Sonnenfinsternis über Baden-Württemberg
: In diesen Städten ist sie am eindrucksvollsten

Am 12. August 2026 ist über Baden-Württemberg eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten. In diese Städten ist die Verdeckung der Sonne am größten.
Von
Lukas Böhl
Stuttgart
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Totale Sonnenfinsternis 2024 in Texas

Am 12. August verdunkelt der Mond die Sonne über Baden-Württemberg.

Julio Cortez/AP/dpa-tmn/dpa

Am Mittwochabend schiebt sich der Mond aus Sicht der Erde teilweise vor die Sonne. In Baden-Württemberg beginnt das Schauspiel je nach Standort gegen 19.20 Uhr. Rund eine Stunde später, zwischen 20.14 und 20.17 Uhr, wird die größte Bedeckung erreicht.

Eine totale Sonnenfinsternis gibt es in Deutschland nicht zu sehen. Die Zone der Totalität verläuft unter anderem über Island, Spanien und die Balearen. Dennoch fällt die partielle Finsternis im Südwesten Deutschlands außergewöhnlich deutlich aus: In Teilen Baden-Württembergs werden rund 90 Prozent der sichtbaren Sonnenfläche vom Mond bedeckt.

Freiburg erreicht mehr als 90 Prozent

Unter den größeren Städten Baden-Württembergs bietet Freiburg rechnerisch die stärkste Verfinsterung. Dort beginnt die partielle Sonnenfinsternis gegen 19.23 Uhr. Ihren Höhepunkt erreicht sie um 20.17 Uhr. Dann sind rund 90,31 Prozent der Sonnenfläche verdeckt.

Wer möglichst wenig von der Sonne übrig sehen möchte, hat damit in Freiburg die besten Voraussetzungen. Allerdings steht die Sonne zu diesem Zeitpunkt bereits tief über dem Horizont. Schwarzwaldhänge, Gebäude oder hohe Bäume können die Sicht deshalb schnell versperren.

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Ideal ist ein möglichst freier oder erhöhter Beobachtungsplatz mit guter Sicht nach Westen beziehungsweise Westnordwesten. Wer einen bestimmten Standort ins Auge gefasst hat, sollte vorher prüfen, ob dort am Abend tatsächlich freie Sicht auf die tief stehende Sonne besteht.

Gegen 20.47 Uhr geht die Sonne in Freiburg unter. Spätere rechnerische Phasen der Finsternis sind deshalb von dort aus nicht mehr sichtbar.

Karlsruhe verbindet hohe Bedeckung mit günstiger Lage

Nur wenig schwächer fällt die Sonnenfinsternis in Karlsruhe aus. Dort werden beim Maximum rund 89,18 Prozent der Sonnenfläche verdeckt. Die Finsternis beginnt gegen 19.21 Uhr, der Höhepunkt wird gegen 20.15 Uhr erreicht.

Ein Vorteil Karlsruhes ist die Lage in der Rheinebene. Vor allem auf freien Flächen oder am westlichen Stadtrand lässt sich leichter ein ungestörter Blick zum Horizont finden als in Städten mit stärker ausgeprägter Tallage.

Auch statistisch weist Karlsruhe für Mitte August vergleichsweise günstige Bewölkungswerte auf. Die aus zurückliegenden Jahren abgeleitete durchschnittliche Bewölkung für den 12. August liegt bei 57 Prozent und damit unter den Werten der anderen betrachteten Städte. Eine Wetterprognose für den konkreten Abend ist diese Statistik allerdings nicht.

Die Sonne verschwindet in Karlsruhe gegen 20.47 Uhr unter dem Horizont.

Pforzheim liegt nur knapp dahinter

Auch Pforzheim erreicht einen Bedeckungsgrad von knapp 90 Prozent. Beim Maximum gegen 20.15 Uhr werden dort 89,17 Prozent der Sonnenfläche vom Mond verdeckt. Der Beginn der Finsternis ist gegen 19.22 Uhr zu erwarten.

Astronomisch unterscheidet sich Pforzheim damit kaum von Karlsruhe. Schwieriger könnte jedoch die Wahl des Beobachtungsortes sein. Aufgrund der Tallage und der umliegenden Höhenzüge ist ein möglichst freier Blick in westlicher Richtung besonders wichtig.

Zwischen Gebäuden oder an Stellen, an denen das Gelände nach Westen ansteigt, kann die Sonne bereits vor dem rechnerischen Sonnenuntergang aus dem Blickfeld verschwinden. Dieser ist in Pforzheim gegen 20.46 Uhr.

Stuttgart: Gute Werte, schwieriger Horizont

In Stuttgart werden beim Höhepunkt der Finsternis rund 89,08 Prozent der Sonne bedeckt. Das Ereignis beginnt gegen 19.22 Uhr, das Maximum folgt etwa um 20.15 Uhr.

Die größte Herausforderung ist hier weniger der Bedeckungsgrad als die Topografie. Durch die Stuttgarter Kessellage können Häuser, Bäume und umliegende Höhen den Blick auf die tief stehende Sonne frühzeitig versperren.

Für die Beobachtung bieten sich deshalb vor allem erhöhte Orte mit möglichst freiem Blick nach Westen bis Westnordwesten an. Sinnvoll ist es, einen geplanten Platz bereits vor dem 12. August ungefähr zur gleichen Uhrzeit zu überprüfen.

Hinzu kommt, dass die Sonne in Stuttgart bereits gegen 20.43 Uhr untergeht. Damit endet die sichtbare Phase etwas früher als etwa in Karlsruhe oder Freiburg.

Mannheim, Heilbronn und Heidelberg ebenfalls gut geeignet

Auch weiter nördlich im Land bleibt die Verfinsterung eindrucksvoll. In Mannheim werden beim Maximum rund 88,76 Prozent der Sonne bedeckt, in Heilbronn 88,75 Prozent und in Heidelberg 88,73 Prozent.

In Mannheim und Heidelberg wird der Höhepunkt gegen 20.14 Uhr erreicht, in Heilbronn etwa eine Minute später.

Mannheim profitiert grundsätzlich von der flachen Landschaft der Rheinebene. In Heilbronn können höher gelegene Plätze am Stadtrand eine gute Wahl sein. In Heidelberg sollte besonders darauf geachtet werden, dass weder Gebäude noch Gelände den Blick Richtung Westen abschirmen.

Die Unterschiede zwischen den Städten sind insgesamt gering. Für die tatsächliche Beobachtung kann deshalb ein anderer Faktor wesentlich wichtiger werden: das Wetter.

Auf die Bewölkung achten

Wenige Tage vor der Sonnenfinsternis lässt sich noch nicht zuverlässig sagen, wo am Abend des 12. August die besten Bedingungen herrschen werden. Die Wettermodelle können sich bis dahin noch deutlich verändern.

Wer die Möglichkeit hat, seinen Beobachtungsort kurzfristig zu wählen, sollte deshalb am Tag der Finsternis auf aktuelle Bewölkungsprognosen sowie mögliche Schauer oder Gewitter achten.

Denn praktisch gilt: Ein Standort mit freiem Himmel und 88,7 Prozent Bedeckung dürfte ein deutlich besseres Erlebnis bieten als ein Ort mit 90,3 Prozent, an dem Wolken die Sonne verdecken.

Neben der Bewölkung sollte auch die Sicht zum Horizont berücksichtigt werden. Da das Maximum erst kurz vor Sonnenuntergang erreicht wird, können selbst weit entfernte Hindernisse entscheidend sein.

Sonnenfinsternis nur mit geeignetem Schutz beobachten

So spektakulär das Ereignis auch ist: Mit bloßem Auge darf niemals direkt in die Sonne geschaut werden. Das gilt auch dann, wenn der Mond bereits einen Großteil der Sonnenfläche verdeckt.

Die verbleibende Sonnensichel ist weiterhin hell genug, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen. Besonders gefährlich ist, dass solche Verletzungen zunächst keine Schmerzen verursachen müssen.

Für die direkte Beobachtung sollten ausschließlich geeignete Sonnenfinsternisbrillen verwendet werden. Nach den Empfehlungen des Bundesamts für Strahlenschutz sollte unter anderem darauf geachtet werden, dass die Brille der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 entspricht, ein CE-Zeichen trägt und die Filterfolie keine Kratzer, Löcher oder Risse aufweist.

Normale Sonnenbrillen bieten keinen ausreichenden Schutz – auch mehrere übereinander getragene Exemplare nicht. Ebenfalls ungeeignet sind improvisierte Lösungen wie CDs, geschwärzte Gläser, Filmstreifen oder selbst gebaute Filter.

Eine sichere Möglichkeit ist dagegen die indirekte Beobachtung, beispielsweise indem das Sonnenbild mithilfe einer Lochkamera auf eine Fläche projiziert wird.

Besondere Vorsicht ist bei Teleskopen, Ferngläsern und Kameras erforderlich. Durch ihre Optik wird das Sonnenlicht gebündelt. Geeignete Sonnenfilter müssen deshalb immer vor dem Objektiv angebracht werden. Eine Sonnenfinsternisbrille allein schützt die Augen nicht, wenn gleichzeitig durch ein ungefiltertes Fernglas oder Teleskop geschaut wird.