämmen. Auch die Stadt Lörrach kommt zu der Einschätzung, „dass die Große Drüsenameisen nicht mehr endgültig beseitigt werden kann.“

Der Grund liegt unter anderem in der ungewöhnlichen Lebensweise der Tiere. Anders als bei vielen heimischen Ameisenarten bekämpfen sich benachbarte Nester nicht zwingend gegenseitig. Stattdessen können sie Teil eines großen zusammenhängenden Kolonieverbunds werden. Wird nur ein einzelnes Nest beseitigt, ist damit deshalb nicht automatisch die gesamte Kolonie verschwunden.

Wie groß solche Populationen werden können, zeigt der Blick in andere Teile Baden-Württembergs. In Karlsruhe-Neureut erstreckt sich eine bekannte Kolonie inzwischen über rund 80 Hektar. Rund 60 Kommunen im Land waren im August 2026 bereits von invasiven Ameisen betroffen.

Auch in Kehl wurden bereits Superkolonien mit Millionen Tieren und mehreren Hundert Königinnen festgestellt. Dort hatten die Ameisen unter anderem einen Spielplatz unterhöhlt; zeitweise musste die Fläche wegen Unfallgefahr geschlossen werden.

Große Drüsenameise stammt aus dem Mittelmeerraum

Ursprünglich ist die Art im Mittelmeerraum zu Hause. Nach Deutschland gelangt sie vor allem unbeabsichtigt über den Handel.

Als wichtigen Einschleppungsweg nennt das Umweltbundesamt mediterrane Großpflanzen. Ameisen beziehungsweise Teile ihrer Kolonien können beispielsweise mit Oliven- und Feigenbäumen oder Palmen in Gärtnereien und Gartencenter gelangen und von dort weiterverbreitet werden.

In Baden-Württemberg ist die Art längst kein Einzelfall mehr. Der Landesregierung waren bereits Anfang 2026 bestätigte Vorkommen in 50 Kommunen bekannt. Auch Lörrach gehörte zu den dokumentierten Fundorten.

So lässt sich die invasive Ameise erkennen

Auf den ersten Blick ist die Große Drüsenameise allerdings leicht mit heimischen schwarzen Ameisen zu verwechseln. Selbst eine sichere Unterscheidung verschiedener Tapinoma-Arten ist laut Umweltbundesamt mit bloßem Auge nicht möglich.

Es gibt jedoch einige typische Hinweise auf einen Befall. Dazu gehören auffällige Sand- und Erdhäufchen an Nesteingängen sowie breite, mehrspurige Ameisenstraßen. Werden die Nester gestört, können innerhalb kürzester Zeit große Mengen Arbeiterinnen herausströmen.

Die Tiere sind etwa zwei bis fünf Millimeter groß und vollständig schwarz. Auffällig ist außerdem ein Geruch, der beim Reizen oder Zerdrücken der Tiere entstehen kann und unter anderem als zitronig, ranzig oder acetonartig beschrieben wird.

Wer einen Verdacht hat, sollte die Tiere allerdings nicht allein anhand dieser Merkmale bestimmen. Fachleute können eingesandte Exemplare überprüfen.

Stadt Lörrach bittet Bürger um Mithilfe

Für Lörrach steht nun zunächst eine entscheidende Frage im Raum: Wie weit hat sich die Kolonie bereits ausgebreitet?

Die Stadt bittet deshalb darum, verdächtige Vorkommen zu melden. Gleichzeitig soll verhindert werden, dass die Ameisen unbeabsichtigt weitertransportiert werden – beispielsweise mit Pflanzen, Erde oder anderem Material von befallenen Grundstücken.

Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr für Menschen besteht nach Angaben des Umweltbundesamts nicht. Das eigentliche Problem liegt in der Masse der Tiere, ihrer schnellen Ausbreitung und den möglichen Schäden an Gebäuden und Infrastruktur.

Für Lörrach dürfte deshalb entscheidend sein, den tatsächlichen Umfang des Befalls möglichst schnell festzustellen. Denn die Erfahrung aus anderen Städten zeigt: Aus einigen unscheinbaren schwarzen Ameisen kann ein Problem werden, das sich über ganze Straßenzüge ausbreitet – und das sich irgendwann nur noch eindämmen, aber kaum noch vollständig beseitigen lässt.