IHK Böblingen: Sindelfingen ist der Top-Umschlagplatz im Kreis

Im Kreis Böblingen gibt es viel Geld, und der Sindelfinger Einzelhandel profitiert am meisten. Hier der Apple-Store im Breuningerland.
Edward Cheung/Eibner-PressefotoDie Einwohner des Landkreises Böblingen verfügen über die höchste Kaufkraft in der Region Stuttgart. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der IHK-Bezirkskammer Böblingen. Im Jahr 2026 beläuft sich die einzelhandelsrelevante Kaufkraft im Landkreis auf knapp 3,5 Milliarden Euro. Mit 8811 Euro pro Einwohner liegt der Kreis Böblingen in der Region Stuttgart auf Platz eins und bundesweit auf Rang 26 von 401 Stadt- und Landkreisen.
Die Kaufkraft liegt in nahezu allen 26 Städten und Gemeinden des Landkreises über dem Bundesdurchschnitt von 8190 Euro je Einwohner. Spitzenreiter ist Ehningen mit 9377 Euro pro Kopf, gefolgt von Grafenau und Nufringen.

Besonders an Weihnachten steigt die Kauflaune der Bürger beträchtlich, doch bedeutet das nicht automatisch höhere Umsätze im Einzelhandel.
Stefanie SchlechtEine hohe Kaufkraft bedeute jedoch nicht automatisch hohe Umsätze im örtlichen Handel. Viele Einzelhändler im Landkreis berichten von einer spürbaren Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Leerstände in Innenstädten und Ortskernen verdeutlichen die schwierige Situation. „Die Verunsicherung vieler Kunden führt dazu, dass Ausgaben verschoben oder ganz unterlassen werden. Das stellt vor allem auch inhabergeführte Betriebe vor große Herausforderungen“, so Marion Oker, die leitende Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Böblingen.
Trotzdem liegen auch die Umsätze der Einzelhändler über dem Durchschnitt: Wie die Industrie- und Handelskammer mitteilt, hätten die stationären Einzelhändler im Landkreis knapp 2,9 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.
Mit 7296 Euro Umsatz je Einwohner liegt der Landkreis gut zwei Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Innerhalb der Region Stuttgart wird dieser Wert lediglich von der Landeshauptstadt Stuttgart übertroffen. Auf kommunaler Ebene führt Sindelfingen das Ranking an. Der Einzelhandel erzielt dort rund 780 Millionen Euro Umsatz.
Auch bei den Pro-Kopf-Umsätzen liegt Sindelfingen mit 12.725 Euro deutlich vorn. Bei der sogenannten Zentralitätskennziffer, die Kaufkraft und Umsatz ins Verhältnis setzt, erreicht Sindelfingen ebenfalls den höchsten Wert im Landkreis.
Die Kennzahlen zeigen jedoch ein sehr unterschiedliches Bild: Während einige Kommunen Kaufkraft von außerhalb anziehen, verlieren andere einen erheblichen Teil der Nachfrage an benachbarte Zentren und den Online-Handel. Besonders in Aidlingen und Magstadt wird nur ein vergleichsweise geringer Teil der vor Ort vorhandenen Kaufkraft im eigenen Einzelhandel gebunden.
Der Zehn-Jahres-Vergleich zeigt, dass die einzelhandelsrelevante Kaufkraft im Landkreis seit 2016 zwar gestiegen ist, sich aber schlechter entwickelt hat als im Durchschnitt Deutschlands. Auch die Umsätze wuchsen, entwickelten sich aber wiederum schlechter als im Bundesdurchschnitt.
Das Fazit der IHK: „Die hohe Kaufkraft im Landkreis bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für den Einzelhandel. Entscheidend ist jedoch, dass dieses Potenzial auch vor Ort genutzt wird. Dafür müssen alle Beteiligten gemeinsam an attraktiven und lebendigen Innenstädten arbeiten“, sagt Marion Oker.
