Citylauf in Leonberg: Die ganze Stadt ist auf den Beinen
Laute Musik und die Stimme eines begeisterten Moderators dröhnen dem Publikum am Samstag entgegen. Um auf das Festgelände neben der Zielstrecke des Leonberger Citylaufes zu gelangen, müssen Besucher sich erst durch ein dichtstehendes Publikum am Rand der Laufstrecke kämpfen. Dabei werden sie von den Kindern überholt, die in verschiedenen Startnummern gerade den Kinderlauf bestreiten. Die Hauptläufe, der Fünf-Kilometer-Lauf, der Zehn-Kilometer-Lauf und der Staffellauf, starten zusammen um 20.20 Uhr. Start und Ziel befinden sich in der Steinstraße auf Höhe des Parkplatzes am Hallenbad Leonberg, auf dem sich einige Läufer bereits warm machen.
Eberhard Trinkner, bis 2024 Organisator und Gründer des Leonberger Citylaufs, steht in den Startlöchern. Nach 14 Jahren hat er die Leitung an Ralf Soffner abgegeben. „Letztes Jahr hab ich gesagt: Jetzt reichts!“, erzählt er, und: „Ich freue mich aufs Laufen!“ Nach dem 14. Citylauf habe er sein Ziel erreicht, nämlich über 2000 teilnehmende Läufer. Nun wolle er selbst genießen, was er aufgebaut habe.
Manche machen nur mit, um hinterher ein Bier zu trinken
Das Vorausfahrzeug macht sich bereit. Etwa 100 Meter vor den Läufern soll es herfahren und dafür sorgen, dass die Strecke frei ist. Die Stimmung unter den Läufern ist aufgeregt, aber begeistert. Maike Berns läuft den Fünf-Kilometer-Lauf zum dritten Mal, heute ist jedoch auch Vater Michael dabei. „Ich habe ihr vor ein paar Jahren versprochen, den Fünf-Kilometer-Lauf zusammen zu laufen, hatte aber Probleme mit meinem Bein“, sagt er. Nun seien jedoch beide fit und bereit, mitzulaufen. „Ich bin aufgeregt, aber freue mich“, sagt Maike Berns.
Der Moderator Daniel Peter zählt einen Countdown durch die Lautsprecher an der Strecke herunter, das Vorausfahrzeug startet und die Läufer rennen unter Jubelrufen los. „Hier gibt es zum einen Leute, die nur kommen, um ein Bier danach zu trinken, bis hin zu Leuten, die ambitionierte Ziele haben“, sagt Marc Pflüger, der das Vorausfahrzeug fährt.
160 Helfer am Straßenrand
Etwa 140 bis 160 Menschen helfen diesmal allein an der Strecke mit. Streckenposten stehen an jeder Einfahrt, mehrere Fahrradfahrer fahren mit dem Vorausfahrzeug vor den Läufern her und die erste Wasserversorgung steht einen Kilometer nach der Startlinie bereit. Schon vor der ersten Kurve feuert eine Gruppe von Menschen die Läufer und Läuferinnen mit Trommeln an. Die Strecke führt aus der Steinstraße heraus, an einem breit verteilten Publikum am Leo Center vorbei bis nach Eltingen, wo das größte Publikum wartet. Das Café B21 von Atrio Leonberg, einer Werkstatt für Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung, hat zum Beispiel ein großes Banner aufgespannt. Begeisterte Kinder stehen mit Wasserbechern überall neben der Strecke, groß und klein jubeln den vorbeilaufenden Menschen zu. Aus vielen Fenstern der umliegenden Häuser lugen neugierige Köpfe. Zwei ältere Frauen liegen auf Liegestühlen neben der Straße und beobachten entspannt die Strecke.
Der große Erfolg des Citylaufs stellte sich Trinkner zufolge erst nach Corona ein. „Wir hatten einfach die richtigen Antworten, haben alle Auflagen erfüllt“, so Trinkner. Den Leonberger Citylauf habe er ins Leben gerufen, da er selbst seit Jahren Läufer sei und alle positiven Aspekte eines Citylaufs in Leonberg vereinen wollte. Das betreffe beispielsweise günstige Startgebühren. Ein weiteres Ziel sei eine abwechslungsreiche Laufstrecke, die Sicherheit der Läufer und die Inklusion. „Hier laufen alle mit, Menschen mit oder ohne Behinderung“, so Trinkner.
Der Gewinner läuft fünf Kilometer in unter 17 Minuten
Nach 16 Minuten und 28 Sekunden rennt der erste Läufer mit großem Abstand und unter Jubelrufen ins Ziel. Tim Hofmann, Sieger des diesjährigen Fünf-Kilometer-Laufs, gehört zu Eberhard Trinkners Team „So sehen Sieger*innen aus“. Trinkner selbst belegt mit Startnummer 1473 den Platz 385 mit einer Laufzeit von 30:06 Minuten. „Es war sensationell“, sagt er. „Das Gefühl, das jetzt mal zu erleben, war Klasse.“ Zwischendurch sei er ein Stück gegangen, um sich persönlich bei den Menschen in Eltingen zu bedanken. „Die sind die Erfolgsgaranten für die tolle Stimmung“, sagt er, „es motiviert unheimlich, wenn man Zuspruch von außen bekommt.“ Von der neuen Organisation ist er begeistert. „Es wurden auch Verbesserungen erzielt, wir haben jetzt zum Beispiel viel schönere Medaillen“, sagt er.
Das waren die Schnellsten
Gewinner des Fünf-Kilometer-Laufs:
Platz 1: Hofmann, Tim (16:28)Platz 2: Zimmerhakl, Jeremy (17:25)Platz 3: Kranz, Philipp (17:48)
Gewinner des Zehn-Kilometer-Laufs:
Platz 1: Rau, Darian (34:35)Platz 2: Kutz, Michael (34:40)Platz 3: Nebe, Martin(34:52)










