Landesjazzpreisträger in Aktion: Jazz in Sindelfingen: Magnus Mehl zeigt, dass er ein brillanter Saxofonist ist

Sängerin Laureen Moro glänzte besonders beim Latin Groove.
Stefanie SchlechtMiles Davis und Bigband, das ginge eigentlich nicht zusammen, ließ STB Big Band-Leader Magnus Mehl am Samstagabend zu Beginn des Konzerts im Rahmen der Jazztage wissen. Schließlich war die stilprägende Trompeten-Koryphäe, die in diesem Jahr 100 geworden wäre, nicht unbedingt für das Musizieren in größeren Formationen bekannt. Da Mehl auch Teil der Festival-Band ist, die zum Hundertsten zusammenfand, lag es dennoch auf der Hand, diesen Abend mit der 18-köpfigen Bigband und dem Festival Quintett zu verbinden.
Dieses hatte bereits eine Woche zuvor den Württemberg Saal der Böblinger Kongresshalle bis auf den letzten Platz gefüllt; allerdings mit einer Stückauswahl aus Davis‘ akustischer Epoche in den 60er Jahren. In der Stadthalle war dann der „Electric Miles“ ab den 70ern dran. Davis war 1964 in Sindelfingen und 1971 in Böblingen zu Gast; Grund genug, seine Werke anlässlich des Jubiläums an diesen Orten wieder aufleben zu lassen.
Die Sindelfinger Jazztage gehen zu Ende
Doch zunächst erschien die STB Big Band auf der Bühne, um mit Count Basie, einem typischen Bigband-Komponisten, den Abend zu eröffnen. Gastsängerin Laureen Moro bewies in „Almost Like Being In Love“ die Qualität ihrer bestechenden Stimme. „I wish You Love“ und weitere Klassiker für Stimme und Bigband sollten folgen, inklusive ein Latin Groove, bei dem Moro besonders glänzte. Und schließlich dann doch noch ein Miles Davis: „All Blues“ aus dem legendären „Kind Of Blue“- Album, von Peter Herbolzheimer für Bigband arrangiert.

Die STB Big Band eröffnete den Abend mit Count Basie.
Foto: Stefanie SchlechtAls Solisten der Bläser-Sections taten sich Sven Fisch (Trompete) sowie die Saxofonisten Oliver Guhl, Alexander Förschner und Roman Ording besonders hervor, dasselbe gilt auch für Christian Klemme (Posaune). Die anspruchsvollen Stücke wurden solide getragen von der Rhythmusgruppe mit dem Schlagzeuger Ralf Püpcke, dem Bassisten Dietmar Lang sowie Claus Regelmann (Gitarre) und Gunter Maag (Piano).
Eine Zugabe konnte nicht gegeben werden, da die Festival-Band bereits mit den Hufen scharrte. Mehl vertröstete allerdings das Publikum, dass am Ende des Abends noch etwas zu erwarten sei.
Landesjazzpreisträger Magnus Mehl beeindruckt das Publikum
Nach Christoph Wagners Anmoderation der zweiten Halbzeit mit wissenswerten musikgeschichtlichen Details, durften Tilman Jäger (Stage Piano und Flügel), Ralf Hesse (Trompete), Yaron Stavi (E-Bass), Ferenc Mehl (Schlagzeug) und dessen Bruder Magnus (Altsaxofon) endlich starten. Cyndi Lauper’s „Time After Time“ hatte Miles Davis 1985 aufgenommen, es diente als Auftakt für fünf weitere Stücke aus der „electric Ära“, wie „Tutu“, „Eighty One“, „Jean Pierre“, „Human Nature“ und „Four“. Im Gegensatz zum Kongresshallenkonzert mutete es ziemlich außergewöhnlich an, Jäger am Nord Stage 2-Piano sitzen zu sehen und Stavi mit umgehängtem E-Bass. Beide hatten jedoch sichtlich Freude daran, mit den elektrischen Möglichkeiten ihrer Instrumente zu spielen und sich in Modal-, Cool- und Fusion Jazz zu suhlen – Jazz-Genres, die den Interpreten viel Freiheit lassen.
Besonders Magnus Mehl, der Landesjazzpreisträger 2015, zeigte einmal mehr, welch brillanter Saxofonist er ist. Nach den äußerst gelungenen Vorträgen des Quintetts gab’s noch mal versprochene „volle Kapelle“ zusammen mit der STB Big Band und dem Jaco Pastorius Stück „Chicken“.
Ein wilder Hühnerhaufen war das gewiss nicht, der den bunten Abend genüsslich beendete. Die Protagonisten boten das, was guten Jazz ausmacht: Improvisation, Spielfreude und Lust auf mehr.