Neue Schau in Leonberg: Es geht um Macht und die Kraft der Kunst

Alle packen mit an, auch beim Aufbau des schwarzen Rohres, das sich bis in den ersten Stock windet.
Simon GranvilleVon der kleinen Bretterbude im Kabinett des Leonberger Galerievereins zieht sich ein langes, mit schwarzem Klebestreifen ummanteltes Rohr durch die Räumlichkeiten bis in den ersten Stock. Diese Installation ist ein Symbol für die Zusammenarbeit der sieben Künstler der Stuttgarter Gruppe „maximal“, die ihre Arbeiten von Sonntag, 14. September, an im Galerieverein unter dem Titel „MACHT/macht“ ausstellt.
Oben auf der Konsole finden sich sieben Figuren, jeweils unter einer Glasglocke mit goldenem Boden. In jeder Figur erkennt man die entsprechenden Künstler der Gruppe „maximal“: Isa Dahl, Thomas Heger, Rolf Kilian, Bernd Mattiebe, Rainer Schall, Daniel Wagenblast und Bernhard Walz. Die Figuren sind gewissermaßen ihre Stellvertreter vor Ort. Die Glasglocken sollen deutlich machen, dass alle Künstler eigenständig und ganz verschieden voneinander arbeiten.
Ein Schaltplan oder ein U-Bahn-Netz?
Die Bretterbude im Kabinett ist wiederum ein Sinnbild für das Entstehen der gemeinsamen Idee zur Ausstellung. Das schwarze Rohr, das sich aus der Bude heraus von unten nach oben windet und sich dabei auch verwindet, steht für die Zusammenarbeit der sieben Künstler. Die Installation ist die Basis, aber auch eine Ergänzung der einzelnen Positionen der Künstler, sie verweist zudem auf ihre Gesamtheit.

Beim Aufbau der Ausstellung ist auch echtes Handwerk gefragt.
Foto: Simon GranvilleAn der Wand im ersten Stock steigen hinter jeder Glasglocke schwarze Linien auf und führen dann durch den ganzen Raum, hin zu den Arbeiten der einzelnen Künstler. Schon diese Linien regen den Betrachter an: Erinnern sie doch an einen Schaltplan, eine elektronische Platine oder gar an ein U-Bahn-Netz. Die Lineaturen bilden einen Kontrast zu den Kunstwerken und geben ihnen zugleich einen Halt. Zwischen den Arbeiten finden sich immer wieder Sprechblasen, auf denen Worte wie „Sinn“, „Sex“, „Gier“, „Liebe“ und „Zweifel“ zu lesen sind.
In dieser Schau sind also ganz unterschiedliche Werke, die ebenso unterschiedliche Kunstliebhaber und Betrachter ansprechen, zusammengestellt – aber so, als gehörten sie ganz selbstverständlich zusammen. Es ist eine Inszenierung, in der alles perfekt zusammenpasst. Das sagt eine Menge über die Künstlergruppe aus, die die Hängung ihrer Arbeiten gemeinsam vorgenommen hat.
Wer beim Aufbau dabei gewesen ist, hat erlebt, wie es dabei zu Diskussionen kommt und wie die sieben Künstler nicht mit Kritik sparen. Doch immer wieder kommen sie schnell auf einen Nenner. Das ist nicht unbedingt verwunderlich, denn sie kennen sich bereits seit dem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Danach stellten sie schon damals fest, dass es wichtig ist, regelmäßig eine ehrliche Meinung zu dem zu bekommen, was sie schaffen. So tauschen sie sich gegenseitig aus. Isa Dahl sagt: „Wir haben Vertrauen zu dem Urteil des anderen.“
„Wir machen unser Spielchen“
Der Titel der Ausstellung „MACHT/macht“ verweist auf die vielseitigen Bedeutungen von „Macht“ und „machen“ in der Kunst, ebenso auf die Kraft der Kunst. Die Kunst tritt mit der Ausstellung beispielsweise als Macht im Raum auf. Daneben geht es um die Idee des „Kunst-Machens“ von sieben Künstlern. Zudem wirft der Titel Fragen auf wie „Was macht Kunst aus?“ und „Was für einen Einfluss hat Kunst auf den Menschen?
Isa Dahl dazu: „Kunst hat etwas mit Macht zu tun, aber auch mit dem Tun.“ Ihr Kollege Daniel Wagenblast verrät etwas spitzbübisch, „wir machen unser Spielchen, in dem wir hier ein Machtzentrum aufbauen“. In seinen Holzskulpturen zeigt sich die „Macht“ unübersehbar für den Betrachtenden, beispielsweise durch eine Frau, die erhöht sitzt, oder durch das in einem Skateboard eingefräste Wort „Macht“.
Die neue Schau
Einblicke
Die Ausstellung der Stuttgarter Künstlergruppe „maximal“ wird am Sonntag, 14. September, um 11.15 Uhr im Galerieverein Leonberg, Zwerchstraße 27, eröffnet. Eine öffentliche Führung ist für Sonntag, 28. September, um 15.30 Uhr vorgesehen. Die Finissage mit einem Künstlergespräch ist am Sonntag, 26. Oktober, um 15.30 Uhr.