Christmas-Jazz in Leonberg
: Ein neuer Star am regionalen Jazzhimmel

Der „jazzende Pfarrer“ Dennis Müller kehrt in seine Gemeinde zurück. Und bringt mit Clara de Farias eine bemerkenswerte Sängerin mit. Die Studentin wusste zwölf Stunden zuvor nichts von ihrem Auftritt.
Von
Thomas Slotwinski
Stuttgart
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Festliche Stimmung, tolles Konzert: Dennis Müller hat mit Clara de Farias am Mikrofon einen Glückstreffer gelandet.

/Simon Granville

Der Samstagmorgen hat für Dennis Müller nicht gut begonnen. Mareike Riegert, mit der der „jazzende Pfarrer“ von Ludwigsburg und vormals von Leonberg noch am Vorabend ein mitreißendes Konzert gegeben hatte, war über Nacht die Stimme weggeblieben. Am Nikolaustag hatten der geistliche Pianist und die Sängerin mit drei weiteren Musikern das Publikum in der Stadtkirche von Stuttgart-Vaihingen fulminant auf das nach wie vor faszinierendste Fest der westlichen Welt eingestimmt.

Vollen Haus nicht nur an Heillig Abend, sondern auch bei Jazz in der Kirche

Foto: S/imon Granville

Tags drauf wäre genau diese Besetzung an Müllers einstiger Wirkungsstätte, der Michaelskirche im Leonberger Stadtteil Eltingen, aufgetreten. Das Konzert ist eine Art Abschiedsgeschenk der dortigen Kirchengemeinde an ihren früheren Pfarrer, der im März in die Friedenskirche seiner Heimatstadt Ludwigsburg gewechselt ist.

Eine Geste, die gleichwohl eine volle Kirche jenseits der eigentlichen Weihnachtsfeiertage beschert. Und das hat eine Vorgeschichte: Dennis Müller hatte in der Corona-Zeit adventliche Jazzkonzerte im heimischen Wohnzimmer organisiert. Vor drei Jahren konnte der seelsorgende Pianist in die Michaelskirche umziehen. Die ist seither nicht nur an Heiligabend voll, sondern zudem an einem Abend in der Adventszeit.

So auch am Samstag zwischen Nikolaus und dem zweiten Advent. Dennis Müller hatte den morgendlichen Schreckmoment unter anderem deshalb vergleichsweise schnell verwunden, weil die aphone Mareike Rieger sich selbst um Ersatz bemüht hatte. Die Empfehlung der Sängerin, die mit ihrer glasklaren Stimmer schon auf Müllers jüngsten Album Eternal Sound brilliert hatte, hieß Clara de Farias.

Ohne jede Probe

Die Studentin an der Musikhochschule Stuttgart hatte zum Glück Zeit. Mit ein paar Chat-Nachrichten stellten Dennis Müller und die junge Frau mit brasilianischen Wurzeln im Lauf des Samstags fest, dass ein Auftritt ohne jede Probe vorher passen könnte.

Und so steht Clara, ohne dass sie es zwölf Stunden vorher hätte ahnen können, am Samstagabend vor dem Altar der Michaelskirche. Das Gotteshaus ist randvoll gefüllt, die Helferinnen müssen Stühle nachstellen. Die Gäste kommen aus der ganzen Region. Das hochkarätige Ensemble stimmt das Publikum mit einer Improvisation auf einen besonderen Abend ein.

Bei Frank Sinatras immer wieder anrührendem „Fly me to the Moon“ kann Clara de Farias erste musikalische Akzente setzen. Spätestens bei einer markanten Version von „Hört der Engel helle Lieder“ werden die Potenziale der Sängerin deutlich: Ihre klare Stimme wird dem Titel mehr als gerecht.

Doch auch die anderen Musiker machen den adventlichen Auftritt zu einem absoluten Höhepunkt des Leonberger Musikkalenders: Dennis Müller lässt bei einer Improvisation am Piano das bekannte „Jingle Bells“ heraushören, der Saxofonist Stefan Koschitzki greift die Melodie auf. Und der Schlagzeuger Felix Schrack beweist, dass der Weihnachtsklassiker nur auf Trommeln ohne jede musikalische Begleitung zu spielen ist. Eine spontane Idee, wie er später erzählt.

Ein alter Bekannter ist Niklas Schumacher, der immer wieder gerne aus Mainz nach Leonberg kommt und seinem Kontrabass mitunter unwirkliche Töne entlockt.

Beim Gospel-Klassiker „Amen“ bebt das komplette Gotteshaus. Dennis Müller dirigiert seine Gemeinde – so als wäre er nie weg gewesen. Im kommenden Jahr wird er wieder kommen. Zuvor ist er mit dem Starpianisten Tian Jiang am 24. Januar in der Ludwigsburger Friedenskirche zu hören.

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