Irish Pub in Böblingen: Seit 30 Jahren fließt im O’Donovans das Guinness

Ryan Nee ist seit Anfang des Jahres Inhaber des O’Donovoans in Böblingen.
Eibner/Andreas UlmerAls Rathaus des Künstlerviertels könnte man das O’Donovans in Böblingen beinahe bezeichnen: Die letzte Autorität in einer Straße, in der sonst nur noch wenig los ist.
O’Donovoans Irish Pub in Böblingen feiert im September sein 30-jähriges Bestehen. Dass die irische Kultkneipe so lange überlebt hat, ist im verlassenen Böblinger Künstlerviertel ein halbes Wunder.
Wer heute durch die Breite Gasse geht, der sieht nur noch die Überbleibsel einer einst brummenden Partyszene. „Es ist schon recht ruhig geworden hier“, sagt der Pub-Inhaber Ryan Nee mit irischen Wurzeln. Zwar habe nebenan gerade ein neues Geschäft aufgemacht, doch der Irish Pub steht als Kneipe relativ verlassen in der Straße.
Kneipen profitieren voneinander
Die Mitarbeitenden des Irish Pub würde es deshalb freuen, wenn eine weitere Bar in dem Viertel aufmachen würde. Die Kneipen würden voneinander profitieren, wenn sie nahe beieinander liegen, sagt der 34-jährige Pub-Besitzer. Zwischen den Bars herrsche kein Konkurrenzgedanke, im Gegenteil: „Wir profitieren voneinander, indem die Leute von einem Ort zum nächsten ziehen“, erklärt er. Damit die Gäste die Bar wechseln, müssten sie allerdings nahe beieinander liegen. Bei langen Fußwegen würden viele aufgeben, sagt er.
Seit acht Monaten führt der Schönaicher den Pub in der Breiten Gasse. Der Übergang zwischen den Besitzern war fließend: Nachdem er vierzehn Jahre in Irland gelebt hatte, kehrte Ryan Nee nach dem Tod seines Vaters im vergangenen Jahr in den Kreis Böblingen zurück. Bereits einen Monat später begann er im Irish Pub zu arbeiten, den damals noch Sinéad O’Leary und ihre Geschäftspartnerin Yvonne Morgenthaler führten. Die Freundschaften zwischen den Iren bestand bereits seit Jahrzehnten. Ryan Nees Vater sprang oft für Klempner- oder Bauarbeiten in dem Pub ein. Denn neben dem irischstämmigen Personal hinter der Theke, ist sogar das Mobiliar von der grünen Insel. Vor acht Jahren fanden nämlich Stühle ihren Weg von Irland nach Deutschland in einem Lkw von Ryan Nees Vater. Durch Zufall und die alte Bekanntschaft landeten die Sitzgelegenheiten dann im Irish Pub. Einst importiert vom Vater, durch die Barübernahme jetzt im Besitz des Sohnes: Ein Stuhlkreis schließt sich sozusagen. Vielleicht ein Grund für das lange Bestehen der Bar: Ein Ire – oder eine Irin – serviert irisches Guinness, während man auf einem irischen Stuhl sitzt – echt irre!
Mit dem O’Donovans hat Ryan das Gefühl ein Stück irische Ausgeh-Kultur in Böblingen zu erhalten – trotz der irischen Stühle. Klingt erst mal widersprüchlich, aber in Deutschland gebe es in Pubs definitiv mehr Stühle als in Irland. Dort gehe man nämlich in einen Pub und trinke sein Bier im Stehen. Doch der soziale Aspekt eines irischen Pubs ist auch in Böblingen wohlauf: Dort kommen Fremde ins Gespräch und Freundschaften entstehen über einem gemeinsamen Bier. „Es ist ein Pub, in dem sich Leute unterhalten und vergessen, dass sie ein Handy haben“, sagt Ryan Nee.
Nach sechs Monaten war Ryan Nee der neue Inhaber des Pubs
Nur wenige Monate nachdem Nee den Job in dem Pub angenommen hatte, hatten sich die Rollen im Team bereits gedreht: Der Schönaicher ist nun Inhaber, und die frühere Besitzerin Sinéad O’Leary hilft als Mitarbeiterin noch hinter der Bar aus. Viele Gäste sehen also immer noch die gleichen Gesichter, nur eben in anderen Konstellationen. Ryan Nee ist froh, dass seine ehemalige Chefin immer noch Teil des Teams ist. „Das erste Jahr ist immer ein Lernjahr“, erzählt er. Wie viel muss eingekauft werden? Mit wie vielen Gästen muss während des Böblinger Stadtfests gerechnet werden? Fragen, die die ehemalige Besitzerin Sinéad O’Leary nach 24 Jahren als Chefin des Pubs ohne Probleme beantworten kann. Mittlerweile hat allerdings auch Ryan Nee den Dreh raus: Die Abrechnung und Einkäufe beherrscht er aus dem Effeff.
Am Samstag, 21. September, wird im Irish Pub Jubiläum gefeiert
Für das 30-jährige Bestehen des Pubs steht am Samstag, 21. September, einiges auf dem Programm. Ab 18 Uhr geht es los: Es gibt Irish Stew und die Country- und Rock-Coverband Kakerlakies wird spielen. Kleine Giveaways soll es ebenfalls geben. „Dann kann jeder was mit nach Hause nehmen“, sagt Ryan Nee, der inzwischen vierte Besitzer der Kneipe. Dem neuen Inhaber entgeht nicht die Ironie, dass er 30-Jahre O’Donovans feiern darf, selbst aber erst rund ein Jahr mit von der Partie ist. Ein Pub, beinahe so alt wie er selbst.
Doch noch heute leben die Überbleibsel vergangener Inhaber weiter: Ob es nun der Name des Pubs ist oder alte Telefonnummern. Die heutige Festnetznummer von O’Donovans läuft nämlich beispielsweise noch auf den Namen des zweiten Besitzers, der laut Erzählungen nach nur kurzer Zeit untergetaucht war. Leider lasse sich die Nummer ohne den Mann persönlich nicht ändern, weshalb seit Jahrzehnten die Rechnung unter diesem Namen laufe, erzählt Nee. Damit haben sich alle abgefunden – ist schließlich auch Teil der O’Donovans Pub-Geschichte.
Das Künstlerviertel
Jubiläum
O’Donovans feiert am Samstag, 21. September, ab 18 Uhr sein 30-jähriges Bestehen. Die Country- und Rock-Coverband The Kakerlakies wird an diesem Abend spielen, außerdem soll es kulinarische Überraschungen geben.
Künstlerviertel
Das Areal an der Breiten Gasse mit O’Donovans, La Femme oder Belle Epoque war in den 1980er- und 1990er Jahren ein Szene-Treffpunkt Böblingens. Aber auch an anderen Orten hatte die Stadt phasenweise viel zu bieten. Beliebte Disco-Kneipe war das Krokodil am Busbahnhof, direkt um die Ecke wurde im ehemaligen Schönbuchsaal wild gefeiert: ob zum Beispiel im 12 Inch in den 1980er-Jahren oder im Temple, dem Red Cage und dem B30 danach. 2012 erfolgte der Abriss.