Alte Ritterburg: Märchenstunde an Böblingens Geburtsort

Märchenstunde im Wald: Die Klasse 4b der Erich-Kästner-Schule verlegte ihren Unterricht an eine historische Stätte
Stefanie Schlecht- Klasse 4b der Erich‑Kästner‑Schule besuchte die Alte Burg in Böblingen – Unterricht im Wald.
- Vor Ort las ein Autor aus dem Böblinger Märchenbuch die Geschichte vom Ritter Bobilo.
- Das Märchen zeigt Bobilo als schwäbischen Robin Hood, der Hufeisen verkehrt aufnagelte.
- Lehrerin verbindet Heimatkunde mit Ausflügen; Themen sind Bobilo, Bauernkrieg und Adelsgeschichte.
- Bürgerstiftung initiierte Lesungen: Alle sechs Märchen werden an historischen Orten vorgelesen.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Als tauche der sagenumwobene Ritter Bobilo gleich aus dem Unterholz auf: Die Klasse 4b der Erich-Kästner-Schule in Böblingen machte dieser Tage einen Ausflug zu einem historisch bedeutsamen Ort der Stadt. Und nicht nur das: Vor Ort wartete der Autor dieser Zeilen mit dem Böblinger Märchenbuch unter dem Arm und las das Märchen vom Ritter Bobilo vor. Trotz der feuchten Witterung lauschten die Viertklässler gespannt.
Lehrerin Daniela Locher behandelt mit ihren Grundschülern derzeit im Sachunterricht die Geschichte der Stadt. „Die waren schon von Anfang an wirklich Feuer und Flamme, etwas über Bobilo zu erfahren“, sagt sie. Neben ihm vermittelt sie den Schülerinnen und Schülern weitere Aspekte der Heimatkunde: Der Bauernkrieg etwa oder die Adelsgeschichte. Dafür verlegt sie den Unterricht bisweilen nach draußen und geht in der Stadt auf Spurensuche.
Ein Böblinger Bär als roter Faden
Da lag es nahe, das jüngst erschienene Böblinger Märchenbuch in den Unterricht einzubauen. In dem von der Bürgerstiftung anlässlich ihres 20. Geburtstags aufgelegten Buch wird die Geschichte der Stadt anhand von sechs Fabeln lebendig, die sich mal mehr und mal weniger eng an den historischen Fakten orientieren. Zentrale Figur ist der Bär Achmet, den es mit diesem Namen tatsächlich gegeben haben soll. Noch heute erinnert der „Zwinger“ im Gasthaus Bären daran.

Eines der Motive im Märchen "Mechthild und das Nonnenhaus"
Monika Gisi-Büttner/KIMindestens ebenso bekannt ist die sagenumwobene Figur des Ritter Bobilo, die seit Jahrzehnten durch die Böblinger Grundschul-Lehrpläne und Geschichtsschreibung galoppiert. Sichtbarstes Monument des vermeintlichen Stammesvaters von Böblingen ist die sogenannte Alte Burg oberhalb des Ochsentrogs, auch Bobilo-Burg genannt. Ein Steinkreis markiert die abgegangene Burg, die der Sage nach einem Adeligen namens „Bobilo“ oder „Bebelo“ gehört haben soll. Der perfekte Ort für eine Lesestunde.
In dem Märchen ersteht Bobilo wieder auf als ein schwäbischer Robin Hood, der den Reichen nimmt, um den Armen zu geben. Eine besondere List soll der Räuber dabei angewandt haben: Die Hufeisen seines Pferdes schlug er verkehrt herum auf, um seine Verfolger in die Irre zu führen. So will es die Überlieferung, das Märchen strickt daraus eine kindgerechte Heldensage.
Die Vorleseaktion kam bei den Schülern gut an, sie und ihre Lehrerin freuten sich über die Unterrichtsstunde im Wald. Den Anstoß dazu gab der Bürgerstiftungs-Vorsitzende Daniel Wengenroth, der die Idee zu dem Märchenbuch hatte. „Alle sechs Autoren werden ihre Märchen an den historischen Böblinger Orten vor Schulklassen vorlesen“, sagt er. So wird die Geschichte der Stadt lebendig und nebenbei die Lesekompetenz spielerisch gefördert.
Böblinger Märchenbuch
Das Buch ist ab drei Jahren zum Vorlesen geeignet, ab acht Jahren zum Selberlesen. Es ist erhältlich in der Buchhandlung Vogel und im Museum in der Zehntscheuer. Der Preis liegt bei 29,90 Euro, der Erlös fließt 1:1 an die Bürgerstiftung.
