Humor-Kolumne aus Böblingen: O trauriger Tannenbaum!

Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
imago stock&peopleIn den meisten Städten und Gemeinden stehen sie in der Adventszeit vor Rathäusern oder auf belebten Plätzen und versprühen vorweihnachtlichen Charme: stattliche, bunt geschmückte, festlich beleuchtete Weihnachtsbäume. Überdimensionale große rote Kugeln, goldene Sterne oder liebevoll gebastelter Christbaumschmuck zieren die oft prächtigen Tannen und bringen nicht nur Kinderaugen zum Strahlen. Allerdings nicht in Böblingen. Der Nadelbaum in der Bahnhofstraße ist besonders tagsüber ein trauriger Anblick. Es leuchtet nichts, es glitzert nichts, es funkelt nichts, er ist schlichtweg – trist.
Nun ist es nicht so, dass er von seiner Form her für seine Aufgabe schlecht geeignet gewesen wäre. Er ist groß und stattlich, seine Zweige hängen bis auf den Boden herab. Aber es fehlt der festliche Glanz. Seine Artgenossen präsentieren sich anderswo im Kreis in deutlich besserem Licht. In Herrenberg im Wald steht beispielsweise wohl eines der größten und schönsten Christbaumexemplare der Region. Mit einer Höhe von knapp 32 Metern und seinen über 200 Päckchen, 140 Christbaumkugeln und etwas mehr als 1200 Metern Lichterkette sorgt die Tanne für strahlende Kinderaugen. Und sogar mitten im Wald am Radschnellweg zwischen Böblingen und Rohr ist ein ansonsten unscheinbares Nadelbäumchen von einem anonymen Weihnachtsfan mit roten und goldenen Kugeln herausgeputzt worden.
Es gibt noch Hoffnung
So schön und liebevoll geschmückt zu sein und alle Blicke auf sich zu ziehen, davon kann der Nadelbaum in der Bahnhofstraße nur träumen. Es bleibt ihm zu wünschen, dass an Weihnachten wenigstens ein paar Schneeflocken ein bisschen Glitzer in sein dunkles Tannengewand bringen. Doch ein kleiner Trost bleibt. Ob krumm gewachsen, kahl oder einfach nur lieblos geschmückt: Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters – das gilt auch bei Weihnachtsbäumen.