Seltene Einblicke in Leonberg: Geheimnisvolle Geschichten rund um den Engelberg

Der Engelbergturm hoch über Leonberg kann am Sonntag, 22. März, besichtigt werden.
Simon GranvilleIst in diesen Tagen vom Engelberg die Rede, so geht es in den allermeisten Fällen um den gesperrten Tunnel und das daraus resultierende Verkehrschaos rund um Leonberg. Doch neben dem Tunnel gibt es auch den Engelbergturm. Und der steht am 22. März im Mittelpunkt.
Im Rahmen des Weltwassertages öffnet das Stadtmarketing an diesem Sonntag von 15 bis 17 Uhr die Tore des Leonberger Wahrzeichens. In Kooperation mit dem Naturschutzbund (Nabu) und weiteren Ehrenamtlichen werden den Besuchern neue Perspektiven auf den bald 100 Jahre alten Wasserturm, seinen älteren „kleinen Bruder“ und das gesamte Engelberggelände eröffnet.
Früher ein Wachposten
Auf dem ursprünglich unbewaldeten Engelberg steht seit dem Mittelalter ein Hochwachtturm, seinerzeit als Außenposten der Stadtverteidigung. In unruhigen Zeiten waren dort Wächter postiert. Sie hatten Sichtverbindung mit dem Oberen Torturm in der Stadt und gaben Signal.
Dieser Turm ist vermutlich im 16. oder 17. Jahrhundert errichtet worden und nicht in der Römerzeit, wie früher angenommen wurde. Im Jahr 1842, der Turm hatte seine militärische Bedeutung längst verloren, entschloss sich der Leonberger Gemeinderat zur Renovierung des „Engelberg Thürmchens“.

Der „kleine Bruder“, ein alter Wachposten, steht neben dem Engelbergturm.
Foto: BachEs erlitt nicht das Schicksal seiner „Kollegen“ in der Stadt: Diese wurden Jahre zuvor abgebrochen, weil sie dem Stadtausbau im Weg standen und ihr kostbares Baumaterial weiterverwendet werden konnte. Im Gegensatz dazu wurde der Wartturm 1842 sogar verschönert, als Teil der neu entstehenden Anlage auf dem Engelberg.
Der kleine Engelbergturm ist für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich. Das Schloss der hölzernen Tür ist dauerhaft verriegelt. Seit einiger Zeit sind Mitglieder des Naturschutzbundes im Turm aktiv und haben Nistkästen für Fledermäuse angebracht. Sie sind am Sonntag von 15 bis 17 Uhr mit einem kleinen Informationsstand vor Ort, Schwerpunktthema ist die Nutzung des Turms für die Natur. Eine Besteigung des Obergeschosses im kleinen Turm ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich, jedoch gibt es die Chance, einen Blick ins Innere des Turms zu werfen.
Im Eingangsbereich des großen Engelbergturms informieren Schautafeln über die Geschichte des Wahrzeichens. Mit seinem Bau wurde im Jahr 1928 die Wasserversorgung in Leonberg erweitert. Der Bau des Hochbehälters „Alte Reute“ in Gebersheim stellt seit 1993 die gesamte Wasserversorgung Leonbergs sicher.
Im Juni 2023 wurde bereits das 30-Jahr-Jubiläum der „Alten Reute“ gefeiert. Aus diesem Anlass sind zwei Schautafeln mit QR-Codes entstanden, welche zu der feierlichen Einweihung im Jahr 1993 führen. Hier können sich die Besucher über die Wasserversorgung in Leonberg informieren.
Geführte Tour
Wer die 123 Stufen zur Aussichtsplattform hinter sich gebracht hat, wird mit einem Rundblick zu den Bergen um Heilbronn bis hin zum Schwarzwald belohnt – vor allem, wer ein Fernglas mitbringt. Der Eintritt in den Turm ist kostenlos. Das Stadtmarketing ist mit einem kleinen Souvenirangebot aus der Serie „Mein Turm“ und Informationsmaterial vor Ort.
Wer mehr zur Geschichte des Leonberger Wahrzeichens und seines „kleinen Bruders“ erfahren will, kann sich einer geführten Tour mit Ingeborg Hertig anschließen. Um 14.30 Uhr erzählt sie „Geschichte(n) rund um den Engelbergturm“. Treffpunkt ist am Eingang zum Engelbergturm, Preis: 5 Euro pro Person, Kinder bis 16 Jahre zahlen nichts.