Weil der Stadt
: Ein Netzwerker im Obst- und Gartenbau verabschiedet sich

Rolf Heinzelmann war 31 Jahre Geschäftsführer des Landesverbands für Obstbau, Garten und Landschaft, der jetzt seinen Sitz in Weil der Stadt hat.
Von
Brunhilde Arnold
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Logl-Geschäftsführer Rolf Heinzelmann hört auf.

Simon Granville

„Leidenschaft für Obst und Garten leben“ und „Gartenkultur fördern – Landschaft bewahren“, so lauten die Leitsätze des Landesverbands für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg, kurz Logl. Sätze, die Rolf Heinzelmann fast schon sein ganzes Leben begleiten. In den vergangenen 31 Jahren war er Geschäftsführer des Vereins, der seinen Sitz in Weil der Stadt hat. Aber schon viel länger beschäftigen ihn Obstbau und Gartenkultur. Jetzt verabschiedet sich der 65-Jährige in den Ruhestand.

Die erst vor zwei Jahren bezogenen neuen Räume am Malersbuckel oberhalb von Weil der Stadt duften noch nach Holz. Das neue Logl-Zentrum besteht überwiegend aus verschiedenen heimischen Gehölzen. Mit öffentlichen Geldern gefördert und mit dem Holzbaupreis Baden-Württemberg 2024 ausgezeichnet ist das Bauprojekt Sitz der Verbandsgeschäftsstelle und zentral gelegener Ort für Seminare und Fortbildungen für Verbandsmitglieder und die Öffentlichkeit. Es befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Landesakademie für Jugendbildung.

Fallback Image STZ

Stuttgarter Zeitung

Der Neubau war kurz vor seinem Ruhestand eine große Aufgabe für Rolf Heinzelmann, die er gemeinsam mit dem Präsidium des Logl gestemmt hat. „Wir hatten unsere Geschäftsstelle lange in Stuttgart, aber dort wurde es zu eng“, erzählt er. In Weil der Stadt hat der Fachverband jetzt ein modernes und nachhaltiges Gebäude mitten im Grünen.

Mit viel Grün hat Rolf Heinzelmann zeitlebens zu tun gehabt. Aufgewachsen in Freudenstadt habe er schon daheim im Garten gewerkelt und nach der Schulzeit eine Gärtnerlehre absolviert, in der er eine breite Ausbildung genossen habe, blickt er auf seine beruflichen Anfänge zurück. Später studierte er Gartenbau an der Fachhochschule in Osnabrück und schloss als Dipl.Ing. (FH) ab. Nach einer Zwischenstation beim Obstgroßhandel war er fünf Jahre Fachberater für Obst- und Gartenbau beim Rhein-Neckar-Kreis, wo er bei Vorträgen und Baumschnittkursen viel mit den örtlichen Obst- und Gartenbauvereinen (OGV) zu tun hatte.

101 000 Mitglieder

Zum Logl kam der damals 34-Jährige 1993. Er wurde Geschäftsführer des Verbands mit 70 000 Mitgliedern. Gut 30 Jahre später gehören über die lokalen OGVs und die Kreisverbände indirekt 101 000 Mitglieder zum Zuständigkeitsbereich des Logl. Dessen Vorläufer, der Württembergische Obstbauverein, wurde 1880 gegründet. Heute vertritt der landesweit tätige Verein die Interessen seiner Mitglieder, die überwiegend im Nebenerwerb tätig sind oder Gartenbau und Streuobstwiesen als Hobby betreiben.

Apropos Streuobstwiesen: Es gebe wieder mehr Menschen, die sich dafür interessieren, eine solche Wiese zu bewirtschaften. Aber viele Anlagen hätten einen Pflegerückstand, so Rolf Heinzelmann. Durch die landesweit geregelte Ausbildung zum Fachwart für Obst und Garten würden aber mehr Wiesen gepflegt. Die intensive Schulung, mit der es im Verband 1998 losging, sorgt dafür, dass kein Fachwissen verloren geht, erklärt Heinzelmann.

Heute seien viele örtliche OGV-Vorsitzende geschulte Fachwarte. Bildungsarbeit sei das wichtigste, betont er, sowohl fachlich, als auch für das Funktionieren der Vereine. „Wir wollen möglichst viele Bereiche und Personen ansprechen.“ Entsprechend breit ist auch das Logl-Bildungsangebot aufgestellt. Dafür gebe es ein umfangreiches Netzwerk, das er im Laufe der Jahre aufgebaut habe und das ständig gepflegt werden müsse. „Die Fachberater, die es bereits in einem Großteil der Landkreise gibt, waren dabei mein wunderbares Fundament“, sagt er mit einem Lächeln.

Rolf Heinzelmann setzt auf die Nähe zu den Menschen und das Miteinander beim Erreichen der Ziele. „Man kann nicht einfach vom Schreibtisch aus Ideen entwickeln, man muss vor Ort gehen, um zu überzeugen.“ Er habe die Arbeit im Logl auch nach den Erwartungen der Mitglieder ausgerichtet, die bei Seminaren abgefragt wurden. Weil der Verband ganz Baden-Württemberg abdeckt, gibt es inzwischen in zwölf Regionen des Landes Vertreter, die zum erweiterten Vorstand gehören und auch vor Ort Termine wahrnehmen. „Wir haben darauf geachtet, die Vereinsstruktur so aufzubauen, dass nicht alles an einer Person hängt.“ Dass die Landesgeschäftsstelle mit nur fünf hauptamtlich Beschäftigten auskomme, gehe nur, weil der gesamte Vorstand aktiv mitarbeite.

„Themen passen in die heutige Zeit“

Für die Zukunft sieht Rolf Heinzelmann einen Generationenwechsel auf die OGVs zukommen. Deswegen gelte es, neben der Facharbeit die Vereine in ihren inneren Strukturen zu unterstützen, gerade auch generationenübergreifend. „Themen wie die Pflege von Obstbäumen und eine naturnahe Gartengestaltung passen ja komplett in die heutige Zeit“, meint er. Der Generationenwechsel in den Vereinen werde auch immer wieder in der monatlich erscheinenden Verbandsfachzeitschrift Obst & Garten angesprochen, deren verantwortlicher Schriftleiter Rolf Heinzelmann ebenfalls ist. Und auch Autor von Fachbüchern ist der Gartenbau-Ingenieur. So hat er etwa zusammen mit dem Fachberater des Landkreises Böblingen, Manfred Nuber, ein Buch für Einsteiger zum Thema Streuobstwiesen geschrieben.

StZ Kreis Böblingen
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Böblingen im kompakten Überblick: Von Montag bis Samstag schicken wir Ihnen unseren Newsletter mit den fünf beliebtesten Themen unserer Leserinnen und Leser in Ihr E-Mail-Postfach. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.