Leonpalooza vor dem Aus
: ClockClock macht in Leonberg Stimmung – Aber der Veranstalter ist frustriert

Trotz gelungener Show von ClockClock zieht Veranstalter PM Event ein bitteres Fazit. Hat das Festival in Leonberg noch eine Zukunft?
Von
Laura Wallenfels
Stuttgart
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Frontmann Bojan Kalajdzic macht Stimmung im Leonberger Stadtpark.

Romy Schach

Von überall her kamen sie: Kennzeichen aus Köln, Konstanz, Nürnberg, Böblingen und Ludwigsburg füllen am Samstagabend den Parkplatz vor der Leonberger Stadthalle. Trotz angekündigten Regens zieht es zahlreiche Musikfans zum Festival „Leonpalooza“, denn dort wartet ein echtes Highlight. Die Band ClockClock soll den Abend krönen.

Das Festivalgelände im Leonberger Stadtpark ist überschaubar – es ist klein, aber gemütlich. Und wenn man ehrlich ist, hat ein kleineres Gelände auch irgendwie etwas Exklusives. Selten ist man den Künstlern und Künstlerinnnen so nah. Wer schon einmal bei der namensgebenden großen Schwester, dem „Lollapalooza“ war, weiß, wie weit entfernt man dort oft von der Bühne steht – und wie sehr man auf die großen Bildschirme angewiesen ist, wenn man nicht schon Stunden vorher seinen Platz in einer der vorderen Reihe sichert. In Leonberg hingegen ist man mittendrin, statt nur dabei. Laut Veranstalter Bäuerle sind an diesem Abend rund 1000 Leute gekommen, mit Abstand das meistverkaufte Konzert der Festivalreihe.

ClockClock bringt Energie

Kurz nach 20 Uhr ist der Moment da, auf den viele gewartet hatten: Die sechsköpfige Band ClockClock betritt die Bühne und legt sofort mit voller Wucht los. Im Zentrum des Geschehens: Frontmann Bojan Kalajdzic, Spitzname Boki, dessen Energie und Ausstrahlung das Publikum sofort mitreißt. Die Geschichte von ClockClock beginnt vor fast acht Jahren: Die beiden Produzenten Produzenten Mark Vonsin und Fabian „Feezy“ Fieser kennen sich bereits seit der Schule, den aus Speyer stammenden Sänger Bojan lernten sie 2016 bei einer Jam-Session kennen. Seitdem ist das Trio unzertrennlich und hat sich für ihren Bandnamen ClockClock von dem Geräusch zweier Klanghölzer, die man aufeinanderschlägt, inspirieren lassen. Mit auf der Bühne stehen in Leonberg drei weitere Musiker an Gitarre, Piano und Schlagzeug.

Publikumslieblinge: Auch für ein Foto mit den Fans ist genug Zeit.

Foto: Romy Schach

„Wisst ihr, eigentlich wollte ich mal Lehrer werden. Deswegen kann ich auch so gut vorne stehen und labern“, sagte Bojan mit einem Grinsen ins Mikrofon. Doch schnell wurde klar: Dieser Mann gehört nicht ins Klassenzimmer, sondern auf die Konzertbühnen. Mit seiner sympathischen Art, seinem Gespür fürs Publikum und seiner kraftvollen Stimme sorgte er für einen mitreißenden Abend.

Musikalisch bewegt sich ClockClock vor allem im englischsprachigen Pop – eingängige Melodien, moderne Produktionen und ein Sound, der sofort ins Ohr geht. Spätestens an diesem Abend könnte das Vorurteil, ClockClock sei doch bloß „Radiomusik“, beim ein oder anderen in Windeseile verflogen sein. Die Show ist durchdacht, der Sound druckvoll, das Licht perfekt abgestimmt. Bei Songs wie „Sorry“ oder „Over“ singt der gesamte Stadtpark mit.

Der Veranstalter wird Leonpalooza auf keinen Fall nächstes Jahr ausrichten

Trotz der musikalischen Höhepunkte war das Festival für die Veranstalter von PM Event ein herber Rückschlag. „Es war wirklich sehr frustrierend“, sagt Lisa Bäuerle offen. Nach einjähriger Abstinenz markiert der Juli einen Neustart für das Leonberger Sommer-Festival. 2020 während der Coronapandemie aus der Not heraus geboren als gemütliche Konzertreihe mit Abstand, hatte es bei der bisher letzten Ausgabe 2023 ein Minus von mehr als 250 000 Euro eingefahren. Die Stadt Leonberg als Veranstalter zog daraufhin die Reißleine. Seit diesem Jahr liegt die Organisation in den Händen von PM Event. Doch auch dieses Mal hat sich das Festival wirtschaftlich nicht refinanziert, obwohl das Interesse im Stadtpark spürbar war. Rund um das Gelände verfolgten zahlreiche Menschen das Konzert kostenlos von außen.

Für die Veranstalter ist das ein Schlag in die Magengrube. „Wenn man sich so eine Show von draußen umsonst anhört, trägt man leider auch dazu bei, dass solche Veranstaltungen bald nicht mehr stattfinden können“, erklärt Bäuerle. Viele Besucher hätten im Vorfeld gesagt, 45 Euro seien zu viel Geld – dabei sei das im Vergleich zu ähnlichen Konzerten ein fairer Preis gewesen, findet Bäuerle. PM Event wird das Festival im kommenden Jahr auf keinen Fall mehr ausrichten. „Wirtschaftlich war das eine Katastrophe“, so Bäuerle. Sie appelliert an die Stadt, künftig andere Rahmenbedingungen zu schaffen – und an das Publikum, mehr Verständnis für die Realität hinter den Kulissen zu zeigen. Wann und ob das Leonpalooza nochmal stattfinden wird, ist unklar.

StZ Kreis Böblingen
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