Konzert von Nino D’Angelo in Böblingen: Wenn die italienische Seele bebt

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Stuttgarter ZeitungKaum ein Sänger bewegt die italienische Seele so sehr wie Nino D’Angelo – nicht zu verwechseln mit Nino de Angelo, der 1983 mit „Jenseits von Eden“ die deutschen Charts stürmte. Der 67-jährige Neapolitaner D’Angelo ist ein Multitalent: Sänger, Songwriter, Schauspieler, Komponist, Drehbuchautor. Und er versetzt seine 1700 restlos begeisterten Fans im rappelvollen Europa-Saal in der Böblinger Kongresshalle schier in Ekstase. Immer wieder skandieren sie lautstark „Nino, Nino!“
Bei seiner Europatournee „I miei meravigliosi anni ’80 …e non solo“ feiert D’Angelo eine faszinierende Achtzigerjahre-Party mit Songs, die in die Herzen mehrerer Generationen eingedrungen sind. So geht es auch Alessandra Cali, die in Holzgerlingen wohnt. „Mit seinen Filmen und seinen romantischen Liedern bin ich aufgewachsen“, sagt sie und schwelgt „in wunderbaren Erinnerungen.“ Wie viele andere kennt sie „alle Lieder in- und auswendig“.
Zum Konzert gekommen ist sie natürlich nicht allein. Im Schlepptau hat die Holzgerlingerin sage und schreibe 14 Personen, „darunter auch Tante und Cousine, die extra aus Frankfurt angereist sind.“
Wie der „Hahn im Korb“ fühlt sich dagegen Raphaele Manzo, der 2001 in Holzgerlingen heimisch wurde. „Vor fast 45 Jahren war ich bei meinem ersten Nino-Konzert“, sagt er und kann selbst kaum glauben, dass er schon so lange ein „treuer Anhänger“ ist.
Nino D’Angelo plaudert vor dem Konzert aus dem Nähkästchen
Während die Vorfreude bei den Fans im Foyer förmlich mit Händen zu greifen ist, sitzt der Hauptakteur des Abends vor dem Konzert einige Meter weiter in einer kahlen und recht trist wirkenden Garderobe. „In Böblingen bin ich noch nie aufgetreten“, erzählt der 67-Jährige ganz entspannt, obwohl seine Show in gut einer halben Stunde beginnt. Kurz kramt er in seinem Gedächtnis. „In Sindelfingen dafür schon, 1986 müsste es gewesen sein.“

D’Angelo gilt als Held Neapels.
Foto: Eibner/Roger BuerkeAuf seine Karriere angesprochen, plaudert der Italiener aus dem Nähkästchen. „Jeder meiner Songs, der erste stammt aus dem Jahr 1976, ist mein Favorit“, lacht D’Angelo und tauscht wenig später seinen Jogginganzug gegen einen schmucken, weißen Anzug.
Im Europa-Saal wird es derweil immer lauter und voller. Mitten im Getümmel: Vito Castiglione, zu dessen italienischem Lebensgefühl nicht nur die Songs von Nino D’Angelo gehören, sondern auch die Vespa. Nicht weniger als 26 Kult-Roller nennt er sein eigen. „Wir besuchen oft Konzerte von ihm“, sagt Castiglione und meint mit wir sich selbst und seine sechs Kumpels vom Vespa Klub Baden-Württemberg aus Schwaigern (Kreis Heilbronn). Sie sind eine der wenigen Männergruppen an diesem Abend. Der Lieblingshit des Klub-Bosses ist „Popcorn und Chips“. Der Titel gehört zu dem gleichnamigen Film und erzählt von sorgloser Liebe.
Immer wieder brandet Szenenapplaus im Europa-Saal auf
Und dann ist er da, der legendäre Nino D’Angelo. Einmal auf der Bühne, ist er von der ersten Sekunde an mit den Besuchern auf du und du. Unzählige Male sagt er artig „Grazie“. Nimmt sich während seiner gut zweistündigen Show immer wieder Zeit für Selfies, einen Händedruck und innige Umarmungen. Seine Mimik und Gestik: grandios. Seine Herzlichkeit: echt. Unvergessene Momente für seine Fans.
Sie gehen begeistert mit, wenn der Entertainer nach bestem Fischerschen Vorbild „atemlos“ und leichtfüßig wie ein Zwanzigjähriger auf der Bühne tanzt. Gekonnt in die Tasten des Klaviers greift, seine Fans damit in Ekstase versetzt. Immer und immer wieder brandet Szenenapplaus auf. Eine einzigartige Gänsehaut-Atmosphäre kommt auf, als der 67-Jährige sein Publikum als sehr textsicheres, riesiges Gesangsensemble dirigiert. Nicht nur da hat der Entertainer Tränen der Freude und des Stolzes in den Augen.
Verdammt viele Emotionen und Leidenschaft sind bei allen seinen Titeln dabei. Wie beispielsweise bei „A’Discoteca“, der italienischen Disco-Hymne der 1980er Jahre. Jedes Lied berührt die Fans. „Was für Fußballfans ein gewisser Messi ist, das ist für jeden Neapolitaner unser Nino“, sagt beispielsweise Zuhörer Daniele Cutugno mit einem Funkeln in den Augen. „Er ist unser Idol, eine Legende.“
Selfies, Umarmungen und Küsschen für die Fans

Foto mit Fans nach dem Konzert
Foto: Rommel„Nino’s Vielseitigkeit ist einzigartig“, fügt Cutugno hinzu und erzählt, dass seine Mutter aus demselben neapolitanischen Viertel stammt wie der Vollblut-Künstler D’Angelo. Und er verrät noch ein Geheimnis: Bei einem Konzert in Esslingen habe Nino D’Angelo Daniele Cutugno und seine Begleiter Alberto Nerino und Carmine Solimine zu „Edelfans“ gekürt. Wie er selbst sagt.
„Noch besser als erwartet, das war mega“, spricht Fan Vito Castiglione allen Besuchern nach dem Konzert aus der Seele. „Emotionaler geht es nicht.“ Oder doch? Knapp eine halbe Stunde nimmt sich der Sänger nach dem Konzert die Zeit, um mit Fans ein Selfie, bei dem er ganz ungeniert seine Anhänger herzlich drückt und mitunter auch küsst, zu schießen. Ein Star zum Anfassen eben.
Zur Person
Jugend
Nino D’Angelo wird im Jahr 1957 in Neapel geboren. Vor seiner Musikkarriere arbeitet er unter anderem als Schuhputzer und als Eisverkäufer.
Karriere
Seine musikalische Karriere beginnt als Sänger auf Hochzeiten und bei anderen Festen. Zu seinen bekanntesten Songs gehören „Senza giacca e cravatta“ und „Nu jeans e na maglietta“. Viele Neapolitaner sehen in ihm eine Art Volksheld, auch weil er die Hymne „Forza Napoli“, die er dem Fußballverein SSC Napoli widmet, schuf. D’Angelo tritt in vielen Filmen auch als Schauspieler in Erscheinung.