Gemeinderat Grafenau: Nächste Rolle rückwärts beim Sirenenkonzept

Mit Hilfe von Sirenen soll die Bevölkerung in einem Katastrophenfall gewarnt werden. Billig ist das für die Kommunen allerdings nicht.
picture alliance/dpa/Julian StratenschulteDas Thema Bevölkerungs- und Katastrophenschutz treibt den Grafenauer Gemeinderat um. Nach einigem Hin und Her beschloss das neue Gremium am vergangenen Mittwoch nun doch die Beteiligung am kreisweiten Sirenenkonzept – und vollzieht damit gleich die zweite Rolle rückwärts.
Im Oktober 2022 hatte der alte Gemeinderat dem Ausbau des Sirenennetzes nämlich eigentlich bereits zugestimmt. Im vergangenen Juli dann sollte das mittlerweile neu gewählte Gremium in seiner ersten Sitzung eigentlich nur noch entscheiden, ob es sich die teureren Sirenen mit Sprachdurchsagen leisten wolle oder nicht. Allerdings stellten die Räte wegen der Kosten von mindestens 136 000 Euro plötzlich das gesamte Sirenenkonzept wieder in Frage. Bund und Land beschlössen etwas und die Kommunen dürften es dann finanziell ‚ausbaden’, grummelte es auch noch am vergangenen Mittwoch deutlich hörbar an verschiedener Stelle. Bürgermeister Martin Thüringer hatte im Juli die Entscheidung zum Sirenenkonzept zunächst vertagt und das Thema auf die Tagesordnung der aktuellen Sitzung gesetzt.
Den Ausschlag, dass sich letztendlich die große Mehrheit der Grafenauer Gemeinderäte nun doch wieder umbesann, gab das Engagement der in großer Zahl anwesenden, örtlichen Feuerwehrleute. „Wir halten es für dringend notwendig, die Bevölkerung umfangreich warnen zu können“, unterstrich Feuerwehrkommandant Thomas Butsch nach einer bereits im August eingereichten schriftlichen Stellungnahme noch einmal persönlich. „Wir haben eine hohe Verantwortung den Bürgern gegenüber.“ Butsch erinnerte außerdem im Zusammenhang mit dem kürzlich durchgeführten bundesweiten Warntag, dass die Kommunikation über Handy-Apps bei einem Stromausfall beispielsweise in Folge von Hochwasser nicht mehr zur Verfügung stünde.
Feuerwehr bekommt neue Fahrzeuge
Sebastian Leib, beim Landratsamt Böblingen zuständig für Bevölkerungsschutz und Feuerwehrwesen, zeigte mit Hilfe einer Grafik, dass bereits 14 Kommunen im Landkreis beim Sirenenkonzept mit von der Partie seien. So folgte nun auch der Gemeinderat Grafenau dem Verwaltungsvorschlag zum Aufbau eines gemeindeweiten Sirenennetzes – allerdings in der günstigeren Variante ohne Sprachdurchsage. „Aus Kostengründen habe ich letztes Mal dagegen gestimmt“, bekannte stellvertretend für andere Ratskollegen FWG-Rat Bruno Metzger. „Jetzt bin ich als Gemeinderat dafür, aber als Bürger sehe ich es immer noch kritisch.“
Gänzlich unstrittig war dagegen die wenn auch in der Summe teurere Fahrzeugneubeschaffung für die Feuerwehr, die am Mittwoch ebenfalls thematisiert wurde. Gleich mehrere Fahrzeuge müssen dringend ersetzt werden. „Es ist keine kleine Beschaffung, aber die brauchen wir, um einsatzfähig zu bleiben“, unterstrich Thüringer angesichts einer vergebenen Summe von zunächst fast 160 000 Euro. Dafür werden die Fahrzeuggestelle für einen Einsatzleitwagen und einen Mannschaftstransportwagen bestellt und ein Hilfeleistungslöschfahrzeug europaweit ausgeschrieben. Die Lieferzeit betrage mindestens 24 Monate, sagte Butsch, sodass die neuen Fahrzeuge erst im Jahr 2026/27 verfügbar seien und haushaltsrelevant würden.