Livemusik in Leonberg: So war der Saisonauftakt beim Jazzclub

Funky-Time im Leonberger Jazzclub: Ruth Sabdino und ihre Band.
Simon Granville„Fidi for President“, ruft Ruth, und das Auditorium applaudiert lautstark. Neuigkeiten aus dem konfusen Berliner Politikbetrieb? Keineswegs! Denn jene Ruth, die gerade einen neuen Präsidentschaftskandidaten ausruft, heißt mit Nachnamen Sabadino und ist eine der herausragenden Saxofonistinnen im Südwesten. Und ihr Favorit heißt Frithjof Gänger, genannt Fidi, unermüdlicher Chef des Jazzclubs in Leonberg.
Der hat es geschafft, in nur einem Jahr die lauschige Steinturnhalle in Leonberg zu einem gefragten Treffpunkt für Jazzfreunde aus der ganzen Region zu machen. Und das, nachdem er sein angestammtes Domizil, ein klassischer Jazzkeller, aufgeben musste. Ein Nachbar hatte ihn herausgeklagt.
Werner Acker ersetzt eine halbe Band
Die Stadt Leonberg reagierte im Sommer 2024 unbürokratisch und stellte die Steinturnhalle zur Verfügung. Seither treten hier im Zwei-Wochen-Rhythmus profilierte Musiker auf – von talentierten Nachwuchskräften bis hin zu Routiniers, die zwischen internationalen Konzertreisen mal eben in Leonberg bei Fidi Station machen.
Den Ehrentitel, den Ruth Sabadino für Gänger vorschlägt, wäre also durchaus angemessen, wenn es in der Jazzbranche Präsidenten gäbe. Dass aber zum Saisonauftakt nach der Sommerpause die Steinturnhalle einmal mehr bebt, liegt auch an der Musikerin selbst, und an ihrer hervorragenden Band. Angefangen bei ihrem Mann Christoph am Schlagzeug, Kurt Holzkämper, der seinen Bass in allerbesten Funky-Tradition der Achtziger zupft, und natürlich Werner Acker. Der Gitarrenprofessor, der einst an der Stuttgarter Musikhochschule Ruth Sabadino unterrichtete, ersetzt mit seinem Instrument eine halbe Band.

Virtuos: Ruth Sabadino
Foto: Simon GranvilleDie vier können alles – vom ruhigen Antikriegssong „For What It’s Worth“ von Buffalo Springfield, über entspannte Klänge, die, getragen von Sabadinos dunkler Bassklarinette, nach Strand und Meer und klingen, bis hin zu fast schon rockig anmutenden Improvisationsfolgen, bei denen Werner Acker mit seiner Gitarre regelrecht psychedelisch unterwegs ist.
„Nobody is perfect“ nennen die vier ihr neues Programm, das sie an den beiden Tagen zuvor im Studio eingespielt haben. Neben faszinierender Musik erfährt das Publikum kleine Geschichten rund um das Leben, in dem eben nicht alles perfekt zugeht. Immer sympathisch anmoderiert von der Frontfrau. Zum furiosen Finale kommt beim Klassiker „Pick up the Pieces“ dann Fidi Gänger mit seinem Saxofon auf die Bühne und liefert sich mit Ruth Sabadino grandiose Duelle. Die Halle tobt: Der Mann ist echt präsidiabel, die anderen aber auch!