Sammelaktion in Renningen: Wie Kronkorken krebskranken Kindern helfen

Kleine Kronkorken, große Wirkung: Rund 200 Euro werden für eine Tonne Material bezahlt.
Simon GranvilleEin bisschen muss man den Container am Einkaufszentrum Süd in Renningen suchen. Auf halbem Weg zwischen dem Textilgeschäft Gläser und der Schwabenschänke, direkt gegenüber dem Holzhäuschen des Lebensmittelherzes, steht der große schwarze Recyclingbehälter mit rotem Deckel.
Ralph Geyer hat eine Tüte dabei und schüttet den Inhalt hinein, es klirrt. „Ich habe den Container erst Anfang Juli leeren lassen, und schon nach einer Woche war der Boden wieder bedeckt“, sagt der Geschäftsführer des Einkaufszentrums Süd. Der wertvolle Rohstoff, der hier gesammelt wird: Kronkorken. „Kronen-Kinder“ nennt sich diese Aktion, der Erlös für das Recyclingmaterial kommt dem Förderverein krebskranker Kinder Tübingen zu Gute.
Eine Familie kämpft gegen den Krebs
„Die machen eine ganz tolle Arbeit“, sagt Ralph Geyer. Der Verein hat auch schon ihm und seiner Familie geholfen. 2021 war bei seiner damals zehn Jahre alten Tochter Kim Leukämie festgestellt worden. 2022 erhielt das Mädchen die erste Stammzellspende von einer Spenderin, die über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) gefunden wurde. „Wir dachten damals, wir sind durch, wir sind raus aus den Fängen des Krankenhauses. Kim ging es besser“, erzählt Geyer. Doch bei einer Kontrolluntersuchung im vergangenen Jahr zeigte sich: Der Blutkrebs ist zurück. „Die Spende der ersten Spenderin hat geholfen, aber Kim nicht ganz geheilt“, erklärt ihr Vater.

Immer wieder berichteten wir über Kim und ihre Krebserkrankung, wie hier im Sommer 2022, nachdem ein Stammzellenspender gefunden worden war.
Foto: privatEine weitere Stammzellspende war nötig, diesmal von einem Elternteil. „Wir hätten beide gespendet, aber letztlich ist es meine Frau gewesen, die gespendet hat. Noch 2024 wurde die Transplantation vorgenommen. Seitdem erhält Kim eine Anschluss-Chemotherapie. „Die wird sich wohl noch bis nächstes Jahr hinziehen“, sagt Ralph Geyer.
Bei den Aufenthalten in der Klinik in Tübingen hat die Familie die Arbeit des Fördervereins für krebskranke Kinder direkt erlebt. „Der Verein finanziert Elternhäuser in Tübingen, besondere Möbel, Elternküchen in der Klinik, Café-Treffs für die Eltern oder Massagen, aber auch homöopathische Lebensmittel“, berichtet der Renninger. Geholfen wird also oft dort, wo die Finanzierung der Behandlung durch die Krankenkasse endet. „Man wird als Eltern durch Verein ein Stück weit aufgefangen“, sagt Ralph Geyer.
Der Förderverein für krebskranke Kinder finanziert sich über Spenden. Und da kommt nun der Recycling-Container ins Spiel: Im September 2022 hat der Renninger eine erste Tonne am Einkaufszentrum aufgestellt, nachdem er von einem Bekannten auf das Projekt aufmerksam gemacht worden war. „Das hat sich sehr schnell so gut entwickelt, dass ich alle drei Wochen leeren musste“, erzählt Geyer, der vor allem über Social-Media-Accounts des Einkaufszentrums auf die Aktion aufmerksam macht.

Immer wieder bringen Freunde, Kunden oder andere Renninger Tüten und Kisten mit Kronkorken bei Ralph Geyer vorbei.
Foto: Simon GranvilleDie Kronkorken bewahrte er zunächst in seiner Garage auf und lieferte sie dann an ein Recyclingunternehmen. Die Resonanz war schnell sehr groß. „Hier in Renningen haben wir etwa zehn bis 15 Unterstützer, die regelmäßig große Mengen bringen“, berichtet Geyer. Vereine stellen bei Festen Sammelbehälter auf, Gastrobetriebe sammeln die Kronkorken im laufenden Betrieb ein, Unternehmen rufen ihre Mitarbeiter zum Mitmachen auf. „Selbst auf unserem Campingplatz, wo wir Dauercamper sind, wird gesammelt. Da steht dann am Wochenende immer mal eine Tüte vor dem Wohnwagen.“ Jüngst hat sogar die Bundespolizei eine Kiste vorbeigebracht.
1,3 Tonnen Kronkorken in fünf Monaten
Seit Februar dieses Jahres steht nun der große schwarze Container mit dem roten Deckel am Einkaufszentrum. „Die Firma BZ Metall hat ihn uns kostenlos gestellt, das ist toll. Und sie holen ihn auch kostenlos ab, und alle Werte werden den Kronen-Kindern gutgeschrieben“, berichtet Geyer. Etwa 200 Euro gibt es derzeit für eine Tonne. „Das hört sich wenig an, aber es läppert sich. Vor allem für etwas, was man sonst in den Müll schmeißt.“ Nach fünf Monaten wurde der große Container das erste Mal geleert, es waren 1,3 Tonnen Kronkorken drin.
Egal, ob großer Karton oder kleine Tüte – Ralph Geyer ist für jeden gesammelten Kronkorken von Herzen dankbar. „Klar könnte man das Geld auch direkt spenden. Aber die Leute wollen gern aktiv etwas dafür tun“, sagt er. Niemand wird dafür mehr Bier oder Limo trinken. Aber den Deckel eben nicht in den Müll werfen, sondern zur Sammelstelle bringen. Und damit das Leben der Kinder, die an Krebs erkrankt sind, und ihrer Eltern ein Stück weit besser machen.
Kronen-Kinder
Was und wie abgeben
Abgegeben werden können Kronkorken aus Weißblech, etwa von Bierflaschen. Die gezackten Deckel sind magnetisch. Schraubverschlüsse, beispielsweise von Saftflaschen, sollen nicht eingeworfen werden, da diese aus einer anderen Materialmischung bestehen. Der Container in Renningen steht am Entsorgungszentrum Süd, Weil-der-Städter-Straße 49, direkt vor dem Hotel zur Schwabenschänke. Eine Übersicht mit weiteren Abgabestellen gibt es auf kronen-kinder.de.
Sammelaktion
Die Aktion Kronen-Kinder Schwarzwald wird seit 2021 von Privatpersonen organisiert. Der Erlös kommt gänzlich dem Förderverein krebskranke Kinder in Tübingen zugute. Nach dessen Angaben wurden seit 2024 über 37,5 Millionen Kronkorken gesammelt und recycelt – das entspricht rund 143 Tonnen Metall und ergab eine Spende über 60 000 Euro für den Verein.