Pfingstjugendtreffen: Gläubigen-Festival: Lobpreis und Hefezopf bei Sonnenschein
Es ist ein vielstimmiges Juchzen, das am zweiten Tag des Pfingstjugendtreffens (PJT) Aidlingen die stehende Luft auf den Wiesen vor dem Diakonissenmutterhaus in Aidlingen durchschneidet. Bewegung kommt in die Menge von jungen Menschen. Die Aidlinger Feuerwehr startet mit Wasserkanonen vom Dach ihres Löschfahrzeugs aus eine Wasserschlacht. Einige bringen sich vor dem künstlichen Regen in Sicherheit, andere holen sich eine willkommene Dusche ab.
Die Wasserschlacht sei kurzfristig organisiert worden, sagt Pressesprecherin Ulrike Stoll. Wenn man sich die jungen Leute anschaut, die teils mit Badesachen auf die Wiese gekommen sind, kann man vermuten, dass es im Vorfeld Wetten gab, dass es bei dem Sommerwetter mit rund 30 Grad eine Abkühlung geben würde.
Die Aidlinger Schwestern sind seit rund 70 Jahren Gastgeberinnen des PJT. Das Treffen steht bei jungen Christen im Südwesten oft fest im Kalender. Es gibt geistliche Inhalte, Musik und Gemeinschaft. Weibliche Teilnehmer werden im Mutterhaus oder im Ort untergebracht, die männlichen zelten auf dem Gelände. Beim PJT mischen sich die Schwestern unter die Besucher. Sie teilen sich Popcorn mit jungen Frauen, sitzen auf ihrem Rollator mit Familien zusammen, oder stellen sich beim Meet and Greet den Fragen des Publikums.
Beten rund um die Uhr beim Pfingstjugendtreffen
Eine der Schwestern erzählt, sie sei seit 1973 ganze 51 Mal beim PJT gewesen.
Sie trägt über der grau-schwarzen Ordenstracht eine rote Weste mit der Aufschrift „Mit mir kannst du reden“ und schiebt Schichten im Seelsorgezelt auf dem Gelände. Warum es dieses Zelt gibt, erklärt ihre Kollegin, Schwester Carolin Hornberger: „Wir stellen fest, dass hier Lebensfragen aufbrechen. Letztlich sind unsere Mitarbeiter da, um Raum zum Sortieren zu bieten.“
Weitgehend sortiert und gelöst sind sie augenscheinlich, die Besucher des Festivals. Zwischen den Reden, Gottesdiensten und Seminaren sammeln sie sich in Grüppchen. Einige beten gemeinsam oder haben sich für eine Schicht im Bet-Bauwagen eingetragen. Dort gibt es 50 Stunden nonstop Anrufungen des christlichen Gottes. Ein Grüppchen stellt in einem Nachbau der biblischen Stiftshütte Abläufe im Heiligtum nach. Andere spielen Ball, chillen im Schatten – oder sie toben sich auf der Actionwiese aus.
Ordensschwester fährt in der Seifenkiste mit
Neben der Randsportart Jugger, bei der die Spieler beider Mannschaften Schaumstoffwaffen tragen, gibt es dort auch einen Hüpfburg-Parkour, Fußball, Riesen-Tischtennis sowie einen Jericho-Parkour mit Schleuder und nachgebildeter Bundeslade.
Neu ist das Seifenkistenrennen mit rund 20 Teams. Mit dem Geknatter eines Rasenmähermotors saust da etwa eine Schwester im „Kanu des Manu“ den Hügel hinunter. Teams wie die „Halleluja Heizer“ vom CVJM Nufringen oder „Luho Racing“ von der Ludwig-Hofacker-Kirchengemeinde Stuttgart haben ebenfalls ihre Seifenkisten dabei.
Handy und Smartphone bewegen die Jugendlichen
Junge Menschen zwischen 14 und 30 Jahren sind die Zielgruppe des PJT. „Der Großteil ist 17 bis 23 Jahre alt, zeigt unsere Statistik“, sagt Ulrike Stoll. Viele kämen in Gruppen, die größte zähle 40 Personen. Die Themen, die beim PJT behandelt werden, seien über die Jahre weitgehend gleich geblieben: Probleme in Freundschaften, Partnerschaften oder mit der Familie seien in der Lebensphase aktuell. Ebenso wie die Zeit nach der Schule und die Berufswahl.
„Ein riesiges Thema ist das Handy“, sagt Stoll. Dabei fällt auf, dass mit dem Handy nur wenige hantieren. Viele machen mit Block und Stift Notizen. „Die Gemeinschaft steht im Vordergrund. Wenn man nicht auf dem Handy tippt, das macht das Besondere aus“, sagt Stoll. Ein möglicher Grund für die Handyabstinenz sei aber auch der lückenhafte Empfang rund ums Mutterhaus, gibt Stoll zu. Viele Jugendliche würden sich aber nach mehr Verbindung sehnen.
Der Hefezopf der Diakonissen hat Tradition
Entsprechend voll ist es am Sonntag in der Mittagszeit, als Schwester Doro Grupp von den Diakonissen im Sessionzelt ihren Vortrag „Ein Leben mit Fokus“ hält. Es sei im Leben nie zu spät, „sich von Gott challengen zu lassen“, sagt sie. Um diese Challenge, also Herausforderung, geht es auch in der Missionsausstellung im Wäldchen neben dem Hauptzelt. Gut 15 Missionswerke haben ihre Stände aufgestellt und kommen über niederschwellige Spielchen mit den Gästen ins Gespräch. Wer das PJT Aidlingen besucht, ist meist evangelikal-freikirchlich geprägt, erklärt Ulrike Stoll. Andere Konfessionen seien aber willkommen. Das diesjährige Fest steht unter dem Motto „Enter“ (tritt ein). Das heiße, dass man sich aktiv entschließen müsse, sich für den Glauben zu öffnen.
Es kommt noch einmal ordentlich Bewegung in die Besucher, als die Schwestern am Nachmittag ihren Hefezopf verteilen. „Einige stellen sich öfter an“, sagt Schwester Carolin Hornberger bei der Ausgabe. Früher hätten die Schwestern das Gebäck im Mutterhaus gebacken. Inzwischen übernehme das Backen eine Bäckerei – nach dem Rezept der Schwestern. Die Besucher jedenfalls setzen sich, den Snack mümmelnd, in den Schatten und gehen ihre Programmhefte durch, auf der Suche nach dem nächsten Inhalt, der sie packt.





























