Anzahl der Tierarztpraxen im Land geht zurück: Das Gros der Tierärztinnen arbeitet in Teilzeit

Ein Team in der Rutesheimer Tierarztpraxis: Petra Stumpf (links) und Mareike Schwab.
/Simon GranvilleIn Deutschland gibt es in Summe etwa 44 000 Tierärzte, von denen gut 22 000 in einer Praxis arbeiten. In Baden-Württemberg sind laut der Landestierärztekammer aktuell 4563 Tierärzte registriert. Davon sind (Stand Dezember 2023) insgesamt 2263 in der ambulante Versorgung tätig: 1093 sind in eigener Praxis niedergelassen (im Landkreis Böblingen 29/im Landkreis Ludwigsburg 32), 1170 sind als angestellte Tierärzte in Praxen tätig (46 Kreis Böblingen/64 Kreis Ludwigsburg).
Frauenanteil liegt bei 70 Prozent
„Die Anzahl der Praxen geht tatsächlich zurück, obwohl es mehr Tierärzte gibt“, sagt Ursula von Einem, beim Bundesverband Praktizierender Tierärzte in Frankfurt zuständig für die externe Kommunikation. „Das liegt daran, dass ein wachsender Anteil der Kolleginnen und Kollegen angestellt arbeiten möchte.“ Das Hauptproblem in der Branche, sagt von Einem, sei ein Tierärzte(stunden)mangel. „Es gibt zahlenmäßig zwar genug Tierärzte, von diesen arbeiten aber viele in Teilzeit“. Den Grund hierfür nennt sie den beruflichen Frauenanteil von etwa 70 Prozent. Angestellte dürften außerdem nur im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes arbeiten.
Es ist schwierig, Nach- und Notdienste zu besetzen
Dies bedeute, dass es maximale Arbeitszeiten am Tag und Pflichtruhephasen gäbe, die eingehalten werden müssten. „Das ist in der Sache völlig richtig, sorgt aber dafür, dass beispielsweise jemand, der in der Nacht Notdienst hatte, am kommenden Tag nicht einsetzbar ist. Deshalb ist es zunehmend schwierig, Nacht- und Notdienste zu besetzen. Die Inhaber der Praxen und Kliniken können das nicht alleine abfedern.“ Hinzu komme, dass Tierärzte etwa 2,5 Stunden am Tag mit bürokratischen Aufgaben beschäftigt seien. Zeitaufwendige Meldepflichten oder Dokumentationszwänge würden auf Kosten der Arbeitszeit am Tier gehen.
Die Tierärztin Petra Stumpf, die unter anderem in Malmsheim und Rutesheim eine Praxis hat, ist der Meinung, dass die Zahl der Studierenden an den Universitäten erhöht werden müssten, um mehr praktizierende Ärzte gewinnen zu können. „Dort liegt die Frauenquote bei etwa 90 Prozent.“ Wenn alle 100 Prozent arbeiten würden, so Petra Stumpf, wäre der Bedarf gedeckt. „Viele arbeiten jedoch in Teilzeit. Viele wollen nicht mehr selbstständig sein, immer mehr ältere Kollegen verkaufen ihre Praxis an Investorenketten, das ist allerdings keine gute Entwicklung, der wir mit unserem Konzept entgegenwirken wollen.“ Momentan leistet sie mit ihren Kollegen kräftig Aufbauarbeit.