Was können Landkreiswappen über die Geschichte erzählen?
: Der Leonberger Löwe spricht für sich selbst

Symbolträchtige Wappen waren im Mittelalter die Erkennungszeichen der Ritter auf ihren Schilden. Heute stehen die Wappen der Landkreise für viele Jahrhunderte bewegter Geschichte.
Von
Arnold Einholz
Stuttgart
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Die rote Fahne als Wappen von Böblingen auf einem Kupferstich von 1643.

/Einholz

Die große baden-württembergische Kreisreform, die vor einem halben Jahrhundert zu greifen begann, hat sich unter anderem auch auf die Wappen der Landkreise ausgewirkt. Einige sind verschwunden, andere haben ein neues Design erhalten, anderen Kreisen wurde zum ersten Mal ein eigenes Wappen verliehen. Anhand einer Aufstellung, die vor 60 Jahren vorgenommen wurde, wird deutlich welche tief greifenden Veränderungen die Kreisreform bewirkt haben. Im Jahr 1964 gab es allein in der Bundesrepublik Deutschland 425 Landkreise, heute sind es in ganz Deutschland nur noch 294. Spitzenreiter waren Bayern mit 143 Landkreisen (heute 71), Baden-Württemberg mit 63 (heute 35) sowie Niedersachsen 60 (heute 37).

Erstmals ein Wappen bekommen hat der Enzkreis, nachdem der Vorgängerlandkreis Pforzheim überhaupt keines hatte. Zu den verschwundenen Kreiswappen gehört das des Altkreises Leonberg, das der Kreistag im September 1956 angenommen hatte. Es hatte auf goldenem Hintergrund einen schwarzen Löwen. Der hält in den Pranken einen roten Schlüssel mit einem Kreuz anstatt eines Griffs. Es war ein sogenanntes redendes Wappen, denn der Löwe – lateinisch Leo – stand für den Namen, aber er erinnerte auch an das Wappen der Grafen von Calw, die bis gegen 1200 hier mächtig waren.

Das Leonberger Wappen gibt es nicht mehr.

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Aber die Farben spielen auch auf das Wappen der Grafen von Württemberg an, deren erste Stadtgründung Leonberg (1248/49) gewesen ist und die ab dem 13. Jahrhundert hier ihre Macht ausbauten. Die Reichsstadt Weil der Stadt benutzte seit 1534 im Schild einen Petersschlüssel als Beizeichen, so war dieser ein Hinweis auf das Hinteramt. Der Kreuzgriff symbolisiert das Vorderamt mit Korntal, das ein Kreuz im Wappen hat. Das am damaligen Landratsamt und späteren Leonberger Rathaus angebrachte Mosaikwappen des Bildhauers Fritz Melis wurde auf Initiative von Bürgern und des Gemeinderates erhalten. Im Jahr 2017 hat es auf dem Garagendeck des Rathaus-Neubaus einen neuen Platz bekommen.

Das Wappen des Landkreises Böblingen

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Der Landkreis Böblingen geht auf die historischen Ämter Leonberg, Herrenberg, Sindelfingen und Böblingen zurück. Er bekam bei der Kreisreform 15 Kommunen aus dem Kreis Leonberg zugeschlagen, nachdem ihm bereits 1938 nahezu alle Gemeinden des aufgelösten Oberamts Herrenberg sowie einige Gemeinden des Amtsoberamtes Stuttgart zugeführt wurden. Das jetzige Wappen, das 1948 vom Innenministerium verliehen wurde, zeigt in Gold unter einer liegenden schwarzen Hirschstange eine rote Fahne mit drei Latzen.

Die Fahne in der Form eines Gonfanon, wie im Mittelalter eine rechteckige Kampffahne bezeichnet wurde, die von einem vertikalen Stab weht und unten aus mehreren Streifen oder Bändern besteht, war seit 1171 das Siegelbild der Pfalzgrafen zu Tübingen. Sie ging später auch ins Wappen der Stadt und des Amtes Böblingen über. Die Hirschstange zeigt, dass 1347 die Grafen von Württemberg – später Herzogtum, ab 1806 Königreich Württemberg – das Ruder übernahmen.

Stolz auf seine Errungenschaften in der Luftfahrt und als Symbol für den Flughafen Böblingen prägte von 1927 an 20 Jahre lang das Sportflugzeug Klemm L25 das Wappen des damaligen Landkreises Böblingen. Die Klemm L25 war ein 1928 hier gebautes zweisitziges Sportflugzeug in Leichtbauweise von Hanns Klemm und Robert Lusser. Doch das wurde nach dem Krieg als überholt empfunden. Mit der Farbgebung des Wappens nahm sich der Kreisrat sechs Jahr lang Zeit und legte sie erst 1953 fest.

Das Wappen des Landkreises Ludwigsburg

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Ein Jahr nach der Umwandlung 1938 des Oberamtes zum Kreis Ludwigsburg hat der damalige Kreisrat das Wappen angenommen, das mit kleinen Änderungen bis heute gilt. In Gold war unter einer liegenden schwarzen Hirschstange ein schwarzer Adler mit roten Krallen und roter Zunge zu sehen. Die Hirschstange steht auch hier für die einstigen Grafen von Württemberg, denn ein Großteil des Kreisgebietes gehörte zum altwürttembergischen Territorium. Der Adler war seit dem 13. Jahrhundert Teil des Bildsiegels der Stadt Markgröningen. Mit der dortigen Reichsburg war seit der Stauferzeit die Pflicht zur Versorgung der Reichssturmfahne verbunden. Diese war eine im Krieg als Feldzeichen des Heiligen Römischen Reiches geführte Reiterfahne. Als erbliches Fahnenlehen des Reiches gelangte die Stadt 1336 an das Haus Württemberg. Weil die Neugründung Ludwigsburg bereits 1718 die Sturmfahne als Wappen erhalten hatte, wählte man für den Kreis den Adler.

Bei der Kreisreform 1971 gingen aus dem Altkreis Leonberg Ditzingen, Gerlingen, Heimerdingen, Hemmingen, Hirschlanden, Korntal, Münchingen und Schöckingen an den Landkreis Ludwigsburg über.

Der Enzkreis, an den vom Landkreis Leonberg Heimsheim, Friolzheim, Mönsheim und Wimsheim übergingen, hatte anfangs kein Wappen. Ein solches wurde ihm am 16. August 1976 verliehen. Dieses trägt in Gold einen blauen Wellenbalken, oben und unten begleitet von je zwei aufrechten blauen Rauten. Der Wellenbalken symbolisiert die Enz, die dem Kreis den Namen gibt, die vier Rauten die vier ehemaligen Landkreise, zu denen die heutigen Gemeinden des Enzkreises gehörten, beziehungsweise die vier Landschaften (Schwarzwald, Heckengäu, Kraichgau und Stromberg), die Teile des Kreisgebietes sind.

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