Stadt Mannheim hat „ehrhebliche Zweifel“
: „Bürgernähe auch praktisch leben“ – Swinger-Stadtrat will Sexparty im Rathaus

Julien Ferrat plant eine Swingerparty im Mannheimer Rathaus. Notfalls will er sogar mit einer Klage bis zum Bundesverfassungsgericht.
Von
Michael Bosch
Mannheim/Stuttgart
Jetzt in der App anhören
Julien Ferrat will im Rathaus swingen. Das meint er ernst.

Julien Ferrat will im Rathaus swingen. Das meint er ernst.

privat
  • Mannheimer Stadtrat Julien Ferrat plant eine Swingerparty im Rathaus – er hält das für zulässig.
  • Begründung: zentrale Lage und keine explizite Hausordnung gegen solche Events, so Ferrat.
  • Stadt Mannheim sieht „erhebliche Zweifel“ an Zulässigkeit und Praktikabilität und will das klären.
  • Ferrat kündigt den Rechtsweg bis zum Bundesverfassungsgericht an, falls die Stadt untersagt.
  • Fällt das Rathaus weg, soll die Party in privaten Räumen stattfinden; Anmeldung per städtischer Mail.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Julien Ferrat zieht sich gerne aus. Und auch der freien Liebe frönt der bekennende Swinger gerne. Daraus macht der Stadtrat aus Mannheim (“Die Mannheimer“) keinen Hehl. Um das in seiner Heimatstadt salonfähig zu machen, ist dem 35-Jährigen offenbar auch nichts heilig. Warum sich nicht mal dort nackig machen und der Lust freien Lauf lassen, wo sonst Akten gewälzt, Anträge bearbeitet und Scheine ausgestellt werden, dachte sich Ferrat unlängst. Er plant nach eigenem Bekunden eine Swingerparty im Mannheimer Rathaus.

„Ein FKK-Swinger-Paradies für Mannheim“, solle das Rathaus werden, schreibt Ferrat in einer Pressemitteilung. Warum es gerade dort sein muss, darauf hat er eine relativ simple Antwort. Das Rathaus sei „zentral gelegen und somit für Swingerpartys perfekt geeignet“. Auch gebe es „keine Hausordnung oder kommunale Satzung, die Swingerpartys im Rathaus explizit verbietet“, so Ferrat.

Swinger-Party im Rathaus: „erhebliche Zweifel“

Adamskostüm statt Anzug? In der Mannheimer Verwaltung war man darauf offenbar nicht vorbereitet. Es „liegen der Stadt Mannheim bisher keine konkreten Informationen vor. Anhand der bisher bekannten, sehr rudimentären Informationen bestehen erhebliche Zweifel an der Zulässigkeit und Durchführbarkeit der von ihm genannten Pläne“, so Stadtsprecher Dirk Schuhmann. Man werde mit Ferrat darüber sprechen, „um den den Sachverhalt zu klären“.

Ferrat will gegebenenfalls sogar rechtliche Schritte gehen. „Sollte meine Swingerparty im Rathaus von der Mannheimer Stadtverwaltung untersagt werden, werde ich den Rechtsweg beschreiten. Notfalls ziehe ich bis vor das Bundesverfassungsgericht“, sagt er.

Mannheims Stadtrat Julien Ferrat

Ist gern nackt und als Einzelstadtrat im Mannheimer Gemeinderat: Julien Ferrat

Uwe Anspach/dpa

Der Swinger-Stadtrat ist also wild entschlossen. Aus seiner Sicht ist eine Sexparty im Rathaus „ein innovatives Konzept“. Schließlich soll es auch irgendwie um Politik gehen. „Mir ist es wichtig von Bürgernähe nicht nur abstrakt zu reden, sondern Bürgernähe auch praktisch zu leben“, sagt Ferrat. Konsolidierung und Koitus, sozusagen. Ob ein Swinger-Treffen „im Rahmen der Ausübung eines kommunalen Mandats zulässig ist“, dazu gebe es jedenfalls noch keine höchstrichterlichen Entscheidungen.

Mannheim soll Swinger-Paradies werden

Der 35-Jährige hatte im vergangenen Jahr mit einer „Swinger-Bildungsreise“ nach Südfrankreich bundesweit für Aufsehen gesorgt. Er sieht im französischen Cap d’Agde ein Vorbild für seine Heimatstadt. Die nun geplante Party will Ferrat auch als Protest verstanden wissen, um seiner Forderung Mannheim zur Swinger-Hochburg zu machen, Nachdruck zu verleihen. Die Stadt Agde nehme jährlich mit dem FKK-Swinger-Tourismus Millionen ein. So könnte man aus seiner Sicht die Bürger entlasten.

Sollte aus dem Sextreff im Rathaus doch nichts werden, will Julien Ferrat in seine privaten Räumlichkeiten ausweichen. „Die Veranstaltung findet also auf jeden Fall statt“, so der Stadtrat. Über seine städtische Mailadresse kann man sich bereits anmelden.