Martinskirche Sindelfingen
: 2868 Pfeifen und vier Posaunen begeistern das Publikum

Das Posaunenquartett Pospurtal und der Organist Carsten Ehret-Pyka eröffnen die Orgelmusikreihe in der Martinskirche. Das Publikum ist begeistert.
Von
Ulrich Köppen
Stuttgart
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Sindelfinger Orgelmusikreihe in der Martinskirche: (v.l.) Walter Melcher, Thomas Kessler, Carsten Ehret-Pyka, Michael Pausch und Stephan Müller.

Ulrich Köppen

Bei der Sindelfinger Orgelmusikreihe in der Martinskirche, die dieses Jahr zum 35. Mal stattfindet, steht mit Recht immer die Musik im Mittelpunkt. Das war beim Eröffnungskonzert mit dem Posaunenquartett Pospurtal und dem Organisten Carsten Ehret-Pyka nicht anders.

Bemerkenswert waren jedoch auch einige Gedanken der Pastoralreferentin Ingrid Wedl, die sich manche (Kommunal-)Politiker ins Gebetbuch schreiben sollten. Musik, auch in der kirchlichen Gemeinschaft, bedeutet für den Menschen vor allem auch Stärkung. Der Theologe Philipp Melanchthon entwarf Schulordnungen und hielt vor 500 Jahren am 26. Mai die Festrede zur Eröffnung der neuen Lateinschule in Nürnberg - und forderte Musik als unverzichtbaren Teil der schulischen Ausbildung.

Werke von Mendelssohn-Bartholdy und Beethoven

Mendelssohn-Bartholdy eröffnete mit einem klanggewaltigen Ausschnitt aus seiner Sinfoniekantate Lobgesang für Posaune und Orgel das Programm. Mit Posaunengeschmetter wurde unter anderem die Ankunft Gottes signalisiert. Eine echte Überraschung waren Beethovens drei Equale WoO 30, die er für den Linzer Kapellmeister Franz Xaver Glöggl als Turmmusik an Allerseelen komponiert hatte; in einer Chorfassung wurde sie bei Beethovens Beerdigung musiziert. Sie wurden von den Posaunisten mit ausbalancierter Musizierkultur realisiert. Mendelsohns sechs Orgelsonaten zählen zu seinen bedeutendsten Schöpfungen und Carsten Ehret-Pyka intonierte die feinsinnigen Klangelemente ebenso wie die großartige und klangvoll angelegte Schlussfuge.

Das Konzert fand in der Sindelfinger Martinskirche statt.

Foto: Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofitsch

Dann gab es von Anton Bruckner das bearbeitete Scherzo aus seiner ersten Sinfonie. Hier bewiesen die fünf Musiker lebendige rhythmische Akzentuierung, die Orgel konnte mit ihren verschiedenen Registern an den Klangfarbenreichtum eines Orchesters erinnern.

Begeisterter Applaus für Stück von Zsolt Gardonyi

Dann standen Richard Wagners Opern auf dem Programm. Das Gebet der Elisabeth aus Tannhäuser gab es als Orgel-Solo inklusive einem der Gesangsstimme verwandten Vibrato. Etwas martialisch erklang dann der Einzug der Gäste auf der Wartburg. Mit viel musikalischem Temperament wurde der Wagnerblock abgeschlossen durch den Walkürenritt, den Kinogänger auch aus Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm „Apocalypse Now“ kennen. Begeisterten Applaus ernteten die Musiker zum Schluss für ihre Darbietung von Zsolt Gardonyis Fantasie über ein ungarisches Danklied. Die Melodie stammt aus einer Breslauer Handschrift des 16. Jahrhundert.

Eindrucksvoll formten die Musiker einen stimmigen Strauß höchst unterschiedlicher Melodiecharaktere, dem sie mit ungewöhnlichen Klangfarbenmischungen zu tollen Kontrastwirkungen verhalfen. Der schönste Lohn für alle war sicher die Tatsache, dass die Kirche wieder fast bis auf den letzten Platz besetzt war.

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