Dreiste Masche in der Bahnhofstraße
: Ein junger Mann erzählt, wie er betrogen wurde

Am Sonntagabend wurden gleich zwei junge Männer in der Böblinger Bahnhofstraße von Betrügern angesprochen und um ihr Geld gebracht. Einer der beiden erzählt, wie es dazu kommen konnte. Er kann es selbst kaum fassen.
Von
Melissa Schaich
Stuttgart
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In der Bahnhofstraße Böblingen sind die Männer Opfer dreiter Betrüger geworden.

/Stefanie Schlecht

In der Böblinger Bahnhofstraße ist es zu einem Betrugsfall gekommen, bei dem ein 28-Jähriger um 500 Euro gebracht wurde. Darüber informierte die Polizei – nun hat sich ein weiterer junger Mann aus Tübingen gemeldet, dem genau zur selben Uhrzeit und am selben Ort das Gleiche passiert ist – allerdings wurde er um 1790 Euro betrogen.

„Ich war wie in einem Nebel gefangen“, sagt der 27-Jährige, der lieber anonym bleiben will. Obwohl bei dem jungen Mann bereits während des Gesprächs mit dem Betrüger die Alarmglocken klingelten, konnte er sich nicht aus der Situation retten.

Was ist passiert? Auf der Heimreise nach Tübingen mit dem Zug hatte der 27-Jährige einen Aufenthalt am Böblinger Bahnhof. Dort wurde er von einem Mann angesprochen, der Jeans, einen Mantel, eine Brille und eine Mütze trug. Der fremde Mann soll auf Englisch mit britischem Akzent gesprochen haben. „Er hat mir erklärt, dass seine Kreditkarte nicht mehr funktioniert und er deshalb wohl seinen Urlaub mit Frau und Kind abbrechen muss, weil er kein Geld mehr hat“, erklärt der Tübinger. Der angebliche Engländer habe kontinuierlich auf Englisch auf ihn eingeredet, bis der 27-Jährige ihm seine Kontonummer gab. Daraufhin soll der Betrüger – ohne ihn zu fragen – eine vermeintliche Direktüberweisung an ihn getätigt haben. Zwar kontrollierte der 27-Jährige sofort, ob das Geld auf seinem Konto angekommen war, doch der Betrüger erklärte, dass es wohl einige Stunden dauere bis das Geld auf dem Konto ankomme.

„Umso mehr ärgert es mich, dass ich so manipuliert wurde.“

Deshalb sei es so schwer gewesen, aus der Situation wieder herauszukommen: „Ich hatte das Gefühl, nicht einfach weggehen zu können, weil ich ja dachte, dass er mir Geld überwiesen hat“, sagt der 27-Jährige. Doch der Tübinger sagt auch: Er sei zögerlich gewesen und habe sich unter Druck gesetzt gefühlt – dass da etwas nicht stimme, habe er geahnt. „Umso mehr ärgert es mich, dass ich so manipuliert wurde“, erzählt er. Schließlich gingen die beiden zur Volksbank, wo der junge Mann 1790 Euro abhob. Auch hier war er zögerlich: „Ich wollte ihm das Geld eigentlich nicht geben.“ Als er nochmals die Kreditkarte des fremden Mannes sehen wollte, überführte der 27-Jährige ihn sogar der Lüge: Denn der Betrüger hatte ihm zuvor erklärt, dass es sich um die Kreditkarte seiner Frau handelte. Doch auf der Kreditkarte stand ein Männername. Als der 27-Jährige in darauf ansprach, habe der Betrüger gesagt, dass jemand anders die Kreditkarte beantragt habe. „Ich habe das Ganze also sogar hinterfragt und trotzdem hat er es geschafft, dass ich ihm das Geld übergeben hat“, sagt der junge Mann.

Sobald der Betrüger verschwunden war und er nicht mehr mit dem kontinuierlichen Gerede des Mannes konfrontiert war, habe der normale Menschenverstand bei ihm wieder eingesetzt. Angekommen in Tübingen gab er dort eine Anzeige auf. Dies bestätigt das Reutlinger Polizeipräsidium.

Dass er nicht alleine war, bemerkte der 27-Jährige, als er die am Montag veröffentlichte Polizeimeldung in unserer Zeitung sah. Ein weiterer Mann war auf genau die gleiche Masche hineingefallen – offenbar genau zum gleichen Zeitpunkt. Die Beschreibung, die in der Polizeimeldung von dem Betrüger veröffentlicht wurde, stimmte allerdings nicht ganz mit dem Mann überein, der ihn hereingelegt hatte. Es scheint also, dass mehrere Betrüger mit der gleichen Masche am Sonntagabend in der Böblinger Bahnhofstraße unterwegs waren.

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