Philip Hitschler-Becker: Hitschies-Chef: „Menschen folgen Menschen, nicht Marken“

Philip Hitschler-Becker ist Geschäftsführer des Süßwarenherstellers Hitschies.
Eibner-PressefotoKaubonbons, Fruchtgummi als Schnüre und in Form von „sauren Drachenzungen“ sowie Brause-Ufos: das ist die Welt von Philip Hitschler-Becker. Er brennt mit jeder Faser seines Wesens für die Produkte des Familienunternehmens, das er als Geschäftsführer in vierter Generation seit 2017 führt. Das wird am Donnerstagabend beim Digitalk, den der Landkreis Böblingen in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart und der Kreissparkasse Böblingen veranstaltet und der in diesem Jahr unter dem Motto „Tradition trifft TikTok“ steht, mehr als deutlich.
Geradezu elektrisiert ist die Atmosphäre in den Räumen des traditionsreichen, Herrenberger Möbelherstellers Walter Knoll, wo Mara und Markus Benz als Gastgeber die rund 250 Teilnehmenden bei der komplett ausgebuchten, fünften Auflage des Formats begrüßten. Der 37-jährige Hitschler-Becker berichtet an diesem Abend davon, wie Social Media maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beiträgt.
„Hitschies“ ist zur Top-Marke avanciert
„Es war nicht immer sicher, dass das Unternehmen es schafft, als Familienunternehmen erhalten zu bleiben“, fasst Philip Hitschler-Becker die Lage zusammen, als er das Ruder übernahm. Damals habe das Unternehmen mit hohen Schulden, einem großen Investitionsstau und einem jährlichen Verlust von zwei Millionen Euro bei einem Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro zu kämpfen gehabt. Heute exportiert die Firma, in dessen Leitung auch seine Geschwister und seine Mutter eingebunden sind, in 46 Länder, wobei Deutschland, Österreich, Südkorea und Japan die vier umsatzstärksten sind.
Einige Monate nach dem Start des TikTok-Shops in Deutschland, bei dem Nutzer Produkte, die sie in den Videos sehen, direkt in der App kaufen können, ist „Hitschies“ dort zur Top-Marke avanciert. Zehn Prozent des Gesamtumsatzes macht das Unternehmen heute online.

„Hitschies“ steht für Süßigkeiten in knalligen Farben.
Foto: Eibner-PressefotoMöglich gemacht hat dies die extrem große Bekanntschaft, die Hitschler-Becker und sein Team in den letzten Jahren auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen aufgebaut haben. Auf fast allen Plattformen, auf denen er mit seinen Videos, die er stets mit „Hey friends“ beginnt, teilt, hat er mehr als 100 000 Follower. „Ohne einen Cent Marketingbudget. Weil wir keine Kohle hatten“, wie der zweifache Familienvater betont. „Es war noch nie so einfach, so schnell, so viele Menschen so kostengünstig zu erreichen“.
Start-up-Atmosphäre auf dem „Hitschler-Campus“ bei Hürth
Kein Wunder daher, dass sein Ratschlag an das Publikum, in dem auch etliche Unternehmer aus dem Kreis saßen, lautete: „Nutzt Social Media“ und „Einfach machen“. Das hat er auch selbst getan – unter anderem, als die Marke im Jahr 2021 in „Hitschies“ umbenannt wurde. Nachdem er festgestellt hatte, dass seit 90 Jahren „Hitschler“ auf den Verpackungen stand, aber niemand den Namen kannte, sei der Entschluss dazu gefallen. Marktforschung habe er vorher nicht betrieben, vielmehr habe er auf sein Herz gehört.
Neben Kosteneffizienz, dem direkten Draht zur Zielgruppe sowie der Reichweite hat Social Media für Hitschler-Becker noch einen weiteren Vorteil: Er nutzt seine Präsenz, um Kooperationen mit anderen Unternehmen anzustoßen, zum Beispiel mit dem umsatzstärksten Fast-Food-Konzern der Welt, mit dem in Deutschland in diesem Jahr eine gemeinsame Eiskreation entstanden ist.
Allen, die wie er und seine Firma auf den verschiedenen Kanälen wie Facebook, Instagram, Youtube oder TikTok aktiv sein wollen, gibt er gerne Hinweise, wie er selbst erfolgreich in der digitalen Welt agiert. Aus seiner Sicht gibt es zwei Grundregeln für Inhalte, die online geteilt werden: Entweder müssen diese informativ sein – oder unterhaltsam. Wenn dies befolgt werde, sei es „kein Problem auf Social Media viral zu gehen“, findet Hitschler-Becker.
Er berichtet zudem davon, dass er den Firmensitz 2020 von Köln an die Stadtgrenze von Hürth verlegt und im dortigen „Hitschler-Campus“ eine Start-up-Atmosphäre geschaffen habe, die zu ihm als Geschäftsführer, der nicht dem klassischen Bild mit Anzug und Krawatte entspricht, wenn er wie in Herrenberg in T-Shirt und kurzer Hose auf der Bühne steht, passe.
Hitschler-Becker setzt auf authentische Kommunikation
„Menschen folgen Menschen, nicht Marken“, ist aus seiner Sicht ein weiterer Grundsatz. Ganz wichtig sei zudem eine „authentische Kommunikation“, wozu auch gehöre, dass Videos nicht gestellt würden. Außerdem müsse „Real-Life-Content zeitnah online gehen.“ Gar nichts hält er dagegen von bezahlten Social-Media-Inhalten.

Das Event fand in den Räumlichkeiten der Firma Knoll in Herrenberg statt.
Foto: Eibner-Pressefoto„Einfach machen, einfach raus damit! Schauen, was passiert! Mehr ist immer besser, sag ich – und dann geht’s los“, fasst Philip Hitschler-Becker, für den Auszubildende von Walter Knoll ein Kinderstuhl-Unikat in den typischen Hitschies-Farben hergestellt hatten, seine Strategie am Ende seines rund 45-minütigen Vortrags zusammen.