Besuch des Bischofs von Odessa in Renningen
: „Wir brauchen mehr Gebete als Waffen“

Nach einem Friedensgebet in der Renninger Bonifatiuskirche erzählt Bischof Stanislaus von Odessa vom Lebensalltag in der kriegsgeplagten Ukraine und dankt für die fortwährende Unterstützung.
Von
Manuel Schust
Stuttgart
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Bischof Stanislaus (Mitte) dankte im Rahmen des Friedensgebets in der Renninger Bonifatiuskirche für die Unterstützung aus Deutschland. Links im Bild: Franz Pitzal, der bereits 1994 Spenden für ein Projekt zugunsten von ukrainischen Waisenkindern gesammelt hat.

Simon Granville

Die Verbindung zwischen Bischof Stanislaus von Odessa und der katholischen Kirchengemeinde in Renningen besteht seit über 30 Jahren. Gerne erinnert sich der Bischof zurück an das Jahr 1994. Als er damals für ein Projekt zugunsten von ukrainischen Waisenkindern um Unterstützung bat, habe Pfarrer Franz Pitzal sofort zugesagt, Spenden aus Renningen bereitzustellen. Bei späteren Besuchen des Bischofs in Deutschland lernten sich beide dann besser kennen und blieben in Kontakt.

Mitte Oktober waren Franz Pitzal und Pfarrer Beck aus Backnang auf Initiative des Bischofs in die Ukraine gereist. Da Bischof Stanislaus anlässlich der Bischofsweihe von Dr. Klaus Krämer in Deutschland verweilte, besuchte er nun beide in ihren Heimatgemeinden.

Mensch bleiben

In seiner Predigt zum Friedensgebet und auch im anschließenden Gespräch schilderte der Geistliche aus der Ukraine den kriegsgeplagten Alltag in seinem Heimatland. Viele Binnenflüchtlinge kommen mit spärlichem Gepäck in Odessa an. „Der tägliche Kampf findet nicht nur an der Frontlinie statt“, betonte der Bischof. „Es kommen Menschen aus anderen Teilen der Ukraine, die oft alles verloren haben. Dennoch sehe ich in vielen Augen keinen Hass und keinen Neid.“ Es sei wichtig, „Mensch zu bleiben“ angesichts des fürchterlichen Leids und der immensen Zerstörung, die der Krieg weiter verursacht. Es gebe auch Leute, die mit ihrem Schicksal hadern. Doch insgesamt erlebe er viele geduldige, hoffende Menschen.

Keine andere Wahl

Weiterhin ist Frieden das große Ziel. Doch der Bischof betont auch, wie wichtig es ist, dass die Ukraine wehrhaft bleibt. Es sei kein Konflikt um Territorium. Davon habe Russland genug. Der Krieg habe begonnen, weil Russland die Unabhängigkeit der Ukraine und die Hinwendung zu Europa verhindern und ein neues Imperium aufbauen will, zu dem die Ukraine gehören soll. „Wir haben gar keine andere Wahl als zu kämpfen“, führte der 68-Jährige aus. „Es ist wirklich ein Wunder, dass die Ukraine seit fast drei Jahren gegen das große Russland bestehen kann. Warum haben wir das geschafft? Weil Gott mit uns ist!“

Dankbarkeit für Solidarität

Nicht alleine zu sein und Anteilnahme zu erfahren – auch aus Renningen – sei sehr wichtig. „Für diese große Solidarität aus Europa und besonders Deutschland sind wir sehr dankbar“, unterstrich Bischof Stanislaus. „Wir bitten um ihre Gebete. Wir brauchen auch Waffen, aber wir brauchen mehr Gebete als Waffen.“

Der nun einsetzende Winter verschärft die Situation der Menschen vor Ort. Auch die Aufgaben der Kirche haben sich in den Kriegsjahren verändert. Beispielsweise habe man Generatoren für die Gemeindehäuser organisieren müssen, damit die Gottesdienste weiter stattfinden können. „Ich staune immer wieder, wie das Leben trotz all der Schwierigkeiten weiter funktioniert“, lobte der Bischof den Einsatz der Menschen. Sehr bedrückend seien die vielen Beerdigungen junger Menschen. „Friedhöfe sind dort zu lebendigen Begegnungsstätten geworden“, bestätigte Franz Pitzal.

Insgesamt kommen nun mehr Menschen in die Kirchen als früher. Statt bislang vier finden nun täglich sechs Messen statt. Das zuvor etablierte russischsprachige Angebot gibt es aber nicht mehr, da die Leute das Russische „ganz weghalten wollen“.

Spendenaktion für Notleidende

Für die Ärmsten hat Bischof Stanislaus ein Hilfsprogramm auf die Beine gestellt, bei dem jede Woche über 100 Menschen eine Tüte voller Lebensmitteln erhalten. Finanziert wird das Angebot, bei dem Notleidende mit Grundnahrungsmitteln versorgt werden, durch Spenden. Auch die Franz-Pitzal-Stiftung unterstützt das Projekt. Jede Hilfe ist willkommen.

Besonders beeindruckt hat den Bischof die Geschichte von drei Kindern, die der Renninger Kirchengemeinde durch einen Brief eine Spende von über 100 Euro für die Ukrainehilfe übermittelt haben. Die Kinder, von denen nur die Vornamen bekannt sind, haben nach der Ernte einen Bauern gefragt, ob sie die noch auf dem Feld liegenden Kartoffeln einsammeln dürfen. Anschließend haben sie diese gegen Spenden verschenkt. „Das ist eine großartige Spende von Herz“, betonte der Bischof.

Spenden für notleidende Menschen in der Ukraine können über das Konto der „Franz-Pitzal-Stiftung Renninger Krippe“ entrichtet werden: IBAN DE 80 6035 0130 1000 8221 08.

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