Manager liebt Heilpraktikerin: Matthias Kleinert und seine Frau Diane Crawford
: „Er ist schon fast vollkommen“

Warum passen zwei Menschen zueinander? In unserer Serie „Beziehungsweise“ sprechen Paare über sich. Heute: der Manager und die Heilpraktikerin – Matthias Kleinert und seine Frau Diane Crawford.
Von
Hilke Lorenz
Stuttgart
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Die Amerikanerin Diane Crawford, Jahrgang 1957, trat zunächst als Englisch-Lehrerin ins Leben des 19 Jahre älteren Matthias Kleinert, der damals Staatssekretär unter Lothar Späth war.

Gottfried Stoppel

Kreis Ludwigsburg - Beide kommen gerade von der Arbeit. Diane Crawford, 60, hat eine Praxis als Heilpraktikerin in der Besigheimer Altstadt. Matthias Kleinert, 79, fährt jeden Tag in sein Büro nach Stuttgart. Es gibt zwei Briefkästen an der Haustür. Auf einem steht ihr, auf dem anderen sein Name. Draußen ist es dämpfig heiß, im Haus angenehm kühl. Es gibt Hefezopf mit Butter und Marmelade. Selbst gekauft, sagt die Hausherrin und lacht. Das tun die beiden oft während des Gesprächs: lachen.

Frau Crawford, Herr Kleinert, wie haben Sie einander kennengelernt?

Matthias Kleinert Das war 1986, ich war damals im baden-württembergischen Staatsministerium . . .

Diane Crawford . . . also ich habe dich 1985 im Staatsministerium kennengelernt.

Kleinert Jedenfalls war ich damals Staatssekretär und wollte mein Englisch auffrischen. Lothar Späth hatte eine Einladung von George Bush, dem damaligen Vizepräsidenten unter Ronald Reagan. Mir blieben drei Wochen Zeit. Ich habe im Amerikahaus angerufen und mir einen Lehrer bestellt. Dann kam meine Sekretärin eines Mittwochsmorgens um halb acht morgens ins Büro und sagte: „Ihr Lehrer ist da!“ Und dann war der Lehrer eine Lehrerin. Wir setzten uns in die Besucherecke. Ich habe gefragt, ob ich was vorlesen soll.

Crawford Ich habe gesagt: „Ich vermute, Sie haben wenig Zeit, um Hausaufgaben zu machen.“

Wie war Ihr erster Eindruck von ihm?

Crawford Er stand auf und kam auf mich zu. Und ich dachte: Das ist der Mann, den ich heirate. So war das.

Was gab Ihnen diese Gewissheit?

Kleinert Schauen Sie mich doch an (lacht).

Crawford Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe früher nicht geglaubt, dass es das gibt. Es war wie ein Donnerschlag für uns beide.

Ging es Ihnen genauso, Herr Kleinert?

Kleinert Ja. Mit einer Nuance.

Crawford Erzähl!

Kleinert Ich fand sie ungeheuer spannend. Ich bin, was Politik angeht, ein sehr offensiver Mensch. Aber damals war ich nicht so forsch.

Crawford Ha.

Kleinert Ich fand das alles sehr interessant und überlegte: Wie vertiefe ich den Kontakt? Ich fand eine wunderbare Gelegenheit. In Besigheim war Winzerfest. Ich hatte den chinesischen Botschafter eingeladen. Ich sagte einfach, dass es vielleicht sinnvoll wäre, wenn sie dabei ist. Denn mein Englisch wäre ja noch nicht so gut. Es entwickelte sich dann eine neue Beziehung zwischen Lehrerin und Schüler. Hausaufgaben habe ich keine gemacht. Ich habe eine ganze Weile Normalität gespielt. Wir haben wirklich Englisch gepaukt.

Crawford Du hast heftig geflirtet.

Kleinert Geflirtet habe ich schon. Es war da eine Spannung, die zwischen Ernst und Spiel wechselte, und dann wurde die Sache ernster. Aber wir haben auch Grammatik geübt. Sie ist sehr streng und präzise. Das ist sie aber nicht nur als Lehrerin. 1992 haben wir geheiratet. Wir sind jetzt also 25 Jahre verheiratet.

Es ist für Sie beide die zweite Ehe. Ist man da vorsichtiger?

Crawford Ja. Ich wollte ganz, ganz sicher sein, dass ich nicht einen Fehler mache.

Sie waren unter öffentlicher Beobachtung.

Kleinert Absolut. Beim Presseball 1988 sind wir zum ersten Mal zusammen aufgetreten.

War der Schritt ins Rampenlicht für Sie schwer?

Crawford Ja. Der Ruf, das öffentliche Ansehen, ist wichtig. Ich wusste, dass man einfach sehr vorsichtig sein muss und dass auch Unwahrheiten über einen verbreitet werden können. Zum Beispiel, dass ich der Grund für die Scheidung meines Mannes sei.

Kleinert Was überhaupt nicht stimmt.

Crawford Aber ich kannte das schon aus den Staaten. Meine Eltern waren in Oregon in ihren jeweiligen Berufen sehr bekannt und daher häufig in den Medien. Ich selbst war sehr aktiv in der Kommunalpolitik.

Und Sie sind in das Haus eingezogen, das Sie, Herr Kleinert, 1978 noch für Ihre erste Frau und Ihre beiden Kinder gebaut haben.

Crawford Ja, schon ein, zwei Jahre vor unserer Heirat. Das Haus war wie früher üblich mit Eternitplatten verkleidet und sehr rustikal.

Es wirkt heute hell und modern.

Crawford Nach mehreren Umbauten.

Kleinert Als sie einzog, verwandelte sich schon mal die Außenfassade des Hauses.

Sie haben das ertragen?

Kleinert Ich ertrage es mit großer Freude und staune, wie sich das Haus verändert. Es hatte Teppichböden und überall Holz. Nach dem Prinzip Altes raus und Neues rein hat sich das Haus mehrmals verwandelt.

Crawford Mein Geschmack war eben anders.

Kleinert Sie hat die wunderbare Eigenschaft, nichts aufzuheben. Man muss einfach den Mut haben, sich von etwas zu trennen. Das ist wichtig, damit man Luft hat. Das schafft eine gute Atmosphäre. Und sie lässt mir meine persönlichen und Fußball-Fan-Verrücktheiten.

Als Fan muss es Ihnen ja wieder sehr gut gehen.

Kleinert Ja sehr. Beim letzten VfB-Spiel war ich leider nicht im Stadion, aber das war eine Ausnahme. Ich war bei den meisten Spielen in der 2. Bundesliga dabei, daheim und auswärts.

Gehen Sie auch mit?

Crawford Eigentlich nicht, obwohl ich in den USA selbst Soccer gespielt habe. Ich liebe Sport.

Kleinert Ich finde es wichtig, auch hier in Besigheim in der Fußballabteilung verankert zu sein. Da sind die Spiele am Sonntagnachmittag um 3 Uhr. Wenn sie um halb drei fragt: „Musst du nicht zum Fußball?“, dann ist das doch wunderbar.

Sie lassen sich gegenseitig viel Freiraum?

Kleinert Ja.

Crawford Aber das ist doch selbstverständlich.

Kleinert Das ist es nicht.

Crawford Wir bitten einander nicht um Erlaubnis, wenn wir etwas tun wollen. Das wäre doch grauenhaft. Er ist ein erwachsener Mann, und ich bin eine eigenständige Frau. Ich unternehme natürlich auch Dinge ohne ihn.

Sie haben auch nicht den Namen Ihres Mannes angenommen.

Crawford Meine Studenten haben mich unter meinem Namen gekannt. Das alles zu ändern war mir zu viel Aufwand. Und er wollte nicht Matthias Crawford heißen.

Warum eigentlich nicht?

Kleinert Das kam mir gar nicht in den Sinn. In einer Ehe muss doch jeder ein Einzelmensch bleiben. Da muss es nicht nur Gemeinsamkeiten geben. Demnächst fahren wir übrigens zusammen nach Hamburg, um uns die Elbphilharmonie anzuschauen. Und im Verein „Sandsturm Kairo“ sind wir auch aktiv. Wir helfen dort Menschen, denen es nicht so gut geht

Diskutieren Sie viel über Politik?

Kleinert Ja, sehr.

Crawford Wir diskutieren überhaupt sehr viel.

Hat Ihr Mann Sie 1988 gefragt, ob er der Politik den Rücken kehren und als Chef der Öffentlichkeitsarbeit zu Daimler gehen soll?

Crawford Er hat mir gesagt, er gehe zu Daimler. Ich dachte, aber er fährt doch schon einen. Ich kam gar nicht auf die Idee, dass es um einen Job ging.

Kleinert Aber dann haben wir es schon gemeinsam besprochen.

Crawford Ich fand es gut, etwas Neues anzufangen.

War der Altersunterschied von 19 Jahren für Sie jemals ein Thema?

Crawford Nie. Es fängt im Kopf an, wie jung man ist. Wir glauben beide, dass es einem sehr viel Energie gibt, wenn man das, was man tut, gerne macht. Es geht auch darum, etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Kleinert Da stimmen wir total überein.

Können Sie sich ein Leben ohne Ihren Ehemann noch vorstellen?

Crawford Sie meinen die Angst, eines Tages nach seinem Tod alleine dazustehen? Ich bin Buddhistin, ich glaube an weitere Leben nach diesem Leben. Ich nehme auch an, wir haben uns in einem früheren Leben schon gekannt. Ich hoffe sehr, dass wir uns im nächsten Leben sehen. Ich vermute, dass das sein letztes irdisches Leben ist. Im Buddhismus geht man aus jedem Leben in das nächste, um aus seinen Fehlern zu lernen. So, dass man zu einem menschlicheren Menschen wird. Er gehört zu den wenigen Leuten, die ich in diesem jetzigen Leben kennengelernt habe, die nach dieser Definition schon sehr weit gekommen und fast vollkommen sind.

Das haben Sie gleich gesehen?

Crawford Sofort.

Kleinert Das glaubt sie. Ich akzeptiere das.

Crawford Weil es so schön ist.

Kleinert Weil es so schön ist.

Was fasziniert Sie an ihr?

Kleinert Mit ihr kann man sehr intensiv diskutieren. Sie ist sehr vielseitig. Und sie hat einen skurrilen Sinn für Humor. Wenn sie etwas anpackt, zieht sie es mit einer unglaublichen Zähigkeit durch. Das ist einmalig. Sie ist hundertprozentig verlässlich. Das ist alles sehr, sehr wichtig. Ja, und dann halt die Liebe. Wir lieben uns und sind auch noch immer richtig verliebt.

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