Herrenberg-Gültstein: Großeinsatz wegen Gefahrgutaustritt, Warnapps schlagen Alarm

Gefahrguteinsatz im Industriegebiet Gültstein. Angesichts der besonderen Lage war unter anderem der Umweltschutzzug Süd des Landkreises Böblingen gefragt.
SDMG- Großeinsatz in Herrenberg-Gültstein: Epoxidharz reagierte in Chemiebetrieb, Rauch und Geruch.
- Warn-Apps alarmierten gegen 17 Uhr, Bevölkerung sollte Fenster schließen und drinnen bleiben.
- Eine Person wurde leicht verletzt und ambulant versorgt – akute Gefahr bestand nicht.
- Behälter ins Freie gebracht und mit Wasser gekühlt – Messungen ergaben keine Auffälligkeiten.
- Rund 90 Einsatzkräfte über fünf Stunden vor Ort, später vollständige Entwarnung und Nachkontrollen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Donnerstagnachmittag um kurz vor 17 Uhr piepsen die Warnapps NINA- und KATWARN auf den Handys von Menschen aus dem Raum Herrenberg (Kreis Böblingen). Es ist die Rede von einer „Rauchentwicklung aufgrund chemischer Reaktion“. In der Warnmeldung wird die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, Klima- und Lüftungsanlagen in Gebäuden und Fahrzeugen auszuschalten und sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten. Das Freibad Herrenberg wird vorsorglich geschlossen. Kurz nach 18.10 Uhr versendet die Feuerwehr Herrenberg eine erste Pressemeldung zu dem Gefahrgutaustritt und informiert über den gerade laufenden Großeinsatz, der sich über mehr als fünf Stunden hinziehen wird.
Auslöser war wohl ein Behälter mit Epoxidharz, der auf dem Gelände eines chemieverarbeitenden Betriebs im Industriegebiet Gültstein eine chemische Reaktion ausgelöst hat. Laut Einsatzbericht der Feuerwehr passierte dies gegen 15.51 Uhr. „Dabei entstanden Wärme und Rauch, zudem war eine starke Geruchsbelästigung wahrnehmbar“, erklärt Tom Henschke, Pressesprecher bei der Feuerwehr Herrenberg. Nach bisherigen Erkenntnissen erlitt eine Person durch den Gefahrgutaustritt leichte Verletzungen und wurde vom Rettungsdienst ambulant versorgt.
Die Einsatzleitung fordert Spezialkräfte an
Die Feuerwehr Herrenberg war zunächst wegen eines unklaren Geruchs im südlichen Teil des Industriegebiets alarmiert worden und fand die Ursache in dem Betrieb. Angesichts der besonderen Lage forderte die Einsatzleitung Spezialkräfte an – darunter den Umweltschutzzug Süd des Landkreises Böblingen, der sich aus Kräften der Feuerwehren Herrenberg und Böblingen sowie des THW Ortsverbands Böblingen zusammensetzt. Außerdem war die Führungsgruppe des Landkreises Böblingen an dem Einsatz beteiligt.

Rettungsdienst und Rotes Kreuz standen bereit, am Ende musste laut Feuerwehrangaben lediglich eine Person mit leichten Verletzungen ambulant behandelt werden.
SDMGBehälter muss mit Wasser gekühlt werden
Den betroffenen Behälter brachten die Einsatzkräfte zunächst ins Freie. Feuerwehrleute in Chemikalienschutzanzügen kühlten ihn anschließend gezielt. Mit Unterstützung der Werkfeuerwehr Mercedes-Benz setzte die Feuerwehr den Behälter in eine Großmulde um, die mit Wasser geflutet wurde, um die Reaktion zu verlangsamen. Das Klärwerk der Stadt Herrenberg prüfte das anfallende Kühlwasser – eine Beeinträchtigung der Abwasseranlagen schlossen die Verantwortlichen aus.
Neben den Warn-App-Hinweisen an die Bevölkerung veranlasste die Behörde zusätzlich noch eine Räumung des Industriegebiets in einem Umkreis von rund 500 Metern. Messtrupps kontrollierten die Einsatzstelle und das weitere Umfeld, auch im Stadtgebiet Herrenberg sowie in der Gemeinde Ammerbuch im Landkreis Tübingen. Auffällige Messwerte gab es dabei nicht.
Rund 90 Feuerwehrleute über fünf Stunden im Einsatz
Nach rund fünf Stunden gaben die Einsatzkräfte Entwarnung. Von dem Stoff sei zu keiner Zeit eine akute Gefahr für die Bevölkerung ausgegangen, teilt die Feuerwehr mit. Im Einsatz waren rund 90 Feuerwehrleute mit 22 Fahrzeugen. Neben der Feuerwehr Herrenberg beteiligten sich der Chemiefachberater der Werkfeuerwehr Bosch, die Feuerwehr Nufringen, der Rettungsdienst, der DRK-Ortsverein Herrenberg und Deckenpfronn sowie die Polizei.
„Um 23 Uhr abends und heute um 8 Uhr waren wir noch einmal zur Nachkontrolle vor Ort und haben keine erhöhten Temperaturen und auch keine Rauch- oder Dampfentwicklung mehr feststellen können“, gibt Pressesprecher Tom Henschke am Freitagmorgen eine vollständige Entwarnung. Demnächst werde eine Fachfirma kommen, um das Kühlwasser zu entsorgen. Für die Feuerwehr wird wohl kein weiterer Einsatz mehr nötig sein, sagt Henschke.
Laut dem Pressesprecher handelte es sich „um einen der größten Umwelteinsätze“ der Feuerwehr Herrenberg in der letzten Zeit. Es war aber bei Weitem nicht der einzige. Erst Mitte April dieses Jahres mussten die Spezialkräfte der Wehr wegen eines Kühlmittelaustritts im Herrenberger Kaufland ausrücken, einen Monat zuvor hatte es an der Böblinger Eichendorffschule einen Großeinsatz wegen eines vermeintlichen Reizstoffaustritts gegeben.











