Leonberg
: Ein Rapper, der seiner Ärztin immer hinterher reist

Eine Begegnung im Krankenhaus: Der polyglotte Musikproduzent Kader Kesek vertraut in der Heilkunst nur Barbara John. Dafür kommt er selbst von L.A. nach Leonberg.
Von
Thomas Slotwinski
Stuttgart
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Die Ärztin und ihr weit gereister Patient: Barbara John und Kader Kesek

Slotwinski

Leonberg - Ein Hauch von internationalem Showbusiness im Leonberger Krankenhaus. . .Gibt’s nicht? Gibt es doch! Kader Kesek, ein weltweit aktiver Musikproduzent, der seit mehr als 15 Jahren auch mit Peter Maffay zusammenarbeitet, war bis Karfreitag Patient in der Inneren Klinik. Mit gutem Grund: Der deutsch-türkische Rapper muss sich regelmäßig im Magen-Darmbereich behandeln lassen und traut nur einer einzigen Medizinerin: Barbara John. Egal wo sie gerade aktiv ist – der Musiker reist ihr hinterher. Jetzt also nach Leonberg. Direkt von Los Angeles. Für eine Behandlung bei seiner Ärztin des Vertrauens ist Kesek kein Weg zu weit. Die Geschichte des musikalischen Weltenbummlers, der seine Arbeit stets politisch sieht, ist so bemerkenswert, dass ihr die komplette Kolumne gewidmet sei. Quasi als besonderes Osterei.

Der Patient ziert sich ein wenig, als seine Ärztin den Besuch von der Leonberger Kreiszeitung ankündigt. „Ich bin noch nicht geduscht“, sagt er und bittet um zehn Minuten Aufschub. Kein Problem: Die Chefärztin zeigt dem Gast von der Presse unterdessen stolz ihre Abteilung, in der vieles umgestaltet wurde und in der reger Patientenbetrieb herrscht.

Für Peter Maffay hat er viel komponiert

Dann steht er da, mit Rapper-Mütze und im Gitarren-T-Shirt. Wie ein leidender Patient will Kader Kesek nicht aussehen. Dabei hat er die Betreuung Barbara Johns dringend nötig. Und nimmt sie auch ganz bewusst an: „Mein Leben ist sehr bunt. Da sind solche Einschnitte wichtig, um sich selbst zu finden.“ Gefunden haben sich der Musiker und seine Ärztin durch einen Krankengymnasten, den sie beide kennen. Bei ihm suchte Kesek bisweilen Linderung seiner Rückenschmerzen, die der Tourneestress bei ihm hervorrief. Und fand so in Barbara John eine medizinische Vertrauensperson, zu er Kontakt hält, egal in welche Ecke der Welt ihn seine Musik verschlägt.

Von denen kennt Kader Kesek fast alle. „Ich fühle mich wohl, wenn ich im Flugzeug sitze“, erzählt der Deutsch-Türke, der sich in seiner Frankfurter Heimat tatsächlich zuhause fühlt, aber für die vielen Eindrücke lebt, die ihm seine internationalen Tourneen ermöglichen. Es gibt wenig, was Kesek noch nicht gemacht hat. Natürlich, die Arbeit mit Peter Maffay. Als erster Rapper stand er in „Tabaluga & Lilli“ auf der Bühne. Er war der „Kratermann“, schrieb Bühnenshows und Stücke für den prominenten Rocker, darunter einen seiner größten Hits, „Glaub’ an mich“.

Sein Herz gehört der interkulturellen Arbeit

Noch wichtiger sind ihm seine Projekte mit Musikern aus aller Herren Länder. Gerade in der islamischen Welt will er den dortigen Künstlern Brücken zur westlichen Kultur bauen und ihnen Mut machen. Grenzenlos ist für Kesek auch die Religion. In seiner Kindheit singt der moslemische Junge in einem katholischen Kirchenchor. Heute sagt er: Es gibt nur einen Gott. So spielen für ihn Herkunft und Glaube seiner musikalischen Partner keine Rolle. Im Gegenteil: Je bunter, desto besser! Richtig begeistert ist er von der Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Rapper und Motorradbauer Trevelen Rabanal, der George Clooney, Brad Pitt oder Bill Clinton zu seinen Kunden zählt. Kesek produziert in L.A. eine Show mit dem Motorrad-Freak, in der der „Chopper des Jahres“ gebaut wird. Der Erlös wird in Prothesen für kriegsverletzte Kinder investiert.

Der soziale Aspekt ist ihm wichtig. „Bei meinen Projekten geht es nicht um Geld. Das verdiene ich beim Club Aldiana.“ Für den Ferienkonzern hat er eine Club-Hymne komponiert. Doch solche Aufträge sieht er als reinen Broterwerb. Seiner interkulturellen Arbeit hingegen gehört sein Herz: „Am Ende geht es um Nächstenliebe.“ Eine Haltung, die er auch seiner Ärztin attestiert, der er immer hinterher reist.

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