Geflüchtete in Sindelfingen: Elf Stellen betreuen 1000 Menschen

In Sammelunterkünften, wie dem Best Western Hotel, leben Menschen unterschiedlichster Nationen zusammen – teilweise für Jahre.
Stefanie SchlechtIm Jahr 2015 hat die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen Satz gesagt: „Wir schaffen das!“ – und damit als konservative Politikerin der Veränderung erst einmal eine Erlaubnis erteilt. Das bedeutete für Landkreise und Kommunen vor allem Arbeit: Menschen aus anderen Ländern und Kulturen, oft mit starken psychischen Belastungen, waren aufzunehmen.
Bei der Stadt Sindelfingen wurde schon damals eine Flüchtlingsberatung aufgebaut. Was die im Moment elf Stellen, die in diesem sozialen Dienst arbeiten, leisten, hat am Dienstagabend der Gemeinderat gehört.
Mehr als 1000 Personen werden von elf Stellen betreut
Aktuell werden 1005 Personen durch elf Stellen mit einem Stellenschlüssel von 1 zu 100 betreut. Das Team ist multiprofessionell und mehrsprachig. Der Weg, den Flüchtlinge ins deutsche Verwaltungssystem gehen, führt über die Erstaufnahmestellen des Landes in die vorläufige Unterbringung der Landkreise, und schließlich sind Städte und Gemeinden für die sogenannte Anschlussunterbringung zuständig. Dort setzt die Arbeit vor Ort an.
Das Ziel in der Flüchtlingssozialarbeit ist es, den Menschen in dieser Situation Unterstützung zu geben, um ein selbstverantwortliches Leben führen zu können. Dabei spiele die Unterbringungssituation eine besondere Rolle. Denn natürlich bedeutet guter Wohnraum gute Chancen für ein selbstbestimmtes Leben. Die erfolgreiche Wohnungssuche sei eines der am häufigsten genannten Ziele von Geflüchteten in Sindelfingen und ständiges Thema im Beratungsprozess. Die meisten seien sehr bemüht, eine eigene Wohnung zu finden, es gelinge aber nur etwa der Hälfte. Lediglich 54 Prozent der Geflüchteten leben derzeit in privaten Wohnungen. In Zahlen: Im Jahr 2024 konnten 178 Personen die Anschlussunterbringung verlassen und dieses Jahr wurden bislang 108 Auszüge verzeichnet.
Mehr als 500 stark vulnerable Personen
Der andere Teil ist in acht städtischen Gemeinschaftsunterkünfte im Stadtgebiet und in den Teilorten untergebracht. Dabei bringt ein dauerhafter Aufenthalt in einer Gemeinschaftsunterkunft verschiedene Risiken und Herausforderungen mit sich: Neben den psychischen Belastungen ist als weitere gesundheitliche Gefährdung das Gewaltrisiko zu nennen. Deshalb sollen unter anderem Einrichtungskonzepte vor Ort erarbeitet werden, um vor allem vulnerable Gruppen wie Minderjährige, Menschen mit Behinderungen, queere Personen, Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern oder Opfer von Menschenhandel besser und vor allem schneller zu unterstützen. Auch hier liefert der Bericht des sozialen Dienstes Zahlen: Insgesamt umfasst die Erhebung 515 Personen, von denen 204 in Wohnungen und 311 in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind.