Neu in Leonberg: Erfolg mit Stricken: Unternehmerin mit 61

Überall Wolle: Das Wohnzimmer von Iris-Maria Grunwald ist Atelier, Verkaufsraum und Büro zugleich.
Simon GranvilleHemmungen oder gar eine Scheu, fremde Menschen in ihre privaten vier Wände hereinzubitten, darf Iris-Maria Grunwald nicht haben. Ihre „kuscheligen 54 Quadratmeter“ in Warmbronn, wie sie diese gerne bezeichnet, sind nicht nur Wohnraum und Rückzugsort für sie und ihren Hund. Sie sind auch ihr Strick-Atelier, Verkaufsraum und das Büro zugleich. Wer zum ersten Mal ihr persönliches Reich betritt, der staunt nicht schlecht und ist überwältigt von unendlich vielen Wolle-Knäuel in allen Farben und auch Materialien.
Die gebündelten Fasern lagern überall. In Regalen, Kisten, Körben, Raumtrennern, Abstellflächen oder Schränken. Zwischendrin stellt sie bereits fertig gestrickte Jacken, Pullover, Kleider, Mützen oder Schals aus. „In meinem früheren Leben hatte ich eine 200 Quadratmeter große Wohnfläche und einen begehbaren Kleiderschrank“, sagt sie und lacht. Sie hat alles minimalisiert, sich von einem Zuviel an Klamotten getrennt.
Jede Woche frischer Lavendelduft
Unter anderem auch, um Raum für Wolle zu schaffen, die sie hier vor Ort und auch in ihrem Online-Handel verkauft. „Die beste Wolle kommt aus England oder Italien“, sagt sie. „Einmal pro Woche besprühe ich alles mit Lavendel, alle zwei Wochen räume ich um, damit sich keine Motten einlagern können“, sagt die Geschäftsfrau, die im September 2022, parallel zu ihrem Vollzeitjob, ihre eigene Firma „Gruni’s Strick-Atelier“ gegründet und hochgezogen hat. Und auf die sie sich in der Zwischenzeit ausschließlich konzentriert.
Um den Wohnzimmertisch versammelt sich zweimal wöchentlich eine Gruppe von Frauen („Ich hoffe, dass ich auch mal Männer begrüßen darf“) zur gemeinsamen Strickzeit. „Gemeinsam macht das noch viel mehr Spaß“, sagt die voller Energie geladene Iris-Maria Grunwald, die nicht nur Wolle verkauft, Auftragsarbeiten anbietet, sondern auch jede Menge Veranstaltungsideen hat, wie sie ihre noch junge Geschäftsidee voranbringen kann. „Strick-Events sind voll im Trend, die Idee hat sich aus den nordischen Ländern zu uns verbreitet“, sagt die passionierte Motorradfahrerin. Sie weiß aber auch, „mit Stricken kann man nicht reich werden“. Sie hofft gleichwohl, recht bald mit ihrem Hobby ihr Leben finanzieren zu können.
1996 übernimmt sie den Partyservice der Eltern
Iris Maria Grunwald bezeichnet sich selbst als „Stehauf-Männchen“. Denn ihr Leben verlief nicht immer geradlinig. Ihre Eltern hatten in Stuttgart-Untertürkheim eine Metzgerei, sie selbst erlernte den Beruf der Fleischereifachverkäuferin und setzte die Metzgermeisterin drauf. 1996 übernahm sie den Partyservice der Eltern und machte sich 1996 mit Firmensitz in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) selbstständig. Ihr Mitarbeiterstamm wuchs auf etwa 50 Festangestellte und 250 Aushilfen auf Abruf für die Veranstaltungen an.
Für den Fuhrpark war ihr Mann – der im Jahr 2011 verstarb – zuständig. „Wir hatten uns auf Konferenzbewirtung spezialisiert und sind 24-Stunden-Schichten gefahren“, erinnert sich die nun 61-Jährige. „Allerdings machten wir den großen Fehler, uns nicht breiter aufzustellen, wir hatten aber so viel zu tun und keine Zeit, weitere Kunden zu akquirieren“, sagt Grunwald.
Die Familie hat alles verloren
Ihr Hauptauftraggeber aus der Automobilbranche fusionierte mit einem amerikanischen Unternehmen. Mit fatalen Auswirkungen für das Fellbacher Catering-Unternehmen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. „Von jetzt auf nachher haben wir alle Aufträge verloren und standen irgendwann vor dem Nichts“, sagt Iris-Maria Grunwald. 2003 ging ihr Unternehmen in die Insolvenz. „Ich musste wieder von ganz unten anfangen“, sagt die Mutter zweier erwachsener Söhne. Doch als Angestellte in Metzgereibetrieben konnte sich die ehemalige Unternehmerin nicht mehr unterordnen. Später betreute sie als Fachbereichsleiterin Metzgerei-Abteilungen in Supermärkten. Zuletzt war sie wieder als Fachverkäuferin tätig. „Weil ich da gut verdiente.“
Eine Verletzung setzte sie etwa ein Jahr lang außer Gefecht. Sie hatte Zeit, über ihr Leben nachzudenken. In der Zwischenzeit war sie von Zuffenhausen nach Warmbronn in eine kleine Wohnung gezogen. „Als es mir dann besser ging, fing ich wieder mit dem Stricken an, was ich von meiner Großmutter und Mutter in jungen Jahren gelernt und in meiner Elternzeit zelebriert habe.“ Einmal im Monat veranstaltete sie eine Strickrunde. Daraus entwickelte sich ihre Geschäftsidee.
„Mein Laden macht mich einzigartig“, sagt Iris-Maria Grunwald nicht ohne Stolz. Und sie ist sich sicher: Wenn endlich die restlichen Schulden abbezahlt sind, wird es auch finanziell einen Lichtblick geben. Geschäftstüchtig ist sie allemal, Ideen hat sie reichlich.
Rund um das Stricken
Termine
Am 22. August veranstaltet Iris-Maria Grunwald in Weil der Stadt ihr erstes Open-Air-Kino in der Kulisse (Daimlerstraße 4) mit einem Workshop im Vorprogramm. Am 7. September folgt die Neckarstrickzeit auf dem Floß, inklusive einer Modenschau. Für ein Strickzeit-Konzert am 26. September im Warmbronner Birkenhof holt sie die Sängerin Milla mit ins Boot. Und am 11. Oktober plant sie gemeinsam mit einer Freundin einen Wolle-Färbekurs. Im Dezember steht ein Weihnachtsmarkt in Zavelstein auf dem Programm, einen Weihnachtszauber veranstaltet sie Mitte Dezember in ihren eigenen vier Wänden.
Kontakt
Weitere Informationen zu „Gruni’s Strick-Atelier“ gibt es unter www.grunisstrick.de im Internet.