Kirchenfusion in Leonberg: Wenn ein eigener Pfarrer zum Luxusgut wird

Auf die Leonberger Dekanin Gabriele Waldbauer kommen harte Zeiten zu.
Simon GranvilleNicht zu beneiden ist die Synode des evangelischen Kirchenbezirks Leonberg, die sich jetzt konstituiert hat. Die 51 Synodalen unter dem Vorsitz von Dekanin Gabriele Waldbaur und dem wiedergewählten Vorsitzenden Jürgen Vogel werden in den nächsten sechs Jahren ihrer Amtszeit mehrere Beschlüsse fassen müssen, die die seit 1809 geltenden Strukturen im Dekanat Leonberg grundlegend verändern werden.
Wie eine Kirchengemeinde durch den gewählten Kirchengemeinderat repräsentiert und geleitet wird, so wird dies der Kirchenbezirk durch die Bezirkssynode. Sie ist das oberste Gremium im Kirchenbezirk und das Kirchenparlament, in das jede Gemeinde neben Pfarrerin oder Pfarrer gewählte Vertreter entsendet. Sie verabschiedet den Haushalt und entscheidet über Strukturfragen und die inhaltliche Ausrichtung des Bezirks.
Zudem wählt sie den Dekan, den Kirchenbezirksausschuss (KBA) und die Landessynodalen. In Leonberg leitet die Bezirkssynode zusammen mit der Dekanin und dem KBA den Kirchenbezirk. Da die Synode in der Regel nur zweimal im Jahr tagt, übernimmt der KBA als kleineres Gremium die laufenden Geschäfte zwischen den Tagungen.
Nachdem in der aktuellen Synode etwa die Hälfte der Mitglieder neu sind, wurde es notwendig, den KBA mit Pfarrern und Nichttheologen neu zu besetzen. Für die Gesamtstadt Leonberg wurden Pfarrer Jochen Haas sowie Sabine Kurtz und Frank Rößger gewählt. Für den Bereich Renningen und Weil der Stadt sind Pfarrerin Regine Gruber-Drexler sowie Wolfgang Fauth und Ute Mayer dabei. Und für das Gebiet Friolzheim, Heimsheim, Mönsheim, Rutesheim, Weissach und Wimsheim wurden Pfarrer Martin Grauer sowie Susanne Herrmann und Thomas Schradi bestimmt.
Das Superdekanat hat nach der Fusion mehr als 100 000 Mitglieder
Der KBA bereitet die Verhandlungen der Bezirkssynode vor, sorgt für die Ausführung ihrer Beschlüsse, er unterstützt die Dekanin auf ihren Wunsch, wenn Misshelligkeiten zwischen Geistlichen und Gemeinden beigelegt werden sollen. Zudem führt er die Dienstaufsicht über Mitarbeitende des Kirchenbezirks. Der KBA ist für den Haushalt des Kirchenbezirks zuständig und verwaltet dessen Vermögen.
Die wohl größte Strukturreform, die die Bezirkssynode angehen muss, ist die vom Oberkirchenrat angestoßene Zusammenlegung der drei Dekanate Leonberg (etwa 35 000 Gemeindeglieder), Böblingen (fast 50 000) und Herrenberg (etwa 33 000) zu einem Superdekanat.
Bis Mai 2028 muss das Fusionsgesetz ins Kollegium des Oberkirchenrates eingebracht und im Sommer 2028 der Landessynode vorgelegt werden, damit diese es berät. Billigen im Herbst 2028 die Landessynodalen das Gesetz, kann zum 1. Januar 2029 die neue Struktur in Kraft treten.
Der Kirche gehören viele Gebäude – und die wollen in Schuss gehalten werden
Nicht weniger herausfordernd für die Bezirkssynode ist das Thema Immobilien. Landesweit verfügen Kirchengemeinden und -bezirke über zahlreiche Gebäude, deren Unterhalt viel Geld kostet. Ein Datenbestand gibt nun Auskunft über Bauzustand, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz der Gebäude. Zudem erfolgt die Gebäudebewertung anhand fest definierter Bauteile von der Heizung bis zum Kirchturm.

Auch das ist Kirche: Faschingsgottesdienst in der Michaelskirche.
Foto: Simon GranvilleLangfristig können nicht mehr alle Gebäude erhalten werden – einerseits, weil nicht mehr alle Gebäude und Räume benötigt werden, und andererseits, weil der dauerhafte Erhalt und eine energetische Sanierung unwirtschaftlich sind.
Nicht weniger einschneidend in die Struktur der kirchlichen Landschaft im Kirchenbezirk Leonberg ist der sogenannte Pfarrplan 2030, den die Bezirkssynode auch umsetzen muss. Den Luxus einer eigenen Pfarrerin oder eines eigenen Pfarrers können sich die Kirchengemeinden in Zukunft nicht mehr leisten, denn in der Württembergischen Landeskirche fallen bis zum Ende der Dekade rund 28 Prozent der Pfarrstellen weg. In den Gemeinden läuft das auf Stellenstreichungen und Fusionen hinaus.