„Taranteljahr 2026“: Eine neue Plage? Über 200 Sichtungen in Österreich

Südrussische Tarantel (Alopecosa singorensis, Lycosa singoriensis) im Neusiedler-See-Nationalpark (Burgenland).
imago/blickwinkel- Über 200 Tarantel-Meldungen in Österreich seit Anfang September, 175 bestätigt.
- Es handelt sich um Südrussische und Schwarzbäuchige Tarantel, für Menschen ungefährlich.
- Häufungen in Steiermark, Niederösterreich und Burgenland – einzelne Funde ungewöhnlich weit westlich.
- Spinnen suchen im Herbst Überwinterungsplätze und geraten in Häuser, Garagen oder Wohnungen.
- Naturschutzbund rät zum Einfangen mit Glas und Papier, Foto mit Fundort hilft bei Dokumentation.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Du kommst abends in die Garage, machst das Licht an, und da sitzt sie: groß, dunkel, behaart, und sie bewegt sich. Kein Netz, kein Versteck, einfach mitten auf dem Boden. Wer in diesen Wochen in Österreich so etwas entdeckt, ist nicht allein. Seit Anfang September haben mehr als 200 Menschen beim Naturschutzbund eine Spinne gemeldet, die im Volksmund „Tarantel“ heißt. Klingt nach Exot, nach Gift, nach Gefahr, oder?
Genau das ist bei den in Österreich vorkommenden Spinnen aber nicht der Fall. Die beiden Arten, die im Volksmund „Taranteln“ genannt werden, die Südrussische und die Schwarzbäuchige Tarantel, sind für Menschen ungefährlich. Sie beißen nur in Ausnahmefällen, und ein Biss ist mit einem Wespenstich vergleichbar. Auch „exotisch“ stimmt nicht ganz: Die Südrussische Tarantel lebt in Österreich seit rund 100 Jahren. Sie sieht nur so aus, als wäre sie aus dem Dschungel.
Dass Spinnen „giftig“ sind, ist übrigens fast immer wahr, aber irreführend. Das Gift dient dem Beutefang, nicht der Verteidigung gegen Menschen. Für ein Tier, das Insekten überwältigt, ist es wichtig, für Menschen spielt es meist keine Rolle.

Nahaufnahme einer südrussischen Tarantel in Österreich – sind die wirklich so harmlos?
imago/blickwinkelTarantel-Plage in Österreich
Fachleute konnten 175 der Meldungen bestätigen. Die meisten stammen aus der Steiermark (66), gefolgt von Niederösterreich (49) und dem Burgenland (43). Auffällig sind einzelne Funde abseits der bekannten Schwerpunkte: Eine Südrussische Tarantel wurde in Tulln gemeldet, eine Schwarzbäuchige im unteren Gailtal. Beides gilt laut Naturschutzbund als ungewöhnlich weit nordwestlich beziehungsweise westlich.
Die Südrussische Tarantel kennt man vor allem aus dem Osten Österreichs, die Schwarzbäuchige aus dem Süden. Im Burgenland tauchten 2026 beide auf, ihre Verbreitungsgebiete könnten sich dort künftig stärker überschneiden.

Eine Nosferatu-Spinne sitzt im Wohnzimmer eines Reutlinger Paares. Mit einem Glas setzten sie das Tier einfach im Garten aus.
KönigTaranteln auch in Deutschland?
Hierzulande sind die beiden Tarantel-Arten bislang nicht heimisch. Wer in Baden-Württemberg eine große Spinne im Haus entdeckt, hat es eher mit der Nosferatu-Spinne zu tun, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und im Südwesten inzwischen als heimisch gilt. Hubert Höfer vom Naturkundemuseum Karlsruhe führt das auf die wärmeren Sommer der vergangenen Jahre zurück. Seine Gelassenheit gilt auch für die österreichischen Verwandten: „Wir haben in allen Häusern und Wohnungen Spinnen.“ Unter Umständen kann der Biss einer Nosferatu-Spinne allerdings gefährlich werden und zu kritischen Infektionen führen – nicht nur bei Allergikern.
In der Tat scheint der heiße Sommer 2026 exotische Tiere begünstigt zu haben. So sagte Zoologe Manfred Hartbauer im Gespräch mit der Tageszeitung „Der Standard“, er glaube schon, dass 2026 ein „Wanzenjahr“ sei. Offenbar scheinen die Bedingungen aber auch Spinnen recht gut zu bekommen.
Die Spinnen suchen Plätze zum Überwintern
Hinweise auf eine Ausbreitung von Taranteln gibt es: Schon im Vorjahr wurden neue Fundorte dokumentiert, und Fachleute vermuten, dass warme, trockene Bedingungen den Tieren helfen. Den Klimawandel allein verantwortlich zu machen, wäre auf Basis der Meldedaten aber zu einfach.
Im Herbst suchen die Spinnen Plätze zum Überwintern. Dabei geraten sie in Häuser, Garagen oder Wohnungen. In der Natur nutzen sie dagegen frostsichere Verstecke wie Erdhöhlen und Felsspalten. Der Naturschutzbund rät, die Spinne vorsichtig mit einem Glas und einem Stück Papier aufzunehmen und draußen wieder freizulassen. Im Freiland lässt man sie einfach in Ruhe.
Ein Bild mit Fundort und Datum hilft Fachleuten, die Verbreitung besser nachzuvollziehen. Meldungen nimmt die Citizen-Science-Plattform Naturbeobachtung.at entgegen, wo Expertinnen und Experten Beobachtungen prüfen. Hier könnten prinzipiell auch Funde aus Deutschland eingereicht werden, falls sich die Tarantel hierzulande ausbreiten sollte. Gerade das Klima im milden Baden-Württemberg wäre prinzipiell dafür geeignet.

