Kardiologen über Wearables
: Können Smartwatches Herzrhythmusstörungen aufspüren?

Herzrhythmusstörungen sind eine Volkskrankheit - die nicht immer gleich erkannt wird. Ob digitale Helfer zu einer besseren Vorsorge beitragen können, erklären Kardiologen.
Von
Regine Warth
Frankfurt/Main
Smartwatch mit Pulsmesser

Smartwatch mit Pulsmesser sind in der Lage, die elektrische Aktivität des Herzens aufzuzeichnen - wie bei einem EKG.

Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa
  • Kardiologen erklären, wie Wearables Herzrhythmusstörungen erkennen und Vorsorge stützen.
  • Vorhofflimmern ist häufig: Jeder dritte 55-Jährige entwickelt es laut Herzstiftung.
  • Smartwatches zeichnen Puls und EKG auf, Daten lassen sich an Ärztinnen und Ärzte senden.
  • Sensitivität und Spezifität liegen über 90 Prozent – Vorhofflimmern wird oft erkannt.
  • Leitlinien empfehlen Wearables nicht zur Überwachung, Nutzen wird weiter erforscht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten Herzerkrankungen der Bundesbürger: Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung wird jeder dritte 55-Jährige im Laufe seines weiteren Lebens ein Vorhofflimmern – eine der häufigsten Formen dieser Rhythmusstörung – entwickeln. Eine solche Störung kann sich in Beschwerden wie Luftnot, Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, Schwindel und Angstzustände äußern. Und manchmal spüren die Betroffenen auch einfach nichts.

Das kann aber gefährlich enden, warnen Kardiologen: „Herzrhythmusstörungen können harmlos sein oder lebensgefährliche Komplikationen wie Schlaganfall, Herzschwäche oder einen plötzlichen Herztod verursachen“, sagt Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Es ist daher hilfreich, dass Menschen ab 50 Jahren sich zur Gewohnheit machen, regelmäßig selbst ihren Puls zu fühlen, fordert der Kardiologe. „Sollten Unregelmäßigkeiten auftauchen, sollten diese ärztlich abgeklärt werden.“

Erst den Herzschlag checken und dann zum Arzt gehen

Wearables wie beispielsweise Smartwatches oder Fitnessarmbänder können dabei einen wichtigen Beitrag leisten: „Auf diese Weise ist es allen Bürgern niederschwellig möglich, solche Rhythmusstörungen sichtbar zu machen“, sagt Stefan Blankenberg, Kardiologe und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Er erlebe es häufig, dass Patienten damit Hinweise auf Unregelmäßigkeiten erkennen und daraufhin einen Arzt aufsuchen, weshalb er den Trend zur Selbstmessung zumindest in dieser Hinsicht als begrüßenswert bezeichnet.

Die Daten, die Wearables liefern, können je nach Modell Pulskurven und die elektrische Aktivität des Herzens (EKG) aufzeichnen. Die Daten können auf ein Smartphone oder ein Tablet übertragen werden und lassen sich etwa per E-Mail weiterschicken, beispielsweise an den behandelnden Arzt.

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Dennoch wird aktuell eine medizinisch anerkannte Überwachung mit Wearables von der deutschen Leitlinie nicht empfohlen, da dieses Screening noch nicht flächendeckend umgesetzt werden kann und die therapeutische Konsequenz noch Gegenstand von klinischen Studien ist. Auch der Präsident der Kardiologischen Fachgesellschaft sieht Schwachstellen: „Das Problem ist, dass die Wearables derzeit hauptsächlich von Menschen getragen werden, die ohnehin sehr gesundheitsbewusst sind und regelmäßig Arzttermine wahrnehmen“, sagt Blankenberg. „Wir müssen vielmehr dafür Sorge tragen, dass Wearables auch der Bevölkerungsgruppe zugute kommen, die keine zuverlässigen Arztkontakte hat.“

Doch es geht auch ohne Wearables, versichern die Experten der Deutschen Herzstiftung: Um den Puls am Handgelenk zu fühlen, sollte man sich fünf Minuten hinsetzen. Dann den Zeige- und Mittelfinger an die innere Seite des Handgelenks legen, direkt unterhalb des Daumens, bis ein Pochen zu erspüren ist. Um die Herzfrequenz zu ermitteln, sollte man für 30 Sekunden den Herzschlag zählen und den Wert verdoppeln. Ein Wert von 60 bis 80 Schlägen pro Minute gilt als normal.