Historienschatz beim Schloss Dätzingen: Der Adelsfriedhof hat seine Würde zurück

Die Grabstätten auf dem Adelsfriedhof am Schloss Dätzingen geben nach der Restaurierung ein würdiges Bild ab.
Förderverein Schloss Dätzingen- Förderverein saniert den Adelsfriedhof am Schloss Dätzingen – würdiger Zustand wiederhergestellt.
- Grabmale litten unter Verwitterung und Vandalismus, viele Kreuze waren verloren gegangen.
- Hauptgrabmal von Graf Carl Ludwig Emanuel von Dillen war besonders kritisch beschädigt.
- Natursteinbetrieb Wanner restaurierte ab Mai, Abschluss vergangene Woche, Kosten rund 14.000 Euro.
- Im „Jagdstüble“ schützt Silverscreen-Gewebe die Panoramatapete „La chasse de Compiègne“, Kosten ca. 13.500 Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Von Moos überwucherte Grabsteine, durch Verwitterung unleserlich gewordene Inschriften, Steinkreuze, die zerbrochen auf dem Boden liegen: Der Adelsfriedhof in der Parkanlage des Dätzinger Schlosses hatte in den letzten Jahren kein sehr gutes Bild abgegeben. Aus der letzten Ruhestätte der Bülows, einem Uradelgeschlecht aus Mecklenburg, war ein „Lost Place“ geworden – ein verlorener und vom Verfall bedrohter Ort.
Der Förderverein Schloss Dätzingen mit dem Grafenauer Galeristen Kuno Schlichtenmaier als Vorsitzenden wollte diesem Verfall nicht länger zuschauen. Schließlich setzt sich der Verein schon seit Jahren mit großem bürgerschaftlichem Engagement für die Pflege des historischen Anwesens ein. Zuletzt stemmte der Förderverein gleich zwei wichtige denkmalpflegerische Maßnahmen.
Rettung des Adelsfriedhofs im Schlosspark
Das wohl dringlichste Projekt war dabei der historische Adelsfriedhof. Witterung und Vandalismus hatten den Grabmalen stark zugesetzt. „Besonders kritisch war der Zustand am Hauptgrabmal von Graf Carl Ludwig Emanuel von Dillen, dessen schwere Grabplatte einen tiefen Riss aufwies“, teilt der Vereinsvorsitzende Kuno Schlichtenmaier mit.
Ein Vergleich mit alten Dokumenten habe einen erschreckenden Verfall aufgezeigt, berichtet Schlichtenmaier. Mehr als die Hälfte der steinernen Grabkreuze war bereits verloren gegangen. Der Verein musste handeln und beauftragte den Naturstein-Meisterbetrieb Wanner aus Grafenau.

Der Adelsfriedhof in der Dätzinger Schlossanlage war zuletzt stark von Verwitterung und Vandalismus betroffen.
Stefanie Schlecht, ArchivIm Mai hatten die Arbeiten begonnen, in der vergangenen Woche waren sie abgeschlossen. Die 1953 gegründete Steinmetzfirma führte die konservatorischen Arbeiten fachgerecht aus. „Obwohl das Landesamt für Denkmalpflege die Maßnahme genehmigte, musste der Verein die rund 14.000 Euro Kosten ohne staatliche Förderung stemmen“, sagt Schlichtenmaier.
Der Nutzen für die Allgemeinheit gab jedoch den Ausschlag dafür, dass man diesen finanziellen Kraftakt stemmen wollte. „Durch diese Maßnahmen leistet der Förderverein einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die regionale Geschichte und das kulturelle Erbe von Schloss Dätzingen für kommende Generationen erlebbar bleiben“, erklärt der Vorsitzende.
Lichtschutz für die historische Panoramatapete
Ein weiteres historisches Kleinod, das zum Schloss Dätzingen gehört, befindet sich im sogenannten „Jagdstüble“. Bei diesem wertvollen Kunstschatz handelt es sich um die 1812 in Paris gefertigte Panoramatapete „La chasse de Compiègne“. Die 14 Meter lange Bildtapete aus napoleonischer Zeit schmückte einst das Schlafzimmer von König Friedrich I. von Württemberg. Nachdem sie zwischen 2019 und 2021 aufwendig restauriert wurde, ging es jetzt darum, dass sie dauerhaft vor schädlicher UV-Strahlung geschützt ist.

Ein Teil der historischen Tapete des Jägerzimmers im Schloss Dätzingen. Abgebildet sind Szenen einer Jagd im französische Compiègne.
Thomas Bischof/ArchivAuf Anraten des Landesamtes für Denkmalpflege installiert der Förderverein deshalb spezielle „Silverscreen-Gewebe“ an den Fenstern. „Diese reduzieren die Lichtbelastung um bis zu 85 Prozent, ermöglichen aber weiterhin den Blick nach draußen“, sagt Schlichtenmaier. „Damit ist der langfristige Erhalt der Farben und des empfindlichen Papiers gesichert.“
Die Investition für den Lichtschutz beläuft sich laut dem Verein auf etwa 13.500 Euro. „Ich würde sagen: mit überschaubaren Kosten ein großer Effekt“, meint Kuno Schlichtenmaier.

