Böblinger Bier: Genießerisches Treffen mit dem Braumeister

Die besonders geformten Biergläser erlauben es, das volle Bieraroma auszukosten.
Stefanie Schlecht- Bierverkostung mit Werner Dinkelaker fand wegen Hitze im Schönbuch Biergarten statt.
- Einstieg mit alkoholfreiem Jäger Spezial: Optik, Geruch und kleiner Schluck im Fokus.
- Spezielle Kelche aus Winzer-Kooperation betonen Farbe und Aromen – weinähnliche Form.
- Alkoholfrei-Trend: 15 % Marktanteil, bei der Brauerei 20 %. Seit 2019 Umkehr-Osmose.
- Seltene Probe zum Schluss: im Whiskey-Fass gereifter Weizen-Bock, nur 200 Flaschen jährlich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die erste Genusstour unserer Zeitung sollte eigentlich in den Maschinenraum der Schönbuch Braumanufaktur nach Böblingen führen. Doch die hochsommerlichen Temperaturen ließen das Thermometer in der Halle auf über 30 Grad klettern. Also verlegte die Hauptperson des Abends, Brauerei-Geschäftsführer Werner Dinkelaker, das Beer-Tasting kurzerhand in die schattigen Lauben des Schönbuch Biergartens.
Die 20 Teilnehmenden dankten es ihm mit einem erleichterten Seufzer. Und waren gespannt auf die ersten Tropfen Gerstensaft. Das Kennenlernen eines neuen Bieres laufe ja so ähnlich ab wie das Kennenlernen zwischen Mann und Frau, sagte Werner Dinkelaker. „Begonnen wird hier wie da mit der Optik!“ Das alkoholfreie Jäger Spezial perlte goldgelb in die besonders geformten Gläser, zu denen Dinkelaker auch gleich die passende Geschichte parat hatte.
Kelch mit Winzer entwickelt
Entwickelt habe er die Kelche mit einem befreundeten Winzer aus dem Piemont, weshalb sie eher an Wein-, als an Biergläser erinnerten. Dinkelaker: „Durch die spezielle Form kommen sowohl die Farbe als auch die Aromen besser zur Geltung“, sagt er. Wenn also die Optik stimmt, folge wie bei einem Rendez-vous die physische Annäherung.
„Dabei geht es dann um den Geruch. Wir mögen ja auch Menschen mehr, die wir gut riechen können“, sagt er und bat die Teilnehmer um ein erstes olfaktorisches Urteil. „Leicht bananig“, sagt einer. „Würzig-hopfig“ eine andere. Die Nüstern voller Bieraromen durften die Tasting-Teilnehmer dann den ersehnten ersten Schluck nehmen.

Brauerei-Geschäftsführer Werner Dinkelaker in seinem Element: Hefeweizen Hell im Probier-Glas.
Stefanie SchlechtAber nicht in kräftigen Zügen das halbe Glas leeren, „sondern erstmal nur einen kleinen Schluck auf der Zunge verteilen“, bat Dinkelaker. Tatsächlich entfaltete das „Jäger“ so ganz neue Geschmacksdimensionen, wird es doch sonst dank seiner eher süffigen Charakteristik eher zügig getrunken. Insbesondere das Alkoholfreie, das erst seit Februar 2025 auf dem Markt ist. Die Sorte folge im Übrigen einem wichtigen Trend, sagte Dinkelaker.
„Der Marktanteil alkoholfreier Biere lag deutschlandweit zuletzt bei 15 Prozent, bei uns sind es 20 Prozent“, sagte er. Der Grund für den überproportional hohen Anteil könnte in der speziellen Technik liegen, auf die die Brauerei bei der Entalkoholisierung seit 2019 setzt: Umkehr-Osmose. Die funktioniert vollkommen anders als herkömmliche Verfahren und erhält die typischen Geschmacksstoffe des Bieres.
Es funktioniert in etwa so: Bei einer Temperatur von acht Grad wird der Gerstensaft mit hohem Druck durch eine feinporige Membran gepresst. Sie trennt die Flüssigkeit dann in zwei Bestandteile auf, Aroma- und Inhaltsstoffe sowie ein Alkohol-Wasser-Gemisch. Dieses wird dem Bier entzogen und durch Brauwasser ersetzt. Dadurch verringert sich der Alkoholgehalt sukzessive bis zum gewünschten Gehalt von etwa 0,45 Volumenprozent.
Tatsächlich konnte Dinkelaker den Effekt zunächst selbst kaum glauben und erzählt, durch welches Schlüsselerlebnis er zum Alkoholfrei-Fan wurde. „Damals habe ich der Andechs-Brauerei einen Besuch abgestattet und im Braustüberl ein alkoholfreies Weißbier bestellt. Tatsächlich war ich völlig verblüfft, weil ich keinen Unterschied zum ‚normalen‘ Hefeweizen schmecken konnte“, sagt Dinkelaker.
So fiel letztlich der Entschluss, nach der Klosterbrauerei Andechs als zweite Brauerei überhaupt in dieses neuartige Verfahren zu investieren. Der Mut habe sich ausgezahlt, die alkoholfreien Sorten erfreuten sich wachsender Beliebtheit. So könnten sich die Böblinger über stabile Absatzzahlen von etwa 50.000 Hektoliter beziehungsweise fünf Millionen Liter freuen, während andere Häuser wie die entfernt verwandte Dinkelacker-Brauerei in Stuttgart herbe Einbußen verzeichnen.
Bier-Idee von Motorradtour mitgebracht
Mit dazu beitragen soll außerdem der jüngste Sud des Hauses: das alkoholfreie „Lucky Rider“, das Sohnemann Lukas Dinkelaker von seiner Kreation „Lucky Experience“ abgeleitet hat. Der hohe Anteil des Citra-Hopfens verleiht dem Bier mit dem auffällig psychedelischen Mandala-Etikett seine charakteristisch zitronige Note. Die Idee zu einer bleifreien Variante kam Lukas Dinkelaker auf einer ausgedehnten Motorradtour, was wiederum auf dem Etikett verewigt ist.
Freilich aber gab es an dem Abend nicht nur entalkoholisierte Sorten zum Probieren, sondern außerdem das Hefeweizen Hell, Jäger Spezial sowie ein ausgesprochen edler Tropfen: Ein mehrere Monate im alten Whiskey-Fass gereifter Weizen-Bock. Nur 200 Flaschen entstehen davon jedes Jahr, entsprechend stolz ist der Preis. Bei den Teilnehmern der Genusstour war der Digestif der krönende Abschluss, bevor sie den Abend gemütlich im Biergarten ausklingen ließen.
Genusstour unserer Zeitung
- In loser Folge laden wir Leserinnen und Leser zu Genusstouren im Kreis Böblingen ein. Dabei stehen regionale Betriebe der Lebensmittelerzeugung im Fokus.
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