Gefährliche Nesselhaare
: Prozessionsspinner-Plage von Mallorca bis Süddeutschland

Sie lauern in heimischen Eichenwäldern und an Mallorcas Stränden: Prozessionsspinner vermehren sich rasant. Ihre feinen Brennhaare können allergische Reaktionen auslösen.
Von
Michael Maier
Stuttgart
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Die Härchen können für Mensch und Tier gefährlich sein.

IMAGO/Robert Poorten

Frühlingszeit ist Ausflugszeit. Doch wer aktuell in den Wäldern und Parks von Bayern und Baden-Württemberg unterwegs ist, stößt mitunter auf Warnhinweise: Der Eichenprozessionsspinner breitet sich rasant im Süden Deutschlands aus. Begünstigt durch trocken-warme Frühjahre und intensive Hitzewellen, melden Forstämter eine flächendeckende Plage an Badeseen, und Waldrändern oder auf Friedhöfen.

Prozessionsspinner-Alarm auch auf Mallorca

Wer glaubt, der Gefahr im Urlaub zu entkommen, der irrt sich: Die Insekten plagen auch Südeuropa. Auf Mallorca breitet sich der nahe Verwandte des Eichenprozessionsspinners, der Pinien-Prozessionsspinner durch die steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels stark aus. Behörden in Palma de Mallorca warnten bereits vor dem Aufenthalt in Parks und Kiefernwäldern, wo die Raupen sogar Mülleimer und beliebte Rundwege belagern.

Warnhinweis in einem Park in Deutschland.

Foto: IMAGO/Lobeca

Auf Mallorca lauert zudem eine besondere Gefahr für Haustiere: Beschnüffeln oder beißen neugierige Hunde die Raupenketten am Boden, drohen dramatische Schwellungen im Maul- und Nasenbereich, die im Extremfall zum Ersticken führen können.

Prozessionsspinner in Eichen und Pinien

Wichtig zu wissen: Weder der Eichen- noch der Pinien-Prozessionsspinner sind eingeschleppte, invasive Arten aus Übersee. Beide sind in unseren Breiten seit jeher heimisch. Das normale Verbreitungsgebiet des Eichenprozessionsspinners liegt in Süd- und Mitteleuropa; früher war er in Deutschland jedoch selten und auf sehr warme Regionen beschränkt.

Der Pinien-Prozessionsspinner hat seine natürliche Heimat im gesamten Mittelmeerraum und Nordafrika. Das aktuelle Problem ist also nicht ihre Herkunft, sondern der Klimawandel: Durch milde Winter und heiße Frühjahre verschieben sich die optimalen Lebensbedingungen der Tiere rasant nach Norden und in ehemals kühlere Höhenlagen, was zu einer unkontrollierten Massenvermehrung führt.

Die Nester der Prozessionsspinner müssen fachmännisch entfernt werden.

Foto: IMAGO/imagebroker

Prozessionsspinner mit giftigen Brennhaaren

Egal ob in Süddeutschland an Eichen oder im Mittelmeerraum an Kiefern beziehungsweise Pinien: Das eigentliche Problem sind die mikroskopisch kleinen Brennhaare der Raupen. Sie enthalten das giftige Eiweiß Thaumetopoein. Diese Härchen brechen extrem leicht ab, werden vom Wind über weite Strecken getragen und überdauern Jahre im Unterholz.

Symptome und Sofortmaßnahmen bei Prozessionsspinner-Kontakt

  • Hautreizungen: Starker Juckreiz, Rötungen, Quaddeln (Raupendermatitis).
  • Sofortmaßnahme: Kleidung sofort ausziehen, bei 60 Grad waschen, Körper und Haare gründlich duschen (beim Abtrocknen nur tupfen, nicht reiben).
  • Atemwegs- und Augenbeschwerden: Hustenreiz, Entzündungen der Luftwege (bis zum Asthmaanfall) oder Bindehautentzündung.
  • Sofortmaßnahme: Augen intensiv mit klarem Wasser spülen. Bei Atemnot sofort den Rettungsdienst (Notruf 112) verständigen.
  • Prozessionsspinner-Jagd mit der Schrotflinte auf Mallorca

    Die Bekämpfung läuft überall auf Hochtouren. Während in Süddeutschland biologische Spritzmittel versprüht oder Nester von Spezialfirmen abgesaugt werden, greifen manche Gemeinden auf Mallorca zu drastischeren Mitteln: Dort rücken teilweise Jäger an, um die nesselnden Kokons mit Schrotgewehren aus den Baumkronen zu schießen, bevor sie am Boden verbrannt werden.

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