Kultusministerin in Leonberg: Neues Sprachprojekt bringt schon die Kleinsten zusammen

Mit bunten Plakaten wird die Kultusministerin Theresa Schopper begrüßt.
S. GranvilleDer Schulhof der Mörikeschule in Leonberg ist an diesem Morgen besonders lebendig. Die Kinder schwenken Plakate mit bunten Flaggen und Begrüßungen auf Albanisch, Türkisch, Kurdisch oder Bosnisch: Përshëndetje, Merhaba, Bi xêr hatî, Zdravo. Anlass für die bunte Begrüßung ist der Besuch von Kultusministerin Theresa Schopper. Sie ist gekommen, um das neue Sprachförderprogramm „SprachFit“ dort zu erleben, wo es wirken soll – im direkten Kontakt mit Kindern, Lehrerinnen und Erziehern. „Für uns ist Sprache wichtig, auch, damit wir Freundschaften knüpfen können“, sagt eine Drittklässlerin. Ein Satz, der deutlich macht, worum es bei Sprachförderung wirklich geht: um Teilhabe, Gemeinschaft und gleiche Möglichkeiten für alle.
Die Mörikeschule ist eine Schule, in der viele Sprachen zu Hause sind. Was alle verbinden soll, ist die gemeinsame Sprache Deutsch. Damit jedes Kind diese Sprache sicher beherrscht, ist gezielte Förderung wichtig – besonders für jene, die mit anderen sprachlichen Voraussetzungen starten. „Wir möchten die Kinder dort abholen wo sie stehen und ihnen den besten Start ermöglichen“, so die Direktorin der Mörikeschule, Ebru Gelec.
Früh beginnen, langfristig fördern
Mit dem landesweiten Konzept „SprachFit“ wollen Grüne und CDU den Grundstein für bessere Bildungschancen legen. Motiviert dazu hätten ihr Ministerium nicht zuletzt die schlechten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2022, der zeigte, dass 40 Prozent der Grundschulkinder im Land in Klasse vier nicht die Regelstandards erreichen. Ab dem Schuljahr 2024/25 ist das Programm an rund 200 Standorten in Baden-Württemberg gestartet, getragen von Mitteln aus dem Fördertopf „Schulreifes Kind“. Ab 2025/26 ist ein flächendeckender Ausbau geplant. Ziel ist es, Sprachdefizite bereits im Vorschulalter zu erkennen und gezielt zu fördern, um sicherzustellen, dass alle Kinder mit ausreichender Sprachkompetenz eingeschult werden können. „Sprache ist der Schlüssel zu Bildung und Teilhabe“, betont Kultusministerin Schopper. „Mit SprachFit setzen wir früh an und schaffen ein verbindliches, nachhaltiges Angebot von der Kita bis in die Grundschule.“

Die Kinder lernen Deutsch spielerisch.
Foto: Simon GranvilleLeonberg als Modellstandort
Die Mörikeschule in Leonberg zählt zu einer der ersten Einrichtungen im Land, die das neue Programm umgesetzt haben. In enger Zusammenarbeit mit drei Kindertageseinrichtungen – dem Fröbel-Kindergarten, dem Oberlin-Haus und dem Martha-Johanna-Haus – besuchen Lehrkräfte regelmäßig die Kitas. Zweimal pro Woche gehen sie für jeweils zwei Stunden in die Einrichtungen, um sprachliche Grundlagen zu fördern.
Heute ist jedoch alles anders: Die Kinder sind nicht in ihren Kitas, sondern ausnahmsweise in der Schule – der Besuch der Kultusministerin bringt das Projekt ins Rampenlicht. Im Alltag findet die Förderung aber weiterhin direkt vor Ort in den Kitas statt. Auch Schulleiterin Ebru Gelec unterstreicht die Bedeutung der Kooperation: „Das Programm lebt von der engen Zusammenarbeit zwischen Kita und Schule. Nur so kann es gelingen, sprachliche Bildung nahtlos und wirksam zu gestalten.“
Ein Anfang mit Signalwirkung
Mit „SprachFit“ will das Land nicht nur die sprachliche Förderung verbessern, sondern auch einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten. Denn Kinder mit sprachlichen Startnachteilen sollen künftig nicht mehr zurückbleiben, sondern gezielt unterstützt werden. Die Mörikeschule zeigt bereits heute, wie das gelingen kann – mit viel Engagement, guter Vernetzung und einem offenen Blick für die Vielfalt der Sprachen.