Video: Seltenes Schauspiel
: Mächtiger Tornado fegt über den Bodensee

15 Minuten war am Mittag die Wasserhose vor Friedrichshafen auf deutscher Seite zu sehen. Die Windgeschwindigkeiten Tornado betrugen bis zu 150 Kilometern pro Stunde.
Von
Markus Brauer
Friedrichshafen
Jetzt in der App anhören
Eine Wasserhose hat sich am 1. Juli 2026 über dem Bodensee gebildet (bestmöglich verfügbare Qualität).

Eine Wasserhose hat sich am 1. Juli 2026 über dem Bodensee gebildet (bestmöglich verfügbare Qualität).

Kraus/swd-medien/dpa
  • Über dem Bodensee bildete sich am Mittwoch eine Wasserhose vor Friedrichshafen.
  • Der Tornado war etwa 15 Minuten sichtbar und zog Richtung Lindau ab.
  • DWD schätzt Windgeschwindigkeiten auf 100 bis 150 km/h – Schäden gab es keine.
  • Es gab keine Notfälle auf dem Wasser, doch es wurde vor weiteren Tornados gewarnt.
  • Tornados treten am Bodensee immer wieder auf, begünstigt durch Gewitterzellen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Tornado hat sich laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch (1. Juli) auf dem Bodensee vor Friedrichshafen gebildet. Die Wasserhose sei ungefähr 15 Minuten zu sehen gewesen und nach Lindau in Bayern abgezogen, berichtet DWD-Meteorologe Kai-Uwe Nerding.

Zu Höhe und Durchmesser könne er keine Angaben machen. Die Windgeschwindigkeiten in dem Tornado seien schwer zu schätzen, aber er gehe von 100 bis 150 Kilometern pro Stunde aus.

Da der Tornado sich nur über dem Wasser bildete, gebe es keine Zerstörungen. Laut Wasserschutzpolizei kam es zu keinerlei Notfällen auf dem Wasser. Allerdings warnte Nerding vor weiteren Tornados am Nachmittag in der Region.

Immer wieder Tornados auf dem Bodensee

Laut Nerding kommt es immer wieder zu solchen Tornados auf dem Bodensee. Besonders sei, dass der Tornado so gut vom Ufer zu sehen gewesen sei - so auch von Wasserburg aus. Die Gewitterzelle, die für den Tornado gesorgt habe, habe sich schon wieder aufgelöst.

„In der Atmosphäre haben wir in den untersten Niveaus Rotation, und diese Rotation hat jetzt im Zusammenhang mit der Gewitterzelle, wo es dann eben auch Aufwinde gibt, dafür gesorgt, dass wir die Bildung von einem Tornado hatten“, erklärt der Meteorologe.

Solche Tornados könnten nun auch aufgrund der allgemeinen Wetterlage in der Folge in den Regionen Oberschwaben und Allgäu auftreten. Auch dort kämen solche Tornados einige Male im Jahr vor. Bei einer entsprechenden Stärke wie jetzt auf dem Bodensee könnten dann etwa Bäume umgeknickt werden und Dächer abgedeckt, erklärt Nerding.

Was ist ein Tornado?

Tornados sind Luftwirbel in der Erdatmosphäre, die auf einem sehr kleinen Gebiet entstehen und eine annähernd senkrechte Drehachse haben. Solche kleinräumigen, sehr starken Wirbelstürme – sogenannte Großtromben, im Deutschen auch Windhose genannt – werden unterschieden in Tornados (Wirbelsturm über Land) und Wasserhose (Tornado über Wasser).

Wie entsteht ein Tornado?

Tiefstehende Schauer- und Gewitterwolken sind Grundvoraussetzung für die Entstehung eines Tornados, erläutert der Tornado-Experte Andreas Friedrich des DWD. Wenn der Wind vom Boden bis zur Wolke zudem Richtung und Geschwindigkeit ändert, beginnen die Luftmassen sich zu drehen.

Damit sich der sogenannte Wolkenrüssel bildet, muss die aufsteigende Luft sehr feucht sein. „Die aus dem Wolkenrüssel freigesetzte Energie führt dazu, dass die Luft sich immer schneller dreht.“

So entsteht ein Tornado.

So entsteht ein Tornado.

dpa-Infografik

Wie werden die Geschwindigkeiten von Tornados klassifiziert?

Mit Hilfe von verschiedenen Skalen, die Faktoren wie Geschwindigkeit, Ausdehnung, Dauer, Intensität und Zerstörungspotenzial differenzieren.

  • Fujita-Skala: Bei der Fujita-Skala handelt es sich um eine Skala zur Schadensklassifikation für Tornados und Wirbelstürmen. Benannt ist sie nach dem Sturmforscher Tetsuya Theodore Fujita,der sie 1971 entwickelte.
  • Torro-Skala: In Europa wird auch die Torro-Skala verwendet, die zehn Stufen (T0 bis T10) zwischen 61 und 482 km/h unterscheidet und eine höhere Auflösung als die Fujita-Skala hat.
  • Wie viele Stufen umfasst die Fujita-Skala?

  • F0: 63-117 km/h – Äste brechen ab, flache Bäume entwurzeln
  • F1: 118-180 km/h – Dachziegel werden abgehoben, fahrende Autos verschoben
  • F2: 181-253 km/h – Dächer werden abgedeckt, große Bäume entwurzelt
  • F3: 254-332 km/h – Zügen können entgleisen, Wälder werden großflächig entwurzelt, LKW umgeworfen
  • F4: 333-418 km/h – Holzhäuser werden verschoben; die Tornadobreite kann 100 Meter bis 4,2 Kilometer betragen
  • F5: 419-512 km/h – Holzhäuser werden vom Fundament abgerissen und in weitere Entfernungen verschoben
  • F6: 513-612 km/h – Großflächige Zerstörungen; stärkster Tornado am 3. Mai 1999 über Oklahoma mit 529 km/h
  • F7: 612-717 km/h – bisher nicht beobachtet; theoretische Werte
  • F8: 717-827 km/h – bisher nicht beobachtet; theoretische Werte
  • F9: 827-943 km/h – bisher nicht beobachtet; theoretische Werte
  • F10: 943-1063 km/h – bisher nicht beobachtet; theoretische Werte
  • F11: 1063-1188 km/h – bisher nicht beobachtet; theoretische Werte
  • F12: mehr als 1188 km/h – praktisch nicht erreichbar, da die Windgeschwindigkeit nicht größer als die Schallgeschwindigkeit sein kann
  • Wie schnell können Tornados werden?

Die höchste je registrierte Windgeschwindigkeit innerhalb eines Tornados wurde während des Oklahoma Tornado Outbreak im Mai 1999 bei Bridge Creek im US-Bundesstaat Oklahoma, eine der bis dahin schlimmsten Naturkatastrophen in den US, bestimmt.

Wie lange dauert ein Tornado?

Da Tornados in der Regel auf einem kleinen Gebiet auftreten und nur kurz dauern (wenige Sekunden bis zu mehr als eine Stunde; die meisten Tornados wüten unter zehn Minuten an einem Ort) sind sie sehr schwer vorherzusagen. Erst, wenn der Tornado bereits wütet und entdeckt wurde, können Städte oder Landkreise gewarnt werden.

Wie bewegt sich ein Tornado vorwärts?

Bei seiner Vorwärtsbewegung folgt ein Tornado seiner Mutterwolke. Dabei handelt es sich um Teile von Wolken, die sich zu eigenständigen Gebilden entwickeln. Im Schnitt legt ein Tornado so 50 Kilometern pro Stunde zurück.

Die interne Rotationsgeschwindigkeit des Luftwirbels ist allerdings meist sehr viel höher als die der Vorwärtsbewegung (lineare Bewegung). Diese Verwirbelungen sind auch für die schweren Verwüstungen verantwortlich, die ein Tornado hinterlassen kann.

Was war der bisher verheerendste Tornado?

Vom 3. bis 6. Mai 1999 fegten innerhalb von elf Stunden mehr als 70 Tornados über die südlichen US-Bundesstaaten Texas, Oklahoma und Kansas hinweg. Die Kleinstadt Bridge Creek, rund 40 Kilometer südwestlich von Oklahoma City gelegen, wurde am verheerendsten heimgesucht.

In nur 15 Minuten zerstörte ein Tornado der Stärke F5 mit 496 bis 529 km/h auf der Fujita-Skala) den Ort. Dies ist bisher die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit auf der Erdoberfläche gewesen.

Wie häufig sind Tornados in Deutschland?

Selbst bei optimalen Bedingungen seien Tornados hierzulande „ein sehr seltenes Ereignis“, erklärt der Meteorologe Gerhard Lux. „Nur in einem Prozent aller Stürme kommt es zu einem echten Tornado. Wir haben in Deutschland keine amerikanischen Verhältnisse.“ Kleinere Tornados in Verbindung mit einer Kaltfront und Wärmegewittern kämen indes häufiger vor – ungefähr 20 bis 60 pro Jahr. „Prinzipiell sind sie aber das ganze Jahr über möglich“, so Lux.

Gibt es bei Tornados in Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle?

Als Grundregel gilt: Im Westen der Republik eher als im Osten und im Süden eher als im Norden. Das hängt mit der Wärmeentwicklung und den Großwetterfronten zusammen, die im Sommer über Deutschland hinwegziehen. Im Süden sind Sommergewitter häufiger. Aber niemand in Deutschland ist vor einem Tornado gefeit.

Nimmt die Zahl der Tornados durch den Klimawandel zu?

Wegen der Erwärmung der Atmosphäre werden die Tornados eher stärker, aber nicht häufiger. „Der Klimawandel ist eine Temperaturerhöhung der Erdatmosphäre, erläutert Gerhard Lux. „Das wiederum verstärkt den Wasserkreislauf, wodurch sich stärkere Regenschauer und Stürme bilden können. Man kann aufgrund der Beobachtungen der Tornados überhaupt nichts statistisch ableiten. Das wäre reine Spekulation.“

StZ Kompakt - Der Abend
Montag - Samstag um 17.00 Uhr
Die wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht - mit unserem Newsletter gewinnen Sie abends schnell den Überblick über das Tagesgeschehen.