Stadtbibliothek Heimsheim: Sie malt gerne groß und bunt

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Stuttgarter ZeitungSie ist klein, schmal und wirkt sehr zerbrechlich. Doch wenn man mit ihr spricht, wird schnell deutlich, dass da eine unglaubliche Energie in ihr ist: Renate Neumann stellt noch bis zum Ende des Monats in der Stadtbibliothek Heimsheim ihre Bilder aus. Sie hat mit dem Malen ihren eigenen Weg gefunden – und ist zugleich immer noch auf dem Weg.
Schon beim Blick auf die Bilder im Erdgeschoss fallen die leuchtenden Farben auf. „Ich bin immer bunt“, sagt Neumann. „Aber ich reduziere es gerade. Ich male jetzt mit viel Weiß. Ich taste mich vor.“ Sie habe jetzt immer wieder „helle Phasen“ gehabt. So wie sie sich dabei „vortastet“, ist sie überhaupt immer offen für neue Erfahrungen bei ihrer künstlerischen Arbeit, bereit zu lernen.
Ein weiteres Kennzeichen von Neumanns Arbeiten: „Ich muss groß malen“, sagt sie. „Das Feine liegt mir nicht ganz so.“ Der Betrachter wird ihr hier nicht ganz zustimmen – auch wenn sie tatsächlich eher großflächig malt.
Die leuchtenden Farben fallen auf
Immer wieder fällt im Gespräch mit Renate Neumann der Name Sou von der Heyden. „Ich hatte auch andere Lehrerinnen, bei Sou habe ich das Know-how gelernt,“ so Neumann. Bei der Dozentin und Künstlerin besucht Neumann regelmäßig einen Kurs, bekommt dort Tipps und Anregungen. Für Neumann ist sie „die beste Lehrerin“. „Ich nehme fertige Bilder mit zu ihr, bei denen ich nicht weiter weiß“, erzählt sie.
Das Bild mit den Sonnenblumen, die in Sequenzen, versetzt, gemalt sind und die durch ein warmes Gelb bestechen, ist so eine Arbeit gewesen. Ein halbes Jahr habe es bei ihr herumgestanden, im Wohnzimmer am Kamin, erzählt Renate Neumann. „Ich merkte, da fehlt noch was.“ So eine Arbeit gehört zu denen, die für Neumann „eine Geschichte haben“. Dazu zählt auch ein Bild an der Wand links vom Eingang, in derselben Reihe wie jenes mit den Sonnenblumen. Darauf ist oben etwas zu sehen, das an Baumstämme erinnert, dazwischen Blau wie bei einem Flusslauf. Neumann: „Das Bild war unten gut und oben gut. Aber es passte für mich nicht zusammen. Dann habe ich Rot draufgeklatscht.“ Da sei sie schon viel zufriedener gewesen. „Sou drehte es dann auf den Kopf.“ Da hat es für sie gepasst.
Sie ist schon immer „künstlerisch angehaucht“ gewesen
Die Künstlerin Renate Neumann wohnt heute in Tiefenbronn. Sie ist in Thüringen geboren, in Sachsen aufgewachsen und kam 1954 mit neun Jahren nach Westdeutschland. „Ich wollte nicht zurück,“ sagt Neumann rückblickend. „Es war für mich der Himmel auf Erden.“
Über Radevormwald und Solingen kam sie schließlich in den Süden. „Ich war zunächst Verkäuferin und dann im Büro beim Schattauer-Verlag tätig“, erzählt die Künstlerin. „So bin ich hier sesshaft geworden.“ Seit 2014 malt die heute fast 80-Jährige.
„Ich war schon immer künstlerisch angehaucht“, bekennt die Tiefenbronnerin. Sie habe auf die Kunstschule gewollt, aber dann habe sie sich doch nicht getraut. Früher habe sie mit Batik gearbeitet, wofür sie auch einen Preis bekommen hat. Derzeit ist Renate Neumann weiter als Therapeutin tätig.
In der Spielecke der Bücherei hängen Aquarelle von ihr. Sie zeigen Blumen und roten Mohn. Die Bilder seien auf einem Campingplatz entstanden, so Renate Neumann. Sie habe auch im Urlaub immer Papier und ein paar Farben dabei. Zu dem leuchtend roten Mohn inspirierte sie ein Aufenthalt in Italien. Der habe dort so intensiv geblüht – man merkt, es gab für sie kein Vorbeikommen daran, ihn im Bild festzuhalten.
Auch im Urlaub hat sie Papier und Farben dabei
Die Ausstellung mit Arbeiten von Renate Neumann ist eine der regelmäßigen Schauen in der Stadtbibliothek in Heimsheim. „Wir machen vier bis fünf Ausstellungen im Jahr“, ist von der Leiterin der Stadtbücherei in der Zehntscheune, Tina Kühnle-Häcker, zu erfahren. Vernissagen würden sie allerdings nicht mehr veranstalten.
Die Ausstellung mit Arbeiten von Renate Neumann in der Stadtbibliothek Heimsheim, Schlosshof 16, läuft bis Freitag, 30. August. Die Öffnungszeiten sind Dienstag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr, Mittwoch von 15 bis 19 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 13 Uhr.